Wachtelland eröffnet bald: Wie ein Start-up aus Obersulm die Wachtel zum Trend machte
Das Start-up Wachtelland aus Obersulm siedelt sich für elf Millionen Euro in Wittighausen an. Noch vor Ostern soll es eröffnen.
Noch ist die Wachtelallee ein Weg. Asphaltiert, aber nur wenige Meter lang. Und für die Bäume, die eine Allee der Bedeutung nach säumen, ist es zu früh. Noch wird auf dem vorderen Grundstück nördlich der Landstraße 511 am Ortseingang von Wittighausen im Main-Tauber-Kreis gearbeitet. Die größtenteils fertigen Gebäude auf dem dreieinhalb Hektar großen Gelände lassen aber erkennen, dass sich der Kindheitstraum von Michael Volk mit seinem Wachtelland zwölf Jahre nach Gründung des Start-ups aus Obersulm schon erfüllt hat.
Das Wachtelland ist flügge geworden: Einkaufen soll zum Erlebnis werden
Im Inneren des vorderen Gebäudes schildern Michael Volk und Co-Gründer Nico da Silva Teixeira, was die Besucher nach der offiziellen Eröffnung um Ostern in der Wachtelallee erwartet. „Auf der einen Seite entsteht ein kleines Café mit Außenterrasse“, sagt Michael Volk. Kuchen, Eis, Likör und Pasta – hergestellt aus eigenen Wachteleiern – wird es hier geben. Auf der anderen Seite des hellen Raums entsteht der Wachtelshop, den es bisher nur online gibt.
Das Einkaufen im Wachtelland soll dank moderner Technik zu einem Erlebnis werden. Die Kunden scannen die Produkte. Nach dem Zahlen werden die Waren hinter den Kulissen kommissioniert – und ans Auto geliefert. Alles so bequem wie möglich. Für Kinder gibt es Alpakas und Esel zum Streicheln, irgendwann auch einen Spielplatz. „Wir locken Kunden durch das Erlebnis drumherum zu uns“, erklärt Volk die Idee.
Wachtelland eröffnet bald: Nur noch wenige Wochen
Die beiden Gründer des inzwischen aus den Kinderschuhen gewachsenen Start-ups sind ein paar Wochen vor der Eröffnung aufgeregt. „Wir müssen schauen, wie alles angenommen wird, fangen erstmal langsam an“, sagt Michael Volk mit Blick auf die Öffnungszeiten des Cafés, das zunächst am Wochenende für Besucher da ist. Dabei hat das Wachtelland bereits vor seiner offiziellen Eröffnung erste Besucheranstürme erlebt.
Mit der Fertigstellung des Stalls mit nun gut 3500 Wachteln deckt das Unternehmen seit Juli 2024 auch den Verkauf der Hühnervögel ab – mit Erfolg. An vier Abholtagen kamen im zweiten Halbjahr nach Angaben der Gründer immerhin rund 750 Kunden nach Wittighausen, um bei einem Erlebnistag ihre reservierten Wachteln abzuholen. Private Kunden, die sich mehr selber versorgen wollen und ein Haustier suchen. „Wachteln sind Charaktertiere, die sehr zutraulich sind und sich für Kinder eignen.“ Im Vergleich zu anderen Haustieren sei auch die Bindung überschaubar, da die Hühnervögel nur drei Jahre alt werden.
Dem Trend zur Wachtel begegnet das einstige Start-up damit, dass es inzwischen 25 Städte deutschlandweit mit seinem Wachtelmobil ansteuert, um die beliebten, zuvor reservierten Tiere an Kunden auszuliefern. Die Übergabe an den Pickup-Points sei immer wieder ein Erlebnis, auch für die Gründer. Die Käufer warten dort sehnsüchtig. „Das ist wie bei Kindern, wenn der Eiswagen kommt“, findet Volk. Die Kunden dankten es den Wachtellieferanten mit Geschenken. „Zurück fahren wir mit einem Transporter voller Geschenke und Süßigkeiten.“
2500 Tonnen Futtermittel werden bei Wachtelland jährlich produziert
Kerngeschäft bleibt jedoch der Verkauf des selbst entwickelten, hochwertigen Futtermittels. Acht Millionen Euro setzte das auf 50 Mitarbeiter angewachsene Team 2024 insgesamt um, 2500 Tonnen Futtermittel werden jährlich verarbeitet. Seit der Eröffnung der Logistik fahren in der Wachtelallee täglich 20 bis 40 Lkw über den Hof, berichtet Volk. Sein Unternehmen hat sich einen Namen gemacht, genießt Vertrauen. „Die Marke ist so gut etabliert: Die Leute wollen aus Berlin zu uns ins Wachtelland kommen.“ Auch Einheimische standen schon vor der Tür, immerhin ist das Wachtelland der größte Arbeitgeber des 1800-Einwohner-Dorfs.
Der Ansiedlung vor den Toren Wittighausens – rund 20 Kilometer nördlich von Bad Mergentheim – ging eine schwierige Suche voraus: Volk wollte Obersulm nicht verlassen. Aber im Landkreis Heilbronn sei kein vergleichbarer Bauplatz zu finden gewesen. „Im normalen Gewerbegebiet dürfen keine Wachteln gehalten werden“, erläutert der 31-Jährige. Es bedurfte schon eines Sondergebiets, da war die Auswahl klein. Trotzdem kamen fünf Gemeinden infrage, ausschlaggebender Punkt sei am Ende der Tatendrang von Wittighausens Bürgermeister Marcus Wessels gewesen. „Der hält seine Versprechen bis heute, ist immer zur Stelle“, sagt Michael Volk.
Michael Volk von Wachtelland: „Das ist wie eine Neugründung.“
Und mit 14,50 Euro für den voll erschlossenen Quadratmeter Bauland hatte Wittighausen auch preislich die Nase klar vorn. „Woanders hätten wir 100 Euro bezahlt“, sagt Volk. Bei einem solch hohen Quadratmeterpreis wäre das Wachtelland in anderen Dimensionen gelandet. Dabei ist das Projekt ehrgeizig genug: Mit elf Millionen Euro schlägt der Bau zu Buche, dafür ist alles an einem Ort. Genug Platz für weitere Ideen gibt es zudem.
Neubau, Umzug, Finanzierung mithilfe eins Investors: „Das ist wie eine Neugründung“, sagt Volk. Vor allem mit Blick auf den Anfang, als die Gründer – damals noch als Paar – mit nichts mehr als 10 000 Euro aus einem Bausparvertrag ein Start-up gründeten. Gegen Widerstände. Zwei schwule Männer, dazu das Thema Wachtel: „Wir wurden belächelt ohne Ende“, erinnert sich Volk. Doch der Glaube an das Projekt war stets größer. Auch deswegen gibt es nun eine Wachtelallee.
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