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Zukunftswiesen Summit

Vom Rapper zum Mahner: Felix Blume sorgt für Reibung in Ilshofen

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Felix Blume setzt in Ilshofen auf große Worte und klare Kante – und sorgt damit für Diskussionen. Zwischen Kritik an Politik und provokanten Thesen wird er zum emotionalen Höhepunkt des ersten Tages.

Felix Blume (links) im Gespräch mit Sam Keitel, dem Cheforganisator des Zukunftswiesen Summit in Ilshofen.
Felix Blume (links) im Gespräch mit Sam Keitel, dem Cheforganisator des Zukunftswiesen Summit in Ilshofen.  Foto: Zukunftmacher

Seine Karriere als Kollegah hat Felix Blume beendet und den Künstlernamen im vergangenen Jahr abgelegt. Seine Rolle als „der Boss“ hat der 41-Jährige dagegen beibehalten. Mit wuchtigen Aussagen präsentiert sich der Rapper am Montag beim dritten Zukunftswiesen Summit in Ilshofen. „Es ist Zeit aufzuwachen“, sagt er in den vollen Saal der Hohenlohe Arena, in dem noch mehr Menschen stehen als einen Sitzplatz gefunden haben. 1700 Besucher sind zu dem Netzwerktreffen gekommen – deutlich mehr als Cheforganisator Sam Keitel ursprünglich erwartet hatte.

Blume zieht, keine Frage, er ist einer der Höhepunkte des Summits, der Unternehmer, Start-ups, Wissenschaft und Investoren zusammenbringt und vernetzt: für mehr Wettbewerbsfähigkeit des Standorts Deutschland, für eine bessere Zukunft. Die fordert auch Felix Blume, viele Menschen würden nicht verstehen, was das Weltgeschehen mit ihrer Heimat mache. Im Vergleich zu seiner Jugend im Hunsrück „ist es heute kein angenehmes Lebensgefühl mehr in Deutschland“.

Blume kokettiert auf der Bühne offen mit Verschwörungstheorien 

Der Politik wirft er vor, gegen das Volk zu regieren. „Das muss sich schnell ändern, sonst ist der Zug abgefahren“, sagt Blume, der inzwischen selbst als Unternehmer tätig ist. Im Programm des Zukunftswiesen Summit ist er der Kontrastpunkt, sorgt für Kontroversen, kommt mit einfachsten Wahrheiten daher, kokettiert offen mit Verschwörungstheorien, spricht beim Thema Corona und Impfen von einer „gleichgeschalteten Macht im Hintergrund“. Mildes Lächeln im Publikum.

„Ab der zehnten Million kann man einigermaßen entspannen.“

Felix Blume

Blume ist seine Außendarstellung egal, versichert er. In die Politik habe er „null Vertrauen“, am liebsten will er in einer Nacht- und Nebelaktion alle austauschen und durch Leute ersetzen, „die unternehmerisch was draufhaben“. Dass Felix Blume sich auch Politik zutraut, daran lässt der Boss keinen Zweifel. Er sieht sich als Macher. Anstatt sich als Rentner, der ausgesorgt hat („ab der zehnten Million kann man einigermaßen entspannen), „in Süditalien die Eier zu schaukeln“, will er was für sein Land tun. Bei allem, was auch in der Welt schiefläuft. „Meine Langzeitversion will das alles ändern“, sagt er.

Bundestagsabgeordneter Christian von Stetten spricht über Regierungs-Aus

Politisch könnte sich für Blume bald eine Tür öffnen – sofern man Christian von Stetten glauben mag. Zwar hob der Hohenloher Bundestagsabgeordnete als Schirmherr auch die Bedeutung des Zukunftswiesen Summits hervor und lobte Ideen, Weitsicht und Einsatz der Organisatoren. Aber schnell schweifte von Stetten (CDU) in die aktuelle Politik ab, kokettiert mit einem Regierungs-Aus. „Wir haben drei Parteien, die am Ende des Tages nicht zusammenpassen.“ Wenn man das Land nicht mehr voranbringen können, müsse man sich in die Augen schauen und sagen: „Wir beenden das besser.“

Rund 1700 Besucher kamen am Montag zur dritten Auflage des Zukunftswiesen Summit nach Ilshofen.
Rund 1700 Besucher kamen am Montag zur dritten Auflage des Zukunftswiesen Summit nach Ilshofen.  Foto: Zukunftsmacher

Worte, die aufhorchen lassen und für Gesprächsstoff sorgen. Von Stetten hatte vor zwei Jahren bei der zweiten Auflage auch das Ampel-Aus prophezeit. Düstere Aussichten, die auch Michael Giss mit seinem Bild auf die Außenpolitik zeichnet. Der Kapitän zur See und Kommandeur des Landeskommandos Baden-Württemberg spricht über Europas Sicherheit, die angesichts der zunehmenden Bedrohung neu gedacht werden müsse.

Schwierige Themen zu Beginn eines Treffens, das doch für Mut und Aufbruch stehen soll. „Ich bin ein bisschen die Spaßbremse für die Zukunftswiesen“, weiß Giss. Aber die Lage sei eben ernst. Deutschlands Resilienz werde nicht am Aufbau der Streitkräfte scheitern, diese Sorge nahm er Unternehmern und Gründern. Entscheidend sei aber der zivile Anteil: So müsse jeder wissen - auch Unternehmer - wie verteidigungswert die Freiheit sei.

Die Start-ups von heute sind der Mittelstand von morgen

Bei aller Resilienz waren beim Summit aber Lösungen für erfolgreiches Unternehmertum gefragt. Ansätze dafür zeigte Gunther Wobser von der Lauda Dr. R. Wobser GmbH. Im Gespräch mit Elke Döring, Hauptgeschäftsführerin der IHK Heilbronn-Franken. Jedes Unternehmen müsse sich mit Transformation und Innovation als „Top-Priorität“ befassen, so Wobser. „Mittelständler finden Start-ups cool, machen auch gerne Selfies.“

Aber viele haben Angst, dass Start-ups ihr Geschäft durcheinanderbringen oder gar aushebeln. „Jeder weiß: Wir brauchen Veränderung, wir wollen aber Stabilität“, zeigt Wobser auf. Das funktioniere nicht. Man müsse die Gegensätze auch zulassen, echte Zusammenarbeit eingehen und eine „gemeinsame Stärke entwickeln, die uns am Markt voranbringt“. Der Mittelstand könne in Sachen Agilität und neue Ideen viel von den Start-ups lernen, junge Unternehmen umgekehrt in Sachen Skalierung.  

EBM-Papst-Chef Geißdörfer: Mittelstand braucht Mut zu Veränderung

Diesen Bogen schlug auch eine Diskussionsrunde zum „New Mittelstand“, die den undankbaren Platz im Anschluss an den Auftritt von Blume hatte. „Mittelstand entsteht durch Start-ups“, sagt Alfons Rieck, Vorstand Innovation und Technologie bei Festo, vor deutlich weniger Zuhörern. Je mehr Menschen gründen, desto mehr Mittelstand entstehe. Der etablierte Mittelstand brauche dagegen Mut zu Veränderung, ergänzte EBM-Papst-CEO Klaus Geißdörfer. Diesen Weg sein man in Mulfingen vor vier Jahren gegangen – und ernte jetzt die Früchte.

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