Batterie-Test-Center

Verkehrswende made in Friedrichshall

   | 
Lesezeit  3 Min
Erfolgreich kopiert!

Valmet Automotive hat in Bad Friedrichshall in den vergangenen Jahren rund 15 Millionen Euro in sein Batterie-Test-Center investiert. Beim Blick hinter die Kulissen wird deutlich, dass die Finnen mehr als ein wichtiger Partner für die deutschen Autobauer bei der Verkehrswende sind.

Valmet-Standortleiter Stefan Sommer (rechts) führt eine Gruppe durch das Batterie-Testcenter in Bad Friedrichshall, wo das Unternehmen 15 Millionen Euro investiert hat.
Valmet-Standortleiter Stefan Sommer (rechts) führt eine Gruppe durch das Batterie-Testcenter in Bad Friedrichshall, wo das Unternehmen 15 Millionen Euro investiert hat.  Foto: Helmut Melchert

Bloß nichts anfassen. "Und bitte auf den markierten Wegen bleiben." Bevor Standortleiter Stefan Sommer die Besucher über das Gelände und durch die Hallen von Valmet Automotive in Bad Friedrichshall führt, richtet der Standortleiter einen kleinen Appell an die Gruppe. "So bewegen wir uns alle sicher", sagt er. Sicherheit, das zeigt die anschließende Führung, ist beim führenden europäischen Hersteller von Batteriesystemen ein zentrales Thema.

Selbst in Halle drei, wo die Batterien nur lagern, die Valmet für verschiedene Partner aus der Automobilbranche umfangreich testet. Jede ist einzeln in einer separaten, thermoüberwachten Truhe untergebracht, mehrere davon stehen in großen Betonboxen in der Halle. Alles ist brandschutzsicher. "Wir haben bewusst viel investiert, um die Lagerung abzusichern", sagt Stefan Sommer. Viel steht auf dem Spiel. Für Valmet selber, aber auch für seine Kunden, zumeist Autobauer, die ihre Batterien schon im Entwicklungsstadium hier unten am Neckar testen lassen.

Unverzichtbare Unternehmen für Bad Friedrichshall

Das Lager- und Logistik-Center gehört zur nun abgeschlossenen Erweiterung des Standorts in Bad Friedrichshall, die sich Valmet Automotive in den vergangenen fünf Jahren rund 15 Millionen Euro hat kosten lassen. Beginnend mit der Inbetriebnahme eines High Performance Batterie-Testcenters im Jahr 2020 betreibt das Unternehmen nach eigenen Angaben in Bad Friedrichshall nun eine der modernsten Testeinrichtungen für Batteriesysteme für die Automobil- und Nutzfahrzeugindustrie, hat seine Prüfstände von vier auf nun zehn mehr als verdoppelt.

Das freut auch Bürgermeister Timo Frey, der in dem Zusammenhang gerne auf Nachbar Iinovis verweist, einen weiteren führenden Innovationspartner in Sachen Entwicklung und Fertigung von Mobilitätslösungen. "Das sind unverzichtbare Unternehmen bei der Umsetzung der Verkehrswende", sagt das Stadtoberhaupt. Und die 145 Mitarbeiter, die Valmet inzwischen allein in Bad Friedrichshall zählt, "sind für eine Stadt mit 20.000 Einwohnern ein Wort", sagt Timo Frey, der beim Blick hinter die Kulissen freilich dabei ist.

Havarie-Fälle sind bei Valmet keine Seltenheit

Auch die großen deutschen Automobilhersteller haben jeweils Delegationen nach Bad Friedrichshall geschickt, teils unschwer erkennbar an der Kleidung mit den Markenlogos. Das zeigt zum einen, wie wichtig die Entwicklung von Batterien ist. Und zum anderen, welchen Stellenwert Valmet als Partner für die großen Player hat. Deswegen schauen manche Gäste ganz genau hin, interessieren sich für die hochkomplexen Prüfanlagen, fragen detailliert nach. "Was passiert im Havarie-Fall, wenn eine Batterie zu brennen anfängt?", will ein BMW-Mitarbeiter wissen.

Kleine Fälle gäbe es immer wieder, selbst größere Havarien kämen alle zwei Jahre vor, sagt Stefan Sommer. Aber alles nichts, was die Experten aus der Ruhe bringt. "Wir haben hier eingespielte Prozesse, die gut funktionieren", sagt der Standortleiter. Der jeweilige Prüfstand werde abgeriegelt, geflutet und gefährliche Rauchgase abgesaugt. Ein ausgeklügeltes, aber auch teures System. "Das sind Investitionen, die wir tätigen müssen, auch wenn es teurer als notwendig ist", sagt Sommer.

6,5 Millionen Euro haben allein die sechs neuen Prüf-Container gekostet. Das Gute: Fällt eine Testeinheit infolge eines Brandes vorübergehend aus, kann das Unternehmen mit den fünf anderen weiterarbeiten. Zeit ist Geld, wie auch Mitarbeiter der Automobilbauer durchblicken lassen. "Wir stehen in einem Brandfall zwar nicht in der Verantwortung, hängen aber mit drin." Ungeplante Ausfälle bedeuten Rückschläge in der Entwicklung, die kann sich im Wettbewerb um die beste Batterie kein Konzern leisten.   

Mit eigenen Produkten auf den Non-Automotive-Markt

Daher beauftragen Autobauer nur Partner, die höchste Sicherheitsstandards einhalten. Valmet gehört dazu, wie Stefan Sommer bei der Führung versichert. Dahinter steht auch ein ureigenes Interesse: Denn die Finnen testen Batterien nicht nur, sie entwickeln auch eigene Produkte und wollen im Non-Automotive-Bereich wachsen, also bei der Elektrifizierung von Bussen, Trucks und Landmaschinen. "Wir rechnen uns große Chancen aus, in diese Märkte reinzukommen", sagt Stefan Sommer.

Durch die getätigten Investitionen sei das Test-Center in der Lage, sowohl die hohen Leistungsanforderungen eines Sportwagens als auch die harschen Anforderungen eines Traktors zu testen. In Bad Friedrichshall wird ein größerer Teil der nun neu gewonnenen Kapazitäten schon für die eigene Entwicklung genutzt. Von hier aus, daran lässt der Standortleiter keinen Zweifel, soll die Elektrifizierung in eine neue Dimension vorstoßen können.

Vor einem Jahr erst hatte sich Valmet Automotive, das auch ein Werk in Kirchardt betreibt, zum Standort Bad Friedrichshall bekannt und seinen Mietvertrag bis 2033 verlängert. Damit schaffte das Unternehmen Planungssicherheit. Zwar seien vorerst keine neuen Investitionen geplant, in einem sich stetig verändernden Marktumfeld jedoch auch nicht ausgeschlossen, so Stefan Sommer. Zumal die Entwicklung schnell voranschreite. "Die Reichweiten-Diskussion, die wir heute haben, wird genauso wie das Thema Gewicht von Batterien in der Zukunft keine Rolle mehr spielen."

Kommentare öffnen
Nach oben  Nach oben