US-SAP-Chef: „Es sind nicht die Zölle an sich, die Probleme bereiten“
Für den Walldorfer Softwarekonzern sind die USA der wichtigste Markt. Mit dem Antritt der Trump-Regierung hat sich dort viel geändert. Doch der zuständige Vertriebsvorstand Jan Gilg bleibt optimistisch.

Die USA sind für SAP entscheidend. Dort sitzen die großen Wettbewerber, dort schlägt der Puls der IT im Silicon Valley, dort werden immer noch die meisten neuen Entwicklungen gemacht - und dort gibt es mit die meisten Kunden. Kein Wunder, dass der Walldorfer Softwarekonzern im Geschäft bleiben will. Die Partnerschaft mit dem Datenanalyse-Konzern Palantir, der vor allem mit US-Behörden verbunden ist, war eine der zentralen Bekanntmachungen bei der SAP-Hausmesse Sapphire in Orlando, Florida. In Madrid, bei der eine Woche später laufenden gleichnamigen Veranstaltung für Kunden aus Europa, Asien und Afrika, spielte das Thema hingegen eine geringere Rolle.
Dafür ist diese Partnerschaft für Jan Gilg zentral. „Wir haben bereits eine gute Position bei der US-Regierung. Wir sehen, dass wir dort Geschäfte machen können“, sagt der Vertriebsvorstand, zuständig für Nord- und Südamerika. Seit Januar bekleidet er die neu geschaffene Funktion im erweiterten Vorstand des Dax-Konzerns. Und hat schon einiges erlebt.
SAP-Manager: „Unsicherheit ist schlecht“
„Anfangs war die Stimmung sehr positiv, der Markt war extrem euphorisch“, erzählt Gilg. Die USA hätten nach wie vor die Führungsrolle bei künstlicher Intelligenz, und das spiegele sich momentan in den Unternehmen und ihren Projekten wider: Das Thema nimmt massiv an Fahrt auf, eine Integration von KI in die installierte Software wird immer mehr gefordert.
Bis dann eben die ersten Zölle durch US-Präsident Donald Trump verhängt wurden. Und parallel das Effizienzprogramm von Elon Musk als Regierungsbeauftragter startete. „Es sind nicht die Zölle an sich, die Probleme bereiten“, meint der SAP-Manager. „Es sind die Schwankungen bei den Entscheidungen. Unsicherheit ist schlecht.“ Immerhin seien noch keine Zölle auf Software im Gespräch, so etwas wurde bislang nur kurz auf EU-Ebene diskutiert. „Dafür gibt es in den USA bislang keine Indikation“, sagt Gilg.
Warum SAP selbst von Sparmaßnahmen profitiert
Am Ziel der US-Regierung, mehr Produktion ins Land zurückzuholen, hat er aber gewisse Zweifel. „In den USA gibt es doch kaum noch Industrie“, erklärt der Vorstand. „Das kann man gar nicht mehr so schnell hochfahren. Und wollen die Amerikaner solche Jobs annehmen?“ Man müsse daher abwarten, inwiefern das überhaupt realistisch ist, meint Gilg. „Es wird einiges an Dynamik drinbleiben, aber es wird sich auch wieder normalisieren.“
Ohnehin sei auch dies ein Geschäft für SAP. „Wir sind ja genau dafür aufgestellt, Prozesse zu analysieren und Effizienzen abzubilden“, erklärt Jan Gilg. „Es wird auch in der Regierung gesehen, dass unsere Software eher hilfreich sein kann.“ Der Markt sei nur momentan nicht einfach. „Manche Kunden fragen sich, ob sie sparen müssen.“ Allerdings sei die Entscheidung für die Einführung von SAP ein langfristiges Projekt. „Wir sehen noch nicht, dass Kunden diese Entscheidung aufschieben.“
Erste Lieferengpässe im Handel
Die US-Bürger selbst seien allerdings sehr sensibel, was ihren Konsum angeht. „Sie sind so gepolt, dass alles immer und sofort verfügbar sein muss.“ Als die größte Handelskette Walmart dann nach Einführung der Zölle Lieferschwierigkeiten meldete, als Regale leer blieben, weil zum Beispiel Textilien aus Fernost nicht mehr in gewohnter Menge ins Land kamen, habe das schon für Aufmerksamkeit gesorgt. Insgesamt werde aber die Konsumfreude bleiben, erwartet der SAP-Vorstand. Und auch das Investitionsklima sei weiterhin gut. Das erste Quartal sei für den Konzern in den USA sehr positiv gelaufen. „Wir hoffen, dass wir das halten können. Es ist schwer vorhersagbar, aber die Stimmung ist positiv.“
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