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Versicherungen 

Unwetter spülen der W&W AG den Gewinn fort

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Der Regen Ende Mai und ein Hagel-Unwetter in Ludwisgburg schmälerten den Ertrag der Wüstenrot & Württembergischen

Von frz
Rudersberg: Blick auf ein durch Hochwasser zerstörtes Gebäude. Tief "Orinoco" verursachte Millionenschäden auch für die Württembergische Versicherung.
Rudersberg: Blick auf ein durch Hochwasser zerstörtes Gebäude. Tief "Orinoco" verursachte Millionenschäden auch für die Württembergische Versicherung.  Foto: Alexander Wolf

Vor einem Jahr, das gab Vorstandsvorsitzender Jürgen Junker zu, war die Konzernführung auch noch gut gestimmt. Da war Orinoco noch ein Fluss in Südamerika und die Ergebnisse aus den ersten Wochen des neuen Jahres stimmten zuversichtlich, dass der Finanzkonzern Wüstenrot & Württembergische AG ein gutes Jahr vor sich hat.

Dann fing es Ende Mai im östlichen Baden-Württemberg an zu regnen. Tief „Orinoco“ brachte Fluten, die an den Namensgeber, einen Strom im Regenwald von Venezuela, erinnerten. Die Folgen waren Jahrhundert-Pegelstände, großflächige Überschwemmungen und massive Schäden. Für viele standen schließlich die Elementarschaden-Versicherungen von W&W ein. Und am Jahresende stand unter dem Strich ein von 141 auf 36 Millionen Euro geschrumpfter Gewinn.

In der Kfz-Versicherung explodierten die Kosten

Entsprechend ernüchtert hakte Junker das abgelaufene Jahr für den SDax-Konzern ab. Denn nicht nur Orinoco schmälerte das Ergebnis: Ein Hagelunwetter im Raum Ludwigsburg sorgte ebenfalls für große Schäden, hinzu kamen geradezu explodierte Ausgaben in der Kfz-Versicherung - und weiterhin eine Zurückhaltung bei den Baufinanzierungen und Bausparverträgen. „Gut, dass 2024 vorüber ist“, meinte der Vorstandschef. Es sei sicher das „schwerste Jahr seit Jahren besonders für einen Versicherer mit dem regionalen Schwerpunkt Südwesten“. Zeliha Hanning, Vorständin für die Sparte Versicherungen, bezifferte die von W&W beglichenen Schäden durch „Orinoco“ auf 125 Millionen Euro, durch den Hagelsturm bei Ludwigsburg auf weitere 60 Millionen Euro. Das sind gut zwei Drittel des gesamten Bruttoschadensaufwands von 282 Millionen Euro - im Vorjahr waren es noch 176 Millionen Euro. „Es war ein Katastrophenjahr mit außergewöhnlichen Unwettern“, fasste es Junker zusammen. „Aber wir sind Versicherer. In solchen Situationen müssen wir zur Seite stehen.“

So unkalkulierbar das Wetter sein mag, so sehr stört den Konzernchef etwas anderes - die Preisentwicklung in den Autowerkstätten. Die abgerechneten Stundensätze hätten sich seit 2022 um ein gutes Drittel erhöht, die Preise für Ersatzteile manchmal mehr als verdoppelt. Als Folge habe W&W zu Jahresbeginn wie die gesamte Branche die Beiträge erhöhen müssen - um satte 20 Prozent. „Die Kostenexplosion kann nicht mit der allgemeinen Preisentwicklung erklärt werden“, bemängelte Junker. „Wir sind nicht bereit, tatenlos zuzuschauen.“

Bausparen schwächelt, Renovieren boomt

Bei der Bausparkasse Wüstenrot ging das Brutto-Neugeschäft um 37,6 Prozent auf knapp elf Milliarden Euro zurück. Darin sah Junker aber vor allem eine Normalisierung nach der mehrmaligen Senkung der Leitzinsen. Bei den Baufinanzierungen legte das Kreditgeschäft sogar um knapp 20 Prozent zu, aber weniger bei Neubauten, sondern vor allem für Bestandsimmobilien. „Wir sehen eine wachsende Bereitschaft, in die eigenen Immobilien zu investieren“, sagte Junker. 

Für das laufende Jahr ist der Vorstandschef nach einem guten Start in den ersten Monaten zuversichtlich. Mit einer Prognose hält sich die Konzernleitung aber zurück. Nur so viel: Das Ergebnis dürfte deutlich besser ausfallen als 2024. Aber gut gelaunt war der Vorstand ja vor einem Jahr auch noch.

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