Tui wehrt sich gegen ZDF-Sendung
Touristikkonzern Tui reagiert auf zahlreiche Vorwürfe der ZDF-Sendung „Die Insider“ und kritisiert Effekthascherei statt wahrheitsgemäßer Berichterstattung. ZDF-Gremien werden aufgefordert, mehr Qualitätskontrolle zu betreiben.

Der Touristikkonzern Tui wehrt sich gegen Behauptungen, die im ZDF-Format „Die Insider“ am Dienstag, 10. Juni, aufgestellt wurden. Die Produktionsfirma Filmfee aus Berlin hat darin vermeintliche Missstände bei dem Touristikriesen aufgedeckt. Tui wird beispielsweise vorgeworfen, dass Werbefotos von Urlaubszielen stets schöner wirken als es in Wirklichkeit dort aussieht – das ist freilich seit Jahrzehnten gängige Praxis in der Branche.
Gleiches gilt für die Essenspräsentation an Buffets, die in dem Beitrag ebenfalls kritisiert wird. „Die Insider“ monieren in dem Film auch, dass Animateure in Clubhotels gar keine echten Freunde der betreuten Gäste seien – was niemanden wirklich verwundern sollte, der jemals Cluburlaub gemacht hat. In der Sendung wird auch behauptet, bei Tui-Kreuzfahrten landeten 30 bis 40 Prozent der produzierten Lebensmittel im Müll.
Tui wirft ZDF zahlreiche Falschaussagen vor
Tui macht dem ZDF nach Ausstrahlung der Sendung schwere Vorwürfe. Auf der Homepage hat das Unternehmen ein Schreiben veröffentlicht, in dem es Stellung zu den Aussagen der „Insider“ nimmt. Die Behauptung, 30 bis 40 Prozent der Lebensmittel auf Kreuzfahrten landeten im Müll, ist demnach falsch. „Sämtlicher Abfall, also auch organische Abfälle wie Lebensmittelreste, wird an Bord in bis zu 40 Kategorien getrennt, verarbeitet und – wo immer möglich – im nächsten Hafen umweltgerecht entsorgt, recycelt oder weiterverarbeitet“, schreibt Tui.
Falsch sei auch die Aussage, dass auf Kreuzfahrtschiffen weniger Sonnenliegen bereitgestellt würden als Gäste an Bord seien, um kostenpflichtige Entspannungsbereiche attraktiver zu machen. „Unter Beachtung der Sicherheitsvorgaben vor allem in puncto Evakuierung nutzen wir jede Möglichkeit, um vielfältige Sitz- und Liegeflächen auf den Außendecks zu platzieren.“ Zudem verfügten mehr als 80 Prozent der Kabinen über einen eigenen Balkon mit Balkonmöbeln. Und es stünden sehr viele kostenlose Ruhebereiche zur Verfügung, etwa an Pools und Saunen.
Wurden Honorare für passende Interviews gezahlt?
Auch zahlreiche andere Vorwürfe kontert Tui in dem umfangreichen Schreiben. Besondere Kritik übt der Konzern daran, dass die Produktionsfirma Tui-Mitarbeitern oder Ex-Mitarbeitern 800 Euro Gage für ein Interview angeboten habe. Das ZDF hat darauf mit der Aussage reagiert, es habe sich nicht um Honorare gehandelt, sondern um eine Aufwandsentschädigung für Drehtage, Reise- und Hotelkosten. Höchst irritiert zeigt sich Tui auch auf die Reaktion der „Insider“, als Tui Unterstützung bei der Recherche angeboten habe. „Wir wurden auf einen späteren Zeitpunkt vertröstet“, schreibt der Konzern. „Wir vermuten deshalb, dass ,Die Insider’ weniger an einer wahrheitsgemäßen Darstellung als an einer Effekthascherei interessiert waren“, heißt es bei Tui.
Tui: Sollen aus Gebührengeldern Honorare für fragwürdige Interviews gezahlt werden?
Der Konzern fragt in dem Schreiben, „warum das ZDF als öffentlich-rechtliche Medienanstalt so wenig Qualitätskontrolle betreibt“. Und weiter: „Ist es richtig, dass aus den Gebühren der Beitragszahler Honorare für anonyme, nicht überprüfte Statements angeboten und finanziert werden?“ Die Gremien des ZDF sollten sich die Fragen stellen, findet der Konzern.
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