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Grönland-Streit
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Wirtschaftsverbände aus Heilbronn fordern deutliche Antwort auf Trumps Zolldrohungen

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IHK Heilbronn-Franken und Südwestmetall verurteilen das Vorgehen des US-Präsidenten im Streit um Grönland scharf. Sie rufen zu einer entschiedenen Reaktion auf, beharren aber weiter auf Gesprächen und Deeskalation.


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Mit deutlichen Worten und klaren Forderungen reagieren Wirtschaftsverbände aus der Region Heilbronn auf die neuesten Zolldrohungen von US-Präsident Donald Trump im Zuge des Grönland-Konflikts. Elke Döring, Hauptgeschäftsführerin der IHK Heilbronn-Franken, spricht von einer „völlig neuen Eskalationsstufe, die nicht folgenlos bleiben darf“. „Bisher beschränkte sich die Zollpolitik der USA darauf, wirtschaftliche Interessen durchzusetzen. Nun geht es erstmals um politische Ziele“, sagt Döring. Trump versuche, Europa zu spalten, indem er jenen Ländern zusätzliche Zölle androhe, die nicht auf seiner Linie seien.

IHK-Hauptgeschäftsführerin Döring: EU muss Geschlossenheit zeigen

Europa müsse jetzt Geschlossenheit zeigen und entschlossen handeln, fordert die IHK-Hauptgeschäftsführerin. „Ich kann mir nicht vorstellen, dass das Europäische Parlament noch einer Absenkung der EU-Zölle für amerikanische Güter auf Null zustimmen wird“, sagt Döring. Im Gegenteil müsse Brüssel nun alle Instrumente des EU-Handelsschutzes prüfen und gegebenenfalls eigene Zwangsmaßnahmen ergreifen. „Besser wäre es allerdings, wenn es der EU gelingen würde zu deeskalieren.“ Angesichts der absoluten Unberechenbarkeit des US-Präsidenten habe sie aber wenig Hoffnung, dass eine belastbare Einigung gefunden werde.

US-Präsident Donald Trump droht einigen EU-Staaten mit Strafzöllen, wenn sie nicht auf seine Linie im Grönland-Konflikt einschwenken.
US-Präsident Donald Trump droht einigen EU-Staaten mit Strafzöllen, wenn sie nicht auf seine Linie im Grönland-Konflikt einschwenken.  Foto: Evan Vucci

IHK nennt Trumps Zolldrohungen weiteren Tiefschlag für regionale Unternehmen

Für die Unternehmen in der exportorientierten Region Heilbronn-Franken sei die Aussicht auf weitere Zölle „natürlich ein weiterer Tiefschlag“, betont Elke Döring. Umso wichtiger sei es, dass die hiesigen Exportunternehmen neue, verlässliche Märkte erschlössen. „Gut, dass das Mercosur-Abkommen endlich unterzeichnet wurde“, sagt die IHK-Hauptgeschäftsführerin.

Jörg Ernstberger, Geschäftsführer des Arbeitgeberverbandes Südwestmetall Bezirksgruppe Heilbronn/Region Franken, nennt die Zolldrohung Donald Trumps „inakzeptabel“. „Es ist jetzt besonders wichtig, dass die Bundesregierung gemeinsam mit den europäischen Partnern klar und geschlossen auftritt und deutlich macht, dass einseitige Zolldrohungen der falsche Weg sind“, sagt er.

Südwestmetall fordert selbstbewusste Antwort der EU auf Trumps Drohungen

Die Reaktion der EU sollte Ernstberger zufolge „durchaus selbstbewusst ausfallen“. Die EU sei der größte Binnenmarkt der Welt und für die USA ein unverzichtbarer strategischer Partner. Zugleich verfüge sie über Instrumente, um sich gegen ökonomischen Druck zu wehren, wenn dies als letztes Mittel notwendig sei. „Gleichzeitig gilt: Die Kanäle für Dialog und Deeskalation müssen offenbleiben“, betont Ernstberger. Die Botschaft der EU müsse klar sein: Eskalation schade allen.

Es sei nachvollziehbar, dass das Europäische Parlament die Abstimmung über das Handelsabkommen mit den USA zunächst aufschiebe und auch Gegenzölle oder den Einsatz eines scharfen Schwerts, des Instruments zur Abwehr ökonomischen Zwangs (Anti-Coercion Instrument/Bazooka), prüfe. „Die gegenseitigen Abhängigkeiten und der Schaden, den der aktuelle Kurs der US-Regierung anrichtet, werden bereits heute am Beispiel des deutschen Maschinenbaus deutlich: Durch zusätzliche Zölle auf Aluminium und Stahl werden unsere Unternehmen hart getroffen und über die Maße belastet“, erläutert Ernstberger.

Ernstberger: Mit weiteren Zöllen schadet Trump den Verbrauchern in den USA

Zusätzliche Zölle von zehn Prozent träfen Ernstberger zufolge aber nicht nur europäische Unternehmen, sondern schadeten vor allem auch der US-Wirtschaft und den Verbrauchern in den Vereinigten Staaten. „Eine Re-Industrialisierung der USA ohne enge Kooperation mit Europa wird nicht möglich sein“, so der Südwestmetall-Geschäftsführer. Abschottung und die gezielte Destabilisierung der Zusammenarbeit seitens der Trump-Administration führten auf beiden Seiten des Atlantiks ins wirtschaftliche Abseits.

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