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Firma Tecnaro aus Ilsfeld rollt Fußballern Bio-Kunstrasen aus

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Die Firma Tecnaro hat vom Umweltministerium Baden-Württemberg einen Preis erhalten. Zudem wurde der erste Bio-Kunstrasenplatz Deutschlands eingeweiht – für die Ilsfelder ein Geschäftsfeld mit großem Potenzial. 


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Auszeichnungen stehen im kleinen Besprechungsraum von Tecnaro in Ilsfeld einige. Der Preis für Forschung und Nachhaltigkeit, der europäische Erfinderpreis für die Jahre 2010 und 2011, der golden Planet Award und mehrere Green Brand Wards, einige auf einem Regal an der Tür, die meisten unter dem riesigen Bildschirm an der Wand gegenüber. Sie alle zeugen von der Innovationskraft und dem Nachhaltigkeitsgedanken des Unternehmens.

Tecnaro aus Ilsfeld vertreibt Bio-Kunstrasen – und erhält Preise

In den vergangenen Tagen ist ein weiterer Preis dazugekommen, der in der Galerie in Ilsfeld in der ersten Reihe seinen Platz gefunden hat und auch mit seiner gelben Farbgebung hervorsticht. Den „Zukunfts.Länd.Macher“, wie die Auszeichnung des Umweltministeriums Baden-Württemberg heißt, brachte Ministerin Thekla Walker höchst selbst vorbei, würdigte damit die Verdienste des Unternehmens in Sachen Umweltschutz.

Die Ausgezeichneten  würden zeigen, „dass Energiewende und Klimaschutz in Baden-Württemberg längst gelebte Realität sind, auf unterschiedlichen Ebenen funktionieren und sogar für Wettbewerbsvorteile sorgen“, heißt es dazu.

Tecnaro in Ilsfeld: „Haben Potenzial für 5000 Mitarbeiter“

Eine Würdigung, die die Verantwortlichen auch diesmal wieder freut. Ihnen geht es um die Sache .„Wir zeigen mit unseren Produkten, dass Nachhaltigkeit und Wirtschaftlichkeit keine Gegensätze sind“, erklärt Helmut Nägele, der das Unternehmen vor 27 Jahren mit Jürgen Pfitzer gründete und bis heute leitet.

Als Fraunhofer Spin-off trat das Duo 1998 an, um Kunststoffe neu zu erfinden und die Flut aus erdölbasiertem Plastik einzudämmen. „Im zweiten Jahr war unser Umsatz genau null Euro“, erinnert sich Pfitzer an die schwierigen Anfänge.

Inzwischen ist aus der Tecnaro GmbH ein solides, international aktives Unternehmen geworden. Und obwohl die Ilsfelder dem Start-up-Alter längst entwachsen sind, kämpfen sie mitunter gegen Windmühlen an. Ohne näher auf aktuelle Umsatzzahlen eingehen zu wollen, sagt Pfitzer, dass es der Firma wirtschaftlich gut gehe und inzwischen im Drei-Schicht-Betrieb gearbeitet werde. „Wir sind aber auch nur 50 Leute.“ Eigentlich, sagen die Geschäftsführer, müsste Tecnaro deutlich größer sein. „Wir haben das Potenzial, 5000 Mitarbeiter zu beschäftigen“, sagt Nägele.

Tecnaro mit Biokunststoffen in verschiedenen Märkten vertreten

Zumal die Ilsfelder mit ihren selbst entwickelten und produzierten Biokunststoffen und Biocomposites in nahezu jedem Markt vertreten sind – von der Automobilbranche über die Solar- und Spielzeugindustrie bis hin zu Möbel- und Modeindustrie. Das Problem: die politischen Rahmenbedingungen. Im Vergleich zu erdölbasierten Produkten sind die von Tecnaro teurer. „Wir haben in Deutschland politisch nicht den Mut, die Rahmenbedingungen so zu setzen, dass sich nachhaltige Lösungen durchsetzen können“, sagt Helmut Nägele.

Für ihre Verdienste in Sachen Umwelt- und Klimaschutz erhielten die Tecnaro-Verantwortlichen vor kurzem den Preis. Von links: Ilsfelds Bürgermeister Bernd Bordon, Romy und Jürgen Pfitzer, Umweltministerin Thekla Walker und Helmut Nägele.
Für ihre Verdienste in Sachen Umwelt- und Klimaschutz erhielten die Tecnaro-Verantwortlichen vor kurzem den Preis. Von links: Ilsfelds Bürgermeister Bernd Bordon, Romy und Jürgen Pfitzer, Umweltministerin Thekla Walker und Helmut Nägele.  Foto: Tecnaro

Insofern war der Besuch von Thekla Walker bei Tecnaro auch nicht nur eine freudige Veranstaltung. „Wir haben bei der Ministerin auch deutliche Worte platziert“, sagt Pfister. Wie gut es mit veränderten Rahmenbedingungen laufen kann, beweisen die Ilsfelder mit ihrer Wachstumshülle für Bäume. Auf der Suche nach einem Partner für den Vertrieb erntete Tecnaro haufenweise Absagen.

„Seit die Landesregierung entschieden hat, dass nur noch biologisch abbaubare Kunststoffe erlaubt sind, wollte jeder mit uns zusammenarbeiten“, sagt Romy Pfitzer, die zur Geschäftsleitung gehört. Über ihre eigens dafür gegründete Tochterfirma Arbotrade vertreiben die Hersteller die Wachstumshülle nun selber – mit Erfolg. „Das ist ein Produkt, das richtig Spaß macht“, sagt Jürgen Pfitzer.

Bio-Kunstrasen ist laut Tecnaro umweltfreundlicher als gewachsener Rasen  

Einen ähnlich durchschlagenden Erfolg erhoffen sich die Geschäftsführer auch von Bio-Kunstrasenplätzen, für die sie die Fasern und Infill-Material liefern und die sie zusammen mit einem kanadischen Unternehmen Fieldturf seit neuestem vertreiben.

Vor zwei Wochen wurde beim FC Ellwangen, dem Heimatverein von Jürgen Pfitzer, der erste natürliche Kunstrasenplatz seiner Art in Deutschland eingeweiht. Statt geschredderter Autoreifen, die am Ende als Mikroplastik in die Umwelt gelangten, wurde nun ein vollständig abbaubares Mikrogranulat verwendet.

Der FC Ellwangen kickt künftig auf dem ersten Bio-Kunstrasenplatz in Deutschland. Die Fasern und das Infill-Material stammen von der Firma Tecnaro aus Ilsfeld.
Der FC Ellwangen kickt künftig auf dem ersten Bio-Kunstrasenplatz in Deutschland. Die Fasern und das Infill-Material stammen von der Firma Tecnaro aus Ilsfeld.  Foto: Tecnaro

Abgesehen davon, dass der Bio-Kunstrasen die höchsten Kriterien des Fußball-Weltverbands Fifa erfülle, wie bei der Eröffnung bestätigt wurde, wird auch die Umwelt im höchsten Maße geschont. „Der Bio-Kunstrasen ist sogar umweltfreundlicher als gewachsener Rasen“, sagt Helmut Nägele. Weil der Kunstrasen einfacher zu pflegen ist und nicht gewässert werden muss.

„Und er lässt sich rund um die Uhr bespielen“, sagt Pfitzer, der früher auf dem ehemaligen Hartplatz in Ellwangen „viel Oberschenkelhaut gelassen“ hat. Für Tecnaro öffnet sich mit den Bio-Kunstrasen in Fußball-Deutschland „ein riesiges Geschäftsfeld“.

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