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Erneute Warnstreiks bei Tageszeitungen: Darum geht es im Tarifstreit

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Redakteure wollen deutlich mehr Gehalt, die Verleger verweisen auf die schwierige wirtschaftliche Lage der Branche. Auch die Stimme Mediengruppe ist von den Warnstreiks betroffen.

Die Journalistengewerkschaften DJV und dju haben diese Woche zu einem viertägigen Warnstreik bei Tageszeitungen aufgerufen.
Die Journalistengewerkschaften DJV und dju haben diese Woche zu einem viertägigen Warnstreik bei Tageszeitungen aufgerufen.  Foto: Hauke-Christian Dittrich

Der Tarifkonflikt bei den deutschen Tageszeitungen spitzt sich zu. Die beiden Journalistengewerkschaften DJV und dju haben die Redakteurinnen und Redakteure der Tageszeitungen in dieser Woche zu einem viertägigen Warnstreik von Dienstag bis Freitag aufgerufen. Auch die Stimme Mediengruppe ist von dem erneuten Warnstreik betroffen. Am Freitag, 18. Juli, findet in Hamburg die nächste Verhandlungsrunde zwischen den Gewerkschaften und dem Bundesverband der Digitalpublisher und Zeitungsverleger (BDZV) statt.

Die beiden Parteien streiten über die Ausgestaltung des Gehaltstarifvertrags für festangestellte Zeitungsredakteure und Volontäre. Während die Arbeitnehmer mit Hinweis auf die unterdurchschnittliche Lohnentwicklung in den Tageszeitungen deutliche Gehaltssteigerungen fordern, verweisen die Verleger auf die strukturellen Probleme in der Branche, die keine hohen Gehaltsteigerungen zuließen.

Warnstreiks bei Tageszeitungen: Gewerkschaften fordern zweistellige Gehaltserhöhung für Redakteure 

Konkret forderte die Deutsche Journalisten-Union (dju), die zu Verdi gehört, zu Beginn der Tarifrunde eine Lohnerhöhung um 12 Prozent bei einer Laufzeit von einem Jahr. Der Deutsche Journalistenverband (DJV) ging mit der Forderung nach einem Lohnplus von 10,5 Prozent ins Rennen. Dagegen boten die Arbeitgeber im März eine mehrstufige Lohnerhöhung an: Ab Anfang 2025 eine Erhöhung um 120 Euro pro Monat, 1,5 Prozent im Jahr 2026 und ein weiteres Prozent im Jahr 2027. Außerdem forderte der BDZV eine Veränderung bei den Gehaltsstaffeln, die zur Folge hätte, dass die Gehälter mit zunehmenden Berufsjahren kaum noch gestiegen wären. Die Gewerkschaften lehnten diesen Vorschlag rigoros ab.

Tarifstreit bei Tageszeitungen: Ende Mai scheitere eine Einigung knapp

Ende Mai sah es so aus, als könnte eine Einigung im Tarifstreit gelingen. Im Raum stand eine Tariferhöhung von insgesamt 8,6 Prozent über knapp zweieinhalb Jahre. Allerdings bestanden die Verleger darauf, das Urlaubsgeld für alle Berufseinsteiger ab 2026 zu kürzen, außerdem forderten sie Korrekturen bei der Tarif-Einstufung hinsichtlich der Berufsjahre. Die Gewerkschaften lehnten dies ebenso ab wie den Vorschlag der Verleger eines sogenannten Kurzläufers – demnach hätten die Redakteure rückwirkend zum 1. Januar 2025 einen monatlichen Festbetrag in Höhe von 100 Euro bei einer Laufzeit von 15 Monaten erhalten.

Tageszeitungen befinden sich in einer schwierigen Lage

Fakt ist, dass sich die Tageszeitungen in Deutschland in einer schmerzhaften Transformation befinden. Die Print-Auflagen sinken aufgrund des demografischen Wandels und der veränderten Mediennutzung junger Menschen kontinuierlich, während im Digitalbereich nicht genug verdient wird, um diese Rückgänge zu kompensieren. Zugleich steigen die Kosten für Papier, Energie und Zustellung immer weiter, während parallel die Anzeigenerlöse sinken. 

Redakteure bei Tageszeitungen mussten über Jahre Reallohnverluste hinnehmen

Auf der anderen Seite sind die Lohnsteigerungen für Redakteure bei Tageszeitungen im Vergleich zu anderen Branchen seit Jahren unterdurchschnittlich. Ein Redakteur, der seit mindestens acht Jahren dabei ist, erhielt von 2020 bis heute eine Lohnsteigerung von 3,5 Prozent. In dieser Zeit ist die Inflation laut Statistischem Bundesamt um mehr als 21 Prozent gestiegen. Die Redakteure mussten also einen deutlichen Reallohnverlust hinnehmen. Zum Vergleich: Im öffentlichen Dienst sind die Gehälter zwischen 2020 und heute um durchschnittlich 18,6 Prozent gestiegen.

Ob bei der Verhandlungsrunde an diesem Freitag eine Einigung gelingt, ist unklar. Georg Wallraff, Verhandlungsführer des BDZV, hat die Parole ausgegeben, dass ein Abschluss sowohl die Interessen der Beschäftigten als auch die wirtschaftliche Realität in der Branche berücksichtigen müsse.

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