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Rüben-Anbau

Südzucker schreibt an Landwirte: Bitte nicht so viel!

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Südzucker will im kommenden Jahr die Anbaufläche reduzieren. Dafür wurden jetzt die zuliefernden Landwirte angeschrieben mit der Bitte, weniger Rüben anzupflanzen.


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Mit einer ungewöhnlichen Maßnahme versucht der Südzucker-Konzern, das Überangebot an Zucker auf dem europäischen Markt zu senken: In einem Schreiben wurden die zuliefernden Landwirte darum gebeten, im nächsten Jahr weniger Rüben anzupflanzen als bislang geplant. Die Rede ist nach Informationen unserer Zeitung von 20 Prozent weniger im Bereich der Zuckerfabrik Offenau, was im Prinzip den Rübenschlägen in Baden-Württemberg entspricht. Dem Vernehmen nach sollen die Belieferer der drei bayerischen Zuckerfabriken sogar um noch größeren Verzicht gebeten worden sein.

Der Konzern will sich offiziell nicht äußern

Von offizieller Stelle im Konzern ist dazu allerdings keine Information zu bekommen. „Aktuell laufen Gespräche mit den Anbauern europaweit. Da diese noch nicht abgeschlossen sind, können wir zur Anbauplanung für 2026 keine Stellung beziehen“, teilt ein Sprecher des börsennotierten Unternehmens mit. Hintergrund seien kartellrechtliche Regularien, die eingehalten werden müssen. Benjamin Kirchberger, Leiter der Rübenabteilung bei Südzucker in Plattling in Bayern, sagte gegenüber dpa, die Flächen in Bayern um 20 bis 25 Prozent zu reduzieren, sei eine Maßnahme, um die Preise zu stabilisieren. 

Die Zuckerfabrik bei Offenau arbeitet momentan auf Hochtouren. Allerdings lässt sich mit Zucker derzeit kaum Geld verdienen. Südzucker greift daher zu einer neuartigen Maßnahme.
Die Zuckerfabrik bei Offenau arbeitet momentan auf Hochtouren. Allerdings lässt sich mit Zucker derzeit kaum Geld verdienen. Südzucker greift daher zu einer neuartigen Maßnahme.  Foto: Fritze, Heiko

Kampagne in Offenau soll länger dauern als geplant

Mittlerweile sind mindestens Auszüge der Schreiben auch an Fachmedien gelangt. So schreibt der Branchendienst „Top Agrar“: „Wegen Angebotsüberschuss und fallender Preise will die Südzucker AG den Rübenanbau 2026 einschränken. Landwirte erhalten eine Marktanpassungsprämie, wenn sie ihre Kontraktmenge freiwillig reduzieren.“ Denn das Problem ist, dass die Gespräche über die Anbaufläche 2026, die sogenannten Kontrahierungen, eigentlich bereits weitgehend abgeschlossen sind. Beim Start der Rübenkampagne Mitte September teilten Südzucker-Vertreter sogar noch mit, dass es keine größeren Veränderungen im Vergleich zu diesem Jahr geben solle. Aktuell läuft die Kampagne noch, auch in Offenau, wo sie nach Informationen unserer Zeitung angesichts des großen Mengenaufkommens über die Weihnachtstage hinaus verlängert werden soll – eigentlich sollte sie vor den Feiertagen enden.  

Wer 2026 verzichtet, soll 2027 mehr bekommen

Nun schlägt Südzucker nach Angaben von „Top Agrar“ vor: Für jede Tonne, um die Landwirte ihre vereinbarte Menge 2026 reduzieren, bekommen sie 2027 eine Prämie. Dazu müsse der einzelne Anbauer die Menge im kommenden Jahr mindestens um 15 Prozent reduzieren. Sollte er auf mehr als 35 Prozent verzichten wollen, werde das aber gesondert geprüft und bis Anfang Januar entschieden. Wer höchstens 200 Tonnen laut Vertrag liefern wollte, könne für ein Jahr sogar ganz aussteigen.

Südzucker und die Anbauverbände schreiben demnach am Ende des Briefs: „Helfen Sie mit, den Zuckermarkt zu stabilisieren!“ Die Teilnahme sei freiwillig. Wer teilnehme, könne durch die Prämie mögliche Ertragseinbußen ausgleichen und zum Beispiel mit dem Anbau von Winterweizen reagieren. Voraussetzung sei aber, dass der Landwirt 2027 wieder Rüben anbaue – es sei keine Ausstiegsprämie.

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