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Nahrungsmittelindustrie

Südzucker schließt zwei Zuckerfabriken - was wird aus Offenau?

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In Tschechien und Österreich gibt es künftig nur noch jeweils eine Zuckerfabrik, die von Agrana, der Tochter des Südzucker-Konzerns, betrieben werden. Die Gründe für das plötzliche Aus lassen sich auf den gesamten Konzern übertragen.

In Offenau wird Haushaltszucker in Kilopäckchen abgefüllt.
In Offenau wird Haushaltszucker in Kilopäckchen abgefüllt.  Foto: Fritze\, Heiko

Südzucker dünnt das Netz seiner Zuckerfabriken weiter aus. Die österreichische Tochter Agrana teilte am Mittwoch überraschend mit, dass die Werke in Leopoldsdorf (Österreich) und Hrusovany (Tschechien) mit sofortiger Wirkung geschlossen werden. Dadurch verlieren 270 Mitarbeiter ihre Jobs, davon 120 in Leopoldsdorf. Dort werde nur noch ein Logistikstandort betrieben, hieß es.

Sowohl in Österreich als auch in Tschechien betreibe Agrana somit künftig nur noch eine einzige Zuckerfabrik. Damit solle „eine langfristige Stabilisierung und Wettbewerbsfähigkeit der heimischen Zuckerproduktion erreicht werden. Im Januar hatte Agrana berichtet, dass die Zuckersparte in den ersten neun Monaten des laufenden Geschäftsjahres - es endete Ende Februar - trotz höherer erzeugter Zuckermengen in die roten Zahlen gerutscht war. Ursache waren vor allem gesunkene Zuckerpreise am Weltmarkt. Außerdem wurden in der jüngsten Kampagne niedrigere Zuckerwerte in den Rüben gemessen, so dass die Produktionskosten stiegen. Die Anbaufläche für das neue Jahr sei bereits drastisch reduziert worden, hieß es von der Landwirtschaftskammer Niederösterreich.

In Deutschland gibt es noch sieben Zuckerfabriken von Südzucker

Durch steigende Produktionskosten, höheren Wettbewerb, mehr regulatorische Vorgaben und Handelserleichterungen für die Ukraine und über das Mercosur-Abkommen seien die Standorte nicht mehr rentabel. „Hinzu kommt auch der Umstand, dass der Zuckermarkt nicht jene Produktionsmengen zulässt, die einen Betrieb der von der Schließung betroffenen Standorte mittel- oder gar langfristig als aussichtsreich erscheinen lassen“, schreibt das Unternehmen. „Wir werden uns mit österreichischem Zucker auf den österreichischen Markt konzentrieren“, kündigte Agrana-Vorstandsvorsitzender Stephan Büttner an.

Ob Südzucker auch für Werke in Deutschland, Frankreich oder Polen über Schließungen nachdenkt, wurde nicht mitgeteilt. „Eine unmittelbare Auswirkung dieser Schließungsentscheidung auf die übrigen Zuckerfabrikstandorte der Südzucker-Gruppe sehen wir heute nicht“, erklärte ein Unternehmenssprecher. In Deutschland betreibt Europas größter Zuckererzeuger noch sieben Fabriken, darunter die einzige in Baden-Württemberg in Offenau. In der jüngsten Kampagne kam sie unter den deutschen Fabriken auf die kürzeste Kampagnendauer - 97 Tage. Auch unter allen Fabriken des Konzerns war dies der zweitschlechteste Wert. Außerdem litten die Zuckerrüben vor allem im Raum Heilbronn und Ludwigsburg unter durch eine Zikade übertragene Krankheiten, wodurch die Erntemengen und Zuckererträge deutlich niedriger als normal ausfielen.

Weniger Zucker trotz größerer Erntemenge erzeugt

Im gesamten Konzern wurden in dieser Kampagne zwar voraussichtlich 78 Tonnen Rüben pro Hektar geerntet, ein Prozent mehr als im Vorjahr. Aber der Zuckergehalt ging zurück, in der Region des Werks Offenau von 15,8 auf 15,3 Prozent. Auch insgesamt werde die Zuckererzeugung im Konzern nach vorläufigen Zahlen bei 3,8 Millionen Tonnen stagnieren, obwohl die Anbaufläche im Vergleich zum Vorjahr um fünf Prozent auf 373 000 Hektar zunahm, hieß es bei einer Versammlung der Zuckerrübenbauern im Februar in Ilsfeld. „Nur eine geringere Zuckermenge wird dazu führen, dass wir mit Zucker Geld verdienen. Unsere Produktion muss runtergehen“, sagte dort Rainer Schechter, Leiter der Division Zucker im Konzern. Für das neue Jahr würden daher sowohl in Deutschland als auch in Belgien und in Frankreich die Flächen um 15 Prozent reduziert, in Polen werde sogar ein Minus von 20 Prozent angestrebt.

Südzucker betreibt damit künftig 23 Zuckerfabriken und Raffinerien, davon sieben in Deutschland, vier in Polen, je zwei in Belgien, Frankreich und Rumänien sowie je eine in Österreich, Tschechien, der Slowakei, Ungarn, Moldawien und Bosnien-Herzegowina.

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