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Südzucker-Bauern blicken auf eine besondere Rüben-Kampagne

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Die Winterversammlung der Zuckerrübenanbauer in Ilfeld-Auenstein steht ganz im Zeichen der jüngsten Schwierigkeiten in der Zuckerfabrik Offenau. Weniger Anbaufläche soll nun zu höheren Weltmarktpreisen führen.

Bauernpräsident Joachim Rukwied ist auch Verbandsvorsitzender der baden-württembergischen Zuckerrübenanbauer.
Foto: Heiko Fritze
Bauernpräsident Joachim Rukwied ist auch Verbandsvorsitzender der baden-württembergischen Zuckerrübenanbauer. Foto: Heiko Fritze  Foto: Heiko Fritze

Es ist eine Versammlung in einer besonderen Zeit für die Zuckerrübenanbauer. Nicht nur, dass die Kampagne der Zuckerfabrik Offenau deutlich länger dauerte als geplant. In diesem Jahr sollen sie – auf freiwilliger Basis – weniger anbauen als geplant. Denn auch der Weltmarkt bereitet Sorgen. „Im Prinzip kann derzeit niemand auf der Welt auskömmlich Zucker erzeugen“, wie es Mike Eberle, der neue Leiter der Zucker-Division bei der Südzucker AG, ausdrückte. Um die Preise wieder nach oben zu drücken, sollen daher die Landwirte konzernweit weniger Zuckerrüben anbauen – wie auch Bauern, die für andere Zuckererzeuger in Europa tätig sind.

„Bis 9. Dezember lief alles nach Plan.“

Doch erst einmal stand die abgelaufene Kampagne im Vordergrund. „Bis 9. Dezember lief alles nach Plan“, berichtete Joachim Rukwied, Vorsitzender des Verbands baden-württembergischer Zuckerrübenanbauer. Dann kamen die ersten Zuckerrüben in der Fabrik an, die durch den starken Frost Ende November beeinträchtigt worden waren. Immer wieder seien dann die Anlagen verstopft gewesen, die Tagesleistung von zuvor 12 000 Tonnen verarbeiteter Rüben sackte rapide ab. „Das lag an den Rüben, da kann keiner etwas dafür. Die Fabrik in Offenau hat einen prima Job gemacht“, sagte Rukwied. So lief Offenau am Ende 125 Tage lang und hatte damit die drittlängste Kampagne aller deutschen Werke.

Überdurchschnittlicher Ertrag, unterdurchschnittlicher Zuckergehalt

Mit 88,7 Tonnen je Hektar lag der Ertrag über dem Durchschnitt der deutschen Südzucker-Fabriken. Der Zuckergehalt lag nach vorläufigen Berechnungen aber nur bei 15,8 Prozent, damit aber über dem Vorjahreswert von 15,3 Prozent, als die Krankheiten Stolbur und SBR noch voll auf den Ertrag durchschlugen. 2025 waren erstmals wirksame Maßnahmen ergriffen worden. Rukwied mahnte jedoch an, dass zum einen die Saatgutzüchter resistente und zuckerhaltigere Sorten züchten müssten und zudem die Zulassung von Insektiziden erleichtert werden müsse: „Wir brauchen wieder echten Zugang zu Wirkstoffen und nicht bloß Notfallzulassungen.“

So gut läuft das Flächenrückgabeprogramm

Dass in diesem Jahr die Anbaufläche nochmals reduziert werden soll, begründeten Rukwied, Eberle und Südzucker-Vorstand Hans-Peter Gai mit der Lage auf dem Weltmarkt und im Konzern. „Es ist keine einfache Zeit für die Südzucker AG“, sagte Gai. Auch andere Sparten wie etwa Cropenergies hätten Probleme. Dennoch investiert der Konzern – in Offenau wurden eine neue Vorkalkungs-Anlage und eine Wärmepumpe installiert.

Das freiwillige Flächenrückgabe-Programm laufe gut, berichtete Eberle. Von der angefragten Quote seien drei Viertel erbracht worden, genaue Werte dürften nicht öffentlich genannt werden. In Baden-Württemberg sei die dritthöchste Quote aller Südzucker-Regionen erreicht worden. Solche Programme liefen auch in Polen, Frankreich und Belgien. Und das wirke offenbar schon: „Die Preise entwickeln sich in die richtige Richtung.“

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