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Starkes Schlussquartal zieht Bechtle hoch

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Der Neckarsulmer IT-Dienstleister schafft 2025 doch noch ein Umsatzplus. Die größte Sorge bereitet momentan die Versorgung mit wichtigen Komponenten.

Der Himmel über der Bechtle-Konzenrzentrale war nur vorübergehend eingetrübt: Der Dezember war ein Rekordmonat.
Der Himmel über der Bechtle-Konzenrzentrale war nur vorübergehend eingetrübt: Der Dezember war ein Rekordmonat.  Foto: Fritze, Heiko

Ein letztes Mal sitzt er am Tisch im Konferenzraum in Frankfurt, ein erstes Mal flankiert von einem Finanzvorstand. „Das fühlt sich schon ein bisschen komisch an, aber auch gut“, gesteht Thomas Olemotz. Zum einen, weil er zum Jahresende als Vorstandsvorsitzender der Bechtle AG ausscheidet. Und zum anderen, weil seit Jahresbeginn Christian Jehle bereits die Aufgaben als Finanzchef übernommen hat und dementsprechend die Ergebnisse bei der Bilanzvorlage vorstellt.

Warum der Umsatz weniger wuchs als das Geschäftsvolumen

Immerhin: Die Zahlen, die er zu präsentieren hat, sind doch noch gut ausgefallen. Im Dezember übertraf Bechtle erstmals beim Geschäftsvolumen die Milliarde. Für das Gesamtjahr legte das Volumen um 8,1 Prozent auf 8,6 Milliarden Euro zu. Der Umsatz wuchs aber nur leicht von 6,3 auf 6,4 Milliarden Euro. Der Unterschied erkläre sich aus dem Geschäft mit Software, erläuterte Jehle: Dort dürfe nach den Berichtstandards nicht der Umsatz, sondern nur der Gewinn als Einnahme verbucht werden. Und weil das Geschäft mit Software wächst, steigt auch die Differenz.

„Der Januar war sehr erfreulich“

Unter dem Strich blieb ein Gewinn von 226 Millionen Euro, 6,6 Prozent weniger als vor einem Jahr. „Damit sind wir nicht zufrieden“, sagte Jehle. Dabei steht Bechtle bereits auf der Kostenbremse: Dass die Mitarbeiterzahl im vergangenen Jahr um 559 auf 16.360 zulegte, gehe alleine auf Zukäufe von Unternehmen zurück – die vorhandene Belegschaft sank um etwa zwei Prozent, wenn auch nicht in Heilbronn-Franken, wo sie nach der alljährlichen Erhebung der Wirtschaftsstimme nochmals leicht auf 2760 bis November zugelegt hatte.

Seit dem dritten Quartal zieht das Geschäft trotz aller Verunsicherungen und Konjunkturprobleme in Europa wieder an, berichtete Vorstandschef Olemotz. Die Budgets vor allem im öffentlichen Sektor in Deutschland seien schließlich vorhanden, es bestehe Nachholbedarf. Das gelte ebenso für Kunden aus Mittelstand und Industrie. Das setze sich auch im neuen Jahr fort: „Der Januar war sehr erfreulich“, meinte Olemotz. „Wir bewegen uns im Rahmen unserer Erwartungen für das erste Quartal.“

Speicherkrise schlägt auf die Preise durch

Sorgen bereitet dem Vorstand aktuell weniger die politische Weltlage und die Konjunktur als vielmehr die sogenannte Speicherkrise: Seit einigen Monaten macht sich ein Engpass bei den Speichermodulen auf dem Weltmarkt bemerkbar. Das schlage inzwischen durch auf die Preise und die Verfügbarkeit von IT-Komponenten wie PCs und Servern. Bechtle könne dank seiner starken Position auf dem europäischen Markt zwar noch auf zuverlässige Belieferung durch die Hersteller setzen. „Wir haben aber einen historisch hohen Auftragsbestand – und die Frage ist, wie sich die Versorgungssituation über das Jahr entwickelt“, warnte Olemotz. Für kleinere Systemhäuser dürfte es sogar noch schwerer werden. „Die Konsolidierung dürfte sich fortsetzen und sogar noch beschleunigen“, erwartete er. Und bei den Endgeräten seien „signifikante Preiserhöhungen“ zu erwarten. 

Bechtle engagiert sich bei digitaler Souveränität

Unterdessen setzt Bechtle auf neue Geschäftsfelder. Neu sind Partnerschaften mit den Cloud-Töchtern der Telekom und von Arvato – mit der Schwarz-Cloud Stackit besteht bereits länger eine Kooperation. Angelaufen ist wie berichtet ein Projekt mit der Universitätsklinik Würzburg zur Erfassung von Gesundheitsdaten von Herzpatienten, die mittelfristig auch auf andere Kliniken und Behandlungen übertragen werden soll. Und neu auf dem Markt ist ein selbst entwickelter Index für digitale Souveränität, den Bechtle mit Dienstleistungen verbindet, um Kunden den Weg zu mehr Kontrolle über ihre Daten zu zeigen und ihn auch umzusetzen. „Das ist eines der Hype-Themen in Europa“, sagte Olemotz. „Und wir glauben, dass wir dafür die Richtigen sind.“ Für das laufende Jahr erwartet der Vorstand jedenfalls ein Wachstum beim Geschäftsvolumen um fünf bis zehn Prozent sowie bei Umsatz und Vorsteuerergebnis um bis zu fünf Prozent. Damit würde auch sein letztes Amtsjahr für Thomas Olemotz versöhnlich enden.

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