Software-Defined Vehicle

Software soll schneller in die Autos kommen

   | 
Lesezeit  2 Min
Erfolgreich kopiert!

Die Digital Auto Garage will Autobauer, Start-ups und Mittelständler zusammenbringen, um neue Anwendungen rasch zu entwickeln und auszuprobieren. Treiber des Projekts sind das Ferdinand-Steinbeis-Institut in Heilbronn und Bosch Engineering in Abstatt. 

Bosch-Personalvorstand Stefan Grosch (Dritter von rechts) bei der Eröffnung der Digital Auto Garage bei Bosch Engineering in Abstatt.
Bosch-Personalvorstand Stefan Grosch (Dritter von rechts) bei der Eröffnung der Digital Auto Garage bei Bosch Engineering in Abstatt.  Foto: Alternativer Fotograf

Die Zukunft des Autos wird zunehmend von der Software abhängen, die im Fahrzeug verbaut ist. Experten sprechen längst vom Software-Defined Vehicle (SDV). Doch die meisten Autobauer tun sich schwer damit, entsprechende Software-Funktionen schnell zu entwickeln und in die Fahrzeuge zu bringen. So sorgen Software-Probleme etwa bei Volkswagen immer wieder für erhebliche Verzögerungen bei der Entwicklung neuer Modelle. Dieses Problem soll die kürzlich gegründete Digital Auto Garage lindern.

Digital Auto Garage will Innovationen schneller auf die Straße bringen

"Wir wollen die OEMs  (also die Autobauer) dabei unterstützen, Software zehnmal schneller ins Fahrzeug zu bringen", sagt Dirk Slama vom Ferdinand-Steinbeis-Institut in Heilbronn und Vorsitzender der Digital Auto Garage. Die Idee hinter dem neuartigen Projekt: Start-ups und klassische Mittelständler aus dem Software- und Automotive-Umfeld arbeiten mit Autobauern zusammen, um schneller Innovation auf die Straße zu bringen, erläutert Slama. Mit den für Fahrzeugen üblichen Entwicklungszeiten von rund sieben Jahren sei man heute nicht mehr wettbewerbsfähig, sagt der Experte. Haben die Partner neuartige Software-Lösungen entwickelt, werden diese bei Bosch Engineering in Abstatt in Autos eingebaut und  getestet. In Abstatt befindet sich also die physische Garage, während die Entwicklungsarbeit in erster Linie digital abläuft. "Bosch Engineering hat in Abstatt massives Know-how beim Ausbau und Umbau von Fahrzeugen", weiß Slama.

Dirk Slama ist Vorsitzender der Digital Auto Garage
Dirk Slama ist Vorsitzender der Digital Auto Garage  Foto: Alternativer Fotograf

Neben Bosch und dem Ferdinand-Steinbeis-Institut sind noch der italienische Hardware-Spezialist Arduino und das Berliner Mobilitäts-Start-up Drivery Partner der Digital Auto Garage. Wie Slama betont, verfügt das schon länger existierende Netzwerk Digital Auto über weltweite Kontakte mit relevanten Unternehmen aus diesem Bereich. "Mit der Digital Auto Garage wollen wir den Automotive-Standort rund um Heilbronn, Neckarsulm und Abstatt stärken, der zudem großes Potenzial in Sachen Künstlicher Intelligenz hat", sagt Slama. Denn KI werde eine immer wichtigere Rolle in den Fahrzeugen der Zukunft spielen, etwa, wenn es um Sicherheit oder Navigation geht. 

Es gibt schon einige Projekte mit Audi Neckarsulm und Mercedes

In der Digital Auto Garage in Abstatt schrauben die Experten auch an einem Original DeLorean.
In der Digital Auto Garage in Abstatt schrauben die Experten auch an einem Original DeLorean.  Foto: Alternativer Fotograf

Die Digital Auto Garage startet nicht bei null. "Wir haben schon einige Pilotprojekte mit Audi und Mercedes gemacht", berichtet der Experte. Auch AMG und Porsche will Slama als Partner gewinnen. Mit Audi in Neckarsulm habe man ein Innovationsprojekt gemacht, bei dem Start-ups an Lösungen für ein Innenraum-Radar oder eine bessere E-Lade-Infrastruktur an Autobahnen getüftelt haben. Und bei Mercedes ging es darum, sämtliche Varianten eines Modells komplett digital abzubilden. Dann könne man Software-Features wie die persönliche Begrüßung des Fahrers durch das Auto, die automatische Türöffnung oder die automatische Sitzeinstellung in die Fahrzeuge einbauen. In Prototypen werden diese Lösungen dann im Realbetrieb getestet und später im Idealfall in Serie eingebaut.

Für Mittelständler soll es einen mit Software und KI ausgestatteten Transporter geben

Profitieren soll von der Arbeit der Digital Auto Garage auch der regionale Mittelstand, sagt Slama.  Er denkt an ein Light Commercial Vehicle, also einen Transporter oder Lieferwagen, der Handwerkern oder Mittelständlern die Arbeit erleichtern soll. "Durch Software- und KI-Features kann man die Beladung der Fahrzeuge mit dem Material für die Baustelle exakt planen oder die Terminplanung und Kundenbetreuung schneller und effizienter machen", blickt Slama voraus. Auch Radarüberwachung im Innenraum sei dadurch möglich, was etwa bei Tiertransporten oder Gasflaschentransporten sinnvoll sei. Um die Ziele der Digital Auto Garage zu erreichen, müssten sich die Autobauer aber ein Stück weit öffnen, betont der Vorsitzende des Plattformprojekts

Das Ferdinand-Steinbeis-Institut in Heilbronn widmet sich am 26. November im Rahmen einer Konferenz dem Software-Defined Vehicle. Auf dem Bildungscampus findet die Konferenz SDVCon statt, auf der es Vorträge, Anwendungsbeispiele und Ausstellungen zum Thema gibt. Tickets gibt es unter https://www.sdvcon.org/en/tickets.

Kommentare öffnen
Nach oben  Nach oben