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Elektro-Laster kommen in den Speditionen in Heilbronn-Franken an

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Das anfängliche Fremdeln ist dem Experimentieren gewichen – und manche Logistiker sind schon viel weiter.


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Dass sich etwas ändern wird, machte die Schwarz-Gruppe bereits vor knapp zwei Jahren deutlich: Im Juni 2024 lud sie Anbieter und Fuhrunternehmer zum „Future Day“ an das Kaufland-Logistikzentrum bei Möckmühl ein. Die drei Sparten Kaufland, Lidl und Prezero waren vor Ort und zeigten, wie sie sich auf alternative Antriebe einstellen wollen.

Und auch die Lkw-Hersteller waren vertreten, präsentierten ihre Elektro-Modelle und luden zu Testfahrten auf einem Rundkurs ein.

Kaufland treibt Elektrolaster-Tests in Möckmühl und Barsinghausen voran

Bereits im Dezember 2023 hatte Kaufland acht Ladepunkte für Elektrolaster am Standort Möckmühl in Betrieb genommen. Die ersten acht Laster werden von der Bad Wimpfener Spedition Serr betrieben, allerdings wurden die Fahrzeuge nur gemietet. Das Aufladen findet zwischen den Touren – eingesetzt werden die Fahrzeuge überwiegend in Richtung Ludwigsburg – oder während der Abfertigung statt. Die Reichweite liege im Winter bei 200, im Sommer bei 250 Kilometern – und die neue Generation der Zugmaschinen schaffe sogar schon 400 bis 500 Kilometer, wurde beim Future Day berichtet.

Beim Logistiktag der Schwarz-Gruppe am Kaufland-Logistikzentrum Möckmühl wurden verschiedene E-Lkw vorgestellt.
Beim Logistiktag der Schwarz-Gruppe am Kaufland-Logistikzentrum Möckmühl wurden verschiedene E-Lkw vorgestellt.  Foto: Heiko Fritze

Mittlerweile ist die Region rund um Hannover dran: Am Logistikzentrum Barsinghausen startete Kaufland im Herbst 2024 die nächste Testphase, bei der Zugmaschinen verschiedener Hersteller sowie rein elektrische Kühlauflieger zum Einsatz kommen. Die Initiative wurde „Electra“ getauft. Aber erst vor wenigen Wochen wurde mit einem Betreiber vereinbart, in der Nähe vier Ladesäulen für die Elektrolaster zu errichten – bislang wurde mit einer mobilen Einrichtung geladen. Künftig sollen dann neun E-Laster für Kaufland von Barsinghausen aus auf Tour gehen.

Lidl will in zwei Ländern komplett umstellen

Bei Lidl startete das Logistikzentrum Augsburg die Versuche in Deutschland, während bei der Landesgesellschaft für die Niederlande bereits die Umstellung in vollem Gange ist – bis 2030 sollen dort alle 200 Fahrzeuge elektrisch angetrieben werden. Bis zu jenem Jahr will auch Lidl Österreich keine Fahrzeuge mit fossilen Treibstoffen mehr für die Filialbelieferung einsetzen, kündigte Landeschef Alessandro Wolf an. Als erstes wurden bereits Anfang 2024 sechs E-Lkws inklusive eigenem Lkw-Ladepark im Großraum Wien in Betrieb genommen.

Auch die Entsorgungssparte Prezero testet bereits Müllfahrzeuge mit Elektroantrieb. Im Raum Heilbronn ist allerdings ein Wagen mit Brennstoffzelle unterwegs. Das Unternehmen sieht die Vorteile derzeit klar auf der Seite des Wasserstoffantriebs, vor allem was Ladezeiten und Gesamtgewicht angeht.

Eine regelrechte E-Laster-Offensive hat die Krautheimer Spedition Rüdinger gestartet. Anfängliche Skepsis ist der Zuversicht gewichen, damit Vorreiter mit einem Modell zu werden, das sich auch rechnet. 34 Elektrolaster betreibt das Unternehmen inzwischen. Sie werden im Verkehr zwischen den Logistikzentren sowie in der Auslieferung an die Kunden eingesetzt. Für weit mehr als eine Million Euro wurden am Firmensitz in Altkrautheim ein Batteriespeicher, ein Trafo und 26 neue Ladepunkte installiert. Als Pionier-Projekt ging eine Ladebrücke mit zehn Plätzen im September in Betrieb.

Wann sich ein Elektro-Lkw rechnet

Durch den Beschluss der Bundesregierung, Maut und Steuer für Elektro-Lastwagen bis Mitte 2031 weiterhin auszusetzen, gebe es die nötige Planungssicherheit, erklärt Geschäftsführer Roland Rüdinger. Nun rechne sich der Einsatz eines E-Lasters, sobald er mindestens 300 Kilometer am Tag auf mautpflichtigen Strecken zurücklegt. Es komme somit nur noch darauf an, was der Strom kostet: Sobald es weniger als 33 Cent je Kilowattstunde seien, sei Elektrizität billiger als Diesel. Seit Jahresbeginn biete das Unternehmen daher CO2-neutrale Stückgut-Transporte ohne Mehrkosten an.

Im nächsten halben Jahr soll sich erst einmal alles einspielen. Dann soll es aber straff weitergehen – die Hälfte seiner Neufahrzeuge 2026 könnten schon mit Batterie laufen. „Ich denke, dass jetzt der Knoten platzt“, sagt Roland Rüdinger.

Metzger Logistik fährt mehrgleisig

Die Elektrifizierung des Fuhrparks ist bei der Metzger Logistik und Spedition nur ein weiterer Kernpunkt ihrer Strategie „Charge the Future“. Aktuell betreibt das Familienunternehmen aus Neu-Kupfer, das in diesem Jahr seinen 80. Geburtstag feiert, vier E-Lastwagen, sechs weitere Fahrzeuge von verschiedenen Herstellern sollen in den nächsten Jahren hinzukommen. Das Ziel sei klar definiert: „Bis 2030 soll mindestens die Hälfte der Lkw-Flotte elektrisch sein“, teilt das Unternehmen auf Nachfrage mit.

Aus Sicht der Verantwortlichen der Hohenloher zeige sich bereits heute, dass E-Mobilität im Schwerlastverkehr praxistauglich sei. „Bislang rund 250 000 elektrisch gefahrene Kilometer bei nahezu jedem Streckenprofil haben uns überzeugt. Auch unsere Fahrer sind von den modernen, leisen und leistungsfähigen Fahrzeugen begeistert“, erklärt Johannes Metzger, seit 2016 Geschäftsführer der Spedition. „Charge the Future“ bedeutet für den Enkel des Firmengründers unter anderem, Verantwortung nicht auf morgen zu verschieben. Weil eine vollständige Elektrifizierung Zeit braucht, setzt das Unternehmen parallel auf eine sofort wirksame Maßnahme: Seit Dezember 2024 tanken alle konventionellen Lkw ausschließlich HVO100, einen erneuerbaren Dieselkraftstoff auf pflanzlicher Basis.

Erfahrungen auch mit HVO100 gesammelt

Bislang wurden mehr als 500.000 Liter HVO100 eingesetzt. Im Vergleich zu fossilem Diesel lassen sich die CO2-Emissionen dadurch um bis zu 90 Prozent reduzieren, gleichzeitig entstehen weniger Rußpartikel. HVO ist schwefelfrei, kälteresistent – und im täglichen Betrieb uneingeschränkt einsetzbar. „Das Ergebnis ist eindeutig: stabile Einsatzfähigkeit, keine Einschränkungen im Fuhrpark, keine Auffälligkeiten im laufenden Betrieb“, sagt Johannes Metzger.

Mit „Charge the Future“ hat Metzger der nachhaltigen Mobilität einen Rahmen gegeben und verbindet darunter neben Elektromobilität erneuerbare Energien und verantwortungsvolles Wirtschaften zu einem Gesamtkonzept. Dabei geht es nicht um einzelne Leuchtturmprojekte, sondern um Lösungen, die heute funktionieren und morgen skalierbar sind, heißt es. Im eigenen Betrieb ebenso wie für die Region. Ein Element ist auch der Ausbau der Ladeinfrastruktur. Auf dem Firmengelände betreibt Metzger vier Schnellladesäulen mit jeweils 240 Kilowatt Ladeleistung, die per Boost bis zu 400 kW ermöglichen. Für Pkw und Lkw. Die Ladepunkte sind öffentlich zugänglich.

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