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Güterverkehr

Krautheimer Spedition Rüdinger baut groß in Boxberg

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Die Spedition aus Krautheim wird immer elektrischer. Dazu soll auch eine Verlagerung einer ganzen Sparte in den Main-Tauber-Kreis beitragen.  

Alles in Orange: Geschäftsführer Roland Rüdinger investiert weiter in Elektro-Lkw.
Alles in Orange: Geschäftsführer Roland Rüdinger investiert weiter in Elektro-Lkw.  Foto: Fritze, Heiko

Nach der Pause im vorigen Frühjahr geht die Elektro-Offensive bei der Spedition Rüdinger weiter. Mittlerweile sind 36 batteriebetriebene Lastwagen bei den Krautheimern unterwegs, berichtet Geschäftsführer Roland Rüdinger. Gerade erst sind fünf 8,5-Tonner eingetroffen, die künftig auf den regionalen Ausliefertouren unterwegs sein sollen. Im laufenden Jahr will das Unternehmen eine Million Euro für E-Fahrzeuge ausgeben, weitere 1,5 Millionen Euro für den Ausbau der Lade-Infrastruktur.

„Wir haben die zugesagten Landeszuschüsse komplett abgerufen“, sagt Rüdinger. Insgesamt 24 Elektro-Lastwagen seien dadurch angeschafft worden. Eingesetzt werden sie unter anderem auch in Nachtfahrten auf der Langstrecke, wodurch das Unternehmen seit Jahresbeginn CO2-neutrale Transporte anbietet. Die Resonanz sei momentan zwar noch gering, räumt der Geschäftsführer ein. Er sei sich jedoch sicher, dass dies vor allem großen Konzernen hilft, die verpflichtenden Klimaziele zu erreichen.

Spedition Rüdinger treibt Ausbau der E-Lkw-Flotte und Ladeinfrastruktur voran

Insgesamt ist das Familienunternehmen im abgelaufenen Jahr nur leicht gewachsen: Der Umsatz in der Spedition legte um 0,6 Prozent auf 82 Millionen Euro zu, hinzu kamen 2,9 Millionen Euro im Busbetrieb. Das war weniger als erwartet, räumt Roland Rüdinger ein. „Ich hatte mich in der politischen Entwicklung verschätzt. Ich hätte geschworen, dass ab September die Wirtschaft boomt.“ Der Betrieb sei jedenfalls für die angenommene Wirtschaftsentwicklung aufgerüstet worden – der Fuhrpark wuchs um zehn auf 230 Fahrzeuge, die Belegschaft sogar um 60 auf 700 Mitarbeiter.

Leichte Umsatzzuwächse gab es in den Bereichen Sammelgut, Lagerlogistik, im Busverkehr, der vor allem mit Behindertentransporten wuchs, sowie am Standort Attendorn im Sauerland. Umsatzrückgänge wurden mit Maschinentransporten sowie im Globalgeschäft registriert. Wie es im laufenden Jahr weitergeht, hängt auch von der weiteren Entwicklung in Nahost ab. Der Dieselpreis bereite jedenfalls weniger Probleme: „Wir bekommen den Zuschlag am Markt unter“, berichtet der Geschäftsführer. „Wir haben im Moment aber auch etwas weniger Geschäft.“

Mehrere neue Logistikhallen geplant

Dennoch wird weiter investiert. Vergangenes Jahr wurden drei neue Hallen in Dörzbach, Waldenburg und Weikersheim in Betrieb genommen, dieses Jahr folgen zwei Hallen in Waldenburg, eine in Weikersheim und zwei in Osterburken mit insgesamt 10.000 Quadratmetern Fläche.

Das größte Projekt soll nun aber in Boxberg entstehen: Im Gewerbegebiet Seehof, unweit der Bosch-Teststrecke, will Rüdinger bis 2028 einen neuen Standort für Sammelgut bauen. 10.000 Quadratmeter Umschlagfläche sind dort vorgesehen, integrierte Ladeinfrastruktur und Stromversorgung aus Photovoltaik und Windkraft. Reserveflächen für drei weitere Hallen sind vorhanden. Der Gemeinderat habe dem Projekt bereits zugestimmt. „Dies wird die größte Sammelgutanlage weit und breit“, kündigt der Firmenchef an. Den Nahverkehr seiner Spedition will er bis dahin bereits zu 90 Prozent elektrifiziert haben. „Das ist durchaus realistisch.“ Boxberg werde damit zum Ersatzstandort für Krautheim-Neunstetten, wo diese Ansiedlung wegen diverser Widerstände aufgegeben wurde. „Wir werden nun quasi ein Drittel unseres Betriebs verlagern“, kündigt Roland Rüdinger an. Der Fernverkehr bleibe jedoch weiterhin am Stammsitz in Altkrautheim.

„Wir haben die zugesagten Landeszuschüsse komplett abgerufen.“Roland Rüdinger

Was Rüdinger sich vom Wechsel der Landesregierung erhofft

Einen Wachstumssprung machte die Spedition bereits zu Jahresbeginn: Sie hat die Werksverkehre für den Mulfinger Ventilatorenbauer EBM-Papst für seine Hohenloher Standorte übernommen. 25 Lastzüge seien nun im Zwei-Schicht-Betrieb unterwegs, 60 zusätzliche Fahrer werden eingesetzt, berichtet der Geschäftsführer.

Und die neue Landesregierung? Immerhin hatte der CDU-Politiker Rüdinger lange Zeit mit dem Grünen-Verkehrsminister Winfried Hermann um die Zulassung von Lang-Lkw gerungen, überwiegend jedoch vergeblich – es blieb bei wenigen Teststrecken. Hermann kam immerhin zuletzt öfter zu Besuch, wenn es um Elektro-Lkw ging – das langjährige Streitthema wurde dann höflich ausgespart. Von einem CDU-geführten Landes-Verkehrsministerium erhofft sich Roland Rüdinger aber nicht nur Fortschritte bei den Lang-Lkw, sondern allgemein wieder mehr Fokussierung auf die Straßen. „Wir geben zur Zeit sinnlos Geld für Radwege aus“, beklagt er sich. Das sollte sich nun ändern, erwartet er und drückt sich dennoch vorsichtig aus: „Es könnte sein, dass es nun zu einer rationaleren Betrachtung des Verkehrs kommt.“

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