Der Trend bei der Beschäftigungserwartung bleibt in der Region insgesamt verhalten. „Es rechnen nach wie vor mehr Unternehmen mit einem Abbau statt einem Aufbau“, fasst es Christina Nahr-Ettl zusammen. Am positivsten falle das Bild im Baugewerbe und den Dienstleistern auf: Beide Bereiche wollen Personal aufbauen – alle anderen Bereiche nicht. Industrie und Einzelhandel sind rückläufig, im Gastgewerbe gibt es eine Seitwärtsbewegung.
Konjunkturumfrage der IHK: Regionale Wirtschaft schöpft wieder etwas Hoffnung
Die Stimmung in der Wirtschaft hat sich im Frühsommer verbessert. Das geht aus der Konjunkturumfrage der IHK hervor. Spürbar verbessert hat sich die Lage im Einzelhandel und im Baugewerbe. Neues Sorgenkind ist dagegen die Industrie.

Von einer Trendwende ist die regionale Wirtschaft noch weit entfernt. Doch trotz einer unverändert schwierigen wirtschaftlichen Lage hat sich die Stimmung im Frühsommer bei den Unternehmen leicht aufgehellt. Das ist das Ergebnis der Konjunkturumfrage der Industrie- und Handelskammer (IHK) Heilbronn-Franken für das zweite Quartal 2025. „Die regionale Wirtschaft schöpft wieder ein wenig Hoffnung“, fasste Christina Nahr-Ettl, Mitglied der Geschäftsführung, die Ergebnisse am Dienstag zusammen.
Die Unternehmen in der Region kämpften zwar nach wie vor mit einer schwachen Auftragslage sowie hohen Arbeits- und Energiekosten. Und auch die geopolitischen Spannungen, der Wettbewerbsdruck aus China und der Handelskonflikt mit den USA belasten die Betriebe weiterhin. Jedoch sieht ein Viertel der Unternehmen Anzeichen einer Erholung und erwartet sogar eine Verbesserung der Geschäftslage. Überraschend: „Erstmals seit vier Jahren sind die Erwartungen wieder besser als die Lageurteile“, sagt Nahr-Ettl.
Industrie leidet unter der angespannten Lage und den Zöllen auf US-Exporte
Gewonnen habe die Zuversicht in die Wirtschaftspolitik der Bundesregierung. Sie beurteilen nur noch 37 statt 41 Prozent der Betriebe skeptisch. Christina Nahr-Ettl sprach von einem Vertrauensvorschuss in die Wirtschaftspolitik der neuen Regierung. Die Entlastungspakete zeigten Wirkung. „Entscheidend wird am Ende sein: Was kommt bei den Unternehmen an – und wann kommt es bei den Unternehmen an.“ Denn vor allem die Industrie leide massiv unter der angespannten Lage. Und auch wenn der geschlossene Zoll-Deal mit den USA nun einen Rahmen bilde, seien die vereinbarten 15 Prozent eine enorme Belastung.
Entsprechend negativ bewerten die Unternehmen aus diesem Bereich ihre Lage und Aussichten und entwickeln sich zum Sorgenkind der Region. „Dort hat sich die Lage deutlich verschlechtert“, sagt Nahr-Ettl mit Blick auf die gerade noch 21 Prozent der Unternehmen, die eine gute Geschäftslage melden. Mehr als ein Viertel (26 Prozent) spricht von einer schlechten Lage. „Damit sind wir seit über einem Jahr wieder in einem negativen Lage-Saldo.“
Das Baugewerbe blickt positiv voraus
Ein gemischtes Bild gibt die Auftragslage. Während sich die Inlandsnachfrage auf niedrigem Niveau leicht erholt hat, verzeichnen die Unternehmen bei den Auslandsaufträgen erhebliche Rückgänge. Nur noch 13 Prozent der Industriebetriebe berichten von Zuwächsen, im Vorquartal waren es fast doppelt so viele. Mehr als ein Drittel – bei der letzten Umfrage waren es 23 Prozent – mussten rückläufige Aufträge aus dem Ausland hinnehmen. „Hier schlagen sich der Handelskonflikt mit den USA, die hohen Standortkosten und die verschärfte Wettbewerbssituation mit China durch“, sagt Nahr-Ettl. Dass die Erwartungen besser als die Geschäftslage sind, habe mit den Konjunkturpaketen zu tun.
„Das Geld sitzt bei den Konsumenten wieder ein bisschen lockerer.“
Christina Nahr-Ettl
Deutlich besser als in der Industrie läuft es in anderen Branchen. War das Baugewerbe lange Zeit das Sorgenkind der Region, hat inzwischen ein kleiner Stimmungsumschwung stattgefunden. Ein Drittel der Betriebe bewertet den Geschäftsverlauf als gut. Gleichzeitig ist der Anteil der Unternehmen, die mit ihrer Geschäftslage unzufrieden sind, von 23 auf 15 Prozent gesunken. Der Blick in die Zukunft falle positiv aus: Auch durch die Konjunkturpakete gestützt, rechnet ein Viertel der Unternehmen mit besseren Geschäften. „Das ist eine enorme Steigerung, wenn man sieht, von wo wir kamen“, sagt Nahr-Ettl. Die Zahl der Optimisten lag im Vorquartal bei nur sieben Prozent.
Im Einzelhandel ist ein Aufwärtstrend spürbar
Auch bei den Handelsunternehmen hellt sich die Stimmung spürbar auf: Während sich die Lage im Großhandel leicht entspannt hat, verzeichnet der Einzelhandel einen spürbaren Aufwärtstrend. „Kein Händler bezeichnet das Kaufverhalten zwar als kauffreudig. Aber das Geld sitzt bei den Konsumenten wieder ein bisschen lockerer“, sagt das Mitglied der IHK-Geschäftsführung. 32 Prozent der Betriebe – im Vorquartal waren es gerade sechs Prozent – melden eine gute Geschäftslage, 48 Prozent sprechen von einem befriedigenden Geschäftsverlauf. „Vor allem der Einzelhandel mit Nahrungs- und Genussmitteln berichtet von stark überdurchschnittlichen Geschäften.“ Vor dem Hintergrund haben sich auch die Erwartungen deutlich verbessert.
Auch im Hotel- und Gaststättengewerbe wandelt sich die Stimmung, erstmals seit einem Jahr überwiegen der Umfrage nach wieder die positiven Rückmeldungen. Der Großteil (69 Prozent) bezeichnet die aktuelle Geschäftslage als befriedigend.

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