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Konjunkturumfrage für das erste Quartal
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Regionale Wirtschaft kommt nicht aus der Krise

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In allen Branchen hat sich die Lage laut IHK-Umfrage zuletzt verschlechtert. Die Mehrheit der Unternehmen in der Region plant deshalb Stellenabbau in den nächsten Monaten.

Die regionale Industrie (hier Audi in Neckarsulm) kommt nicht in Fahrt. Die Unternehmen investieren zu wenig in Deutschland.
Die regionale Industrie (hier Audi in Neckarsulm) kommt nicht in Fahrt. Die Unternehmen investieren zu wenig in Deutschland.  Foto: Audi AG

Die leichten Hoffnungszeichen bei der letzten Konjunkturumfrage der IHK Heilbronn-Franken zum Jahresbeginn haben sich nicht verstetigt. „Im Gegenteil, die allgemeine Geschäftslage hat sich weiter verschlechtert“, sagt IHK-Hauptgeschäftsführerin Elke Döring bei der Vorstellung der Konjunkturumfrage für das erste Quartal 2025 am Dienstag im Heilbronner Haus der Wirtschaft. Auch die Erwartungen der befragten Unternehmen für die nächsten Monate geben wenig Anlass für einen Konjunkturumschwung. 

IHK: Schlechteste Zahlen seit der Corona-Pandemie 

„Das sind die schlechtesten Zahlen seit der Corona-Pandemie“, sagt Döring mit Blick auf die aktuelle Geschäftslage der Unternehmen. Demnach bezeichnen aktuell nur 22,8 Prozent der Betriebe ihre Geschäftslage als gut, im Vorquartal waren es noch 31,3 Prozent. 24,3 Prozent der Unternehmen nennen ihre Lage schlecht, vor drei Monaten waren es 20,2 Prozent. Die Erwartungen für die nächsten drei Monate sind etwas besser. 17,7 (Vorquartal: 16,6) Prozent rechnen mit besseren Geschäften, 21,4 (28,1) Prozent erwarten schlechtere Geschäfte.

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Als größte Belastungsfaktoren nennen die Unternehmen die schwache Inlandsnachfrage (65,6 Prozent), hohe Arbeitskosten (52,2 Prozent), geopolitische Spannungen (44,6 Prozent) und den Fachkräftemangel (43 Prozent).  Die schlechte Lage in der regionalen Wirtschaft hat auch Auswirkungen auf die Beschäftigungsentwicklung. In allen Branchen überwiegt die Zahl derjenigen Unternehmen, die in den nächsten Monaten Personal abbauen wollen. „Wir müssen jetzt dringend den Vorwärtsgang einlegen“, mahnt Elke Döring mit Blick auf die neue Bundesregierung.

Regionale Industrie stabilisiert sich auf niedrigem Niveau

Immerhin hat sich in der für die Region so wichtigen Industrie die Lage auf niedrigem Niveau stabilisiert. Hier bezeichnen 26,4 Prozent der Unternehmen ihre aktuelle Geschäftslage als gut und 20,8 Prozent als schlecht. in den nächsten Monaten rechnen 24 Prozent mit einer Verbesserung der Lage, 16,5 Prozent erwarten schlechtere Geschäfte. Auch die Exporterwartungen der Industriebetriebe haben sich zuletzt verbessert - allerdings nicht für Nordamerika. Ein Problem sieht Döring in der weiterhin schwachen Investitionstätigkeit der Industrie. Hier tue sich nicht viel. „Damit kriegen wir keinen Aufschwung hin“, sagt die Hauptgeschäftsführerin.

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Die regionale Bauwirtschaft leidet unter der anhaltenden Auftragsflaute. Kein befragtes Unternehmen berichtet von mehr Aufträgen, während 56 Prozent Rückgänge beklagen. Der Großhandel ist laut Döring aktuell das Sorgenkind der regionalen Wirtschaft. Mehr als die Hälfte der Betriebe bezeichnet ihre aktuelle Lage als schlecht, nur 12,8 Prozent nennen sie gut. Immerhin haben sich die Erwartungen im Großhandel wieder verbessert, der entsprechende Index liegt wieder im positiven Bereich.

Der Einzelhandel leidet unter der Kaufzurückhaltung der Menschen

Schlecht ist die Lage auch im Einzelhandel, wo nur noch 6,4 (37,2) Prozent der befragten Betriebe ihre aktuelle Lage als gut bezeichnen. Schlecht läuft es dagegen für 19,4 Prozent der Einzelhändler. Hier ist auch wenig Besserung in Sicht, weil die Kunden nach wie vor wenig Kauflust an den Tag legen. Nur 3,2 Prozent der Unternehmen sprechen von kauffreudiger Kundschaft, während 61,3 Prozent eine Kaufzurückhaltung feststellen. Zurückhaltung zeigen die Menschen auch beim Restaurantbesuch. Im Hotel- und Gaststättengewerbe berichten nur 12,8 Prozent der Betriebe von guten Geschäften, aber 38,5 Prozent von schlechten Geschäften. Auch überwiegt bei den Erwartungen die Anzahl an Pessimisten (34,2 Prozent) die der Optimisten (21,2 Prozent).

Auch bei den bisher recht stabilen Dienstleistern hat sich die Lage zuletzt eingetrübt. Der Saldo aus positiven und negativen Rückmeldungen liegt erstmals seit vier Jahren wieder im Minusbereich. Und nur 8,5 Prozent der befragten Dienstleister erwarten demnächst bessere Geschäfte, während 25,8 Prozent von schlechteren Geschäften ausgehen.  

Elke Döring fordert rasche wirtschaftspolitische Impulse

Elke Döring hofft angesichts der ernüchternden Umfrageergebnisse auf rasche wirtschaftspolitische Impulse durch die neue Bundesregierung, damit wieder in Deutschland investiert werde. „Die Lösungen liegen auf dem Tisch. Jetzt kommt es darauf an, dass sie entschlossen und geschlossen umgesetzt werden“, sagt die IHK-Hauptgeschäftsführerin.

Die Branchenaufteilung in der Region Heilbronn-Franken nach sozialversicherungspflichtigen Beschäftigte sieht wie folgt aus: 44 Prozent Dienstleistungen (inklusive Gastgewerbe und Verkehr), 35 Prozent Industrie (inklusive Bergbau, Energie- und Wasserversorgung), 14 Prozent Handel, sechs Prozent Baugewerbe und ein Prozent Sonstige.

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