Waldenburger Explosionsschutz-Spezialist R. Stahl plant neues Werk in Indien
Bei der Hauptversammlung des Explosionsschutz-Herstellers gab es viel Kritik von Kleinaktionären. Dabei hatte Vorstandsvorsitzender Mathias Hallmann durchaus positive Nachrichten zu verkünden.

Wie sich doch die Abläufe unterscheiden: Bei den Salzwerken war es kurz und friedlich, bei Bechtle auch – dafür ging es bei der Hauptversammlung der R. Stahl AG schon deutlich konfliktträchtiger zu. Nicht nur die üblichen beiden Redner der Aktionärsvereinigungen SDK und DSW ergriffen das Wort, sondern auch drei weitere Anleger-Profis – die Vorstand und Aufsichtsrat des Explosionsschutz-Herstellers aus Waldenburg gehörig in die Zange nahmen. So sehr, dass ein Kleinaktionär und Ex-Mitarbeiter schließlich sogar zur Verteidigung ans Rednerpult schritt.
Abschreibungen in Russland belasten R. Stahl
Dabei hatte Vorstandsvorsitzender Mathias Hallmann durchaus positive Nachrichten zu verkünden: Das Unternehmen verzeichnete vergangenes Jahr den höchsten Auftragseingang seiner Geschichte, ein deutliches Umsatzplus und kam einzig wegen hoher Abschreibungen auf die russische Tochterfirma auf einen minimalen Gewinn von 0,2 Millionen Euro - es wären sonst mehr als 15 Millionen Euro gewesen. Zudem sei R. Stahl gut ins neue Jahr gestartet, das erste Quartal lief gut und für das zweite Quartal gelte: "Wir sind sehr gut unterwegs." Die Prognose von einem Umsatz zwischen 335 und 350 Millionen Euro bestätigte Hallmann, ebenso jene für das operative Ergebnis, nämlich 35 bis 45 Millionen Euro. "Ich bin langfristig extrem optimistisch für dieses Unternehmen", meinte er.
R. Stahl plant neues Werk in Indien
Wachstumschancen sieht der Vorstandschef unter anderem in Asien und da gerade in Indien. R. Stahl hatte erst 2013 ein Werk 40 Kilometer südlich der Metropole Chennai errichtet und seine drei bisherigen Werke dort zusammengelegt. Nun soll in Chennai selbst neu gebaut werden, kündigte er an. Dort sollen künftig auch zentrale Konzernaufgaben wie Personal und IT mit bearbeitet werden. Die Inbetriebnahme der Produktion ist für das erste Halbjahr 2026 geplant. Nachdem die Pläne mit dem Aufsichtsrat besprochen worden seien, würden sie in den nächsten Tagen freigegeben, sagte Hallmann. Unterstützt werde die Finanzierung durch einen KfW-Kredit, der sich an ökologischen und sozialen Kriterien orientiert - dadurch spare das Unternhmen mindestens 1,5 Prozentpunkte bei den Zinsen, sagte er.
R. Stahl setzt auf neues Geschäftsfeld Wasserstoff
Gleich mit einem Großauftrag ist das neue Geschäftsgebiet Kernenergie vergangenes Jahr gestartet - für mehr als zehn Millionen Euro liefert R. Stahl Lampen und andere Spezialgeräte für das Projekt Hinkley Point C in Großbritannien. Hallmann mahnte allgemein zu Geduld mit neuen Kundengruppen - etwa in Sachen Wasserstoff: "Momentan machen Produkte für diese Anwendung ein Prozent unseres Umsatzes aus, aber wenn die Energiewende so weitergeführt wird, erwarten wir innerhalb von zehn Jahren deutlich mehr." Übrigens auch in Kombination mit Kernkraft - die Aufspaltung von Wasser durch Strom aus Aomenergie "wird mehr und mehr kommen", erwartete er. R. Stahl sei zudem bereits in Wasserstoff-Projekte in Großbritannien und in Saudi-Arabien eingebunden.
Streit der Kleinaktionäre bei R.-Stahl-Hauptversammlung
Und die Aktionärsvertreter? Herbert Wild meinte für die SDK: "Ich habe das Gefühl, es geht langsam wieder aufwärts bei dem Unternehmen." Erna Mintrup erinnerte für die DSW an den Übernahmeversuch durch Weidmüller vor zehn Jahren - und dass sich der Aktienkurs im Vergleich zu jenem Angebot inzwischen mehr als halbiert hat. In diese Kerbe haute unter anderem Thorsten Grimm, Vorstand der Investmentgesellschaft Allerthal-Werke: "Man muss sich Gedanken machen, ob das Halten der Aktie in den Bereich der Liebhaberei fällt", meinte er angesichts der erneut ausfallenden Dividende. Er forderte die Hauptaktionäre aus den Gründerfamilien Stahl und Zaiser auf, entweder Aktien zu verkaufen oder das Eigenkapital zu erhöhen.
Noch vehementer vertrat der Frankfurter Investor Martin Helfrich diese Ansicht – so ausführlich, dass aus den Reihen der Aktionäre Rufe wie "Aufhören!" erklangen. Aufsichtsratsvorsitzender Peter Leischner entgegnete den Vorwürfen: "Es ist nicht so, dass die Familie sich gegen eine Kapitalerhöhung sträubt. Aber dann muss daraus ein Geschäftsmodell entstehen. Wir wollen wissen, in was wir investieren." Am Ende verteidigte ein ehemaliger R. Stahl-Mitarbeiter und Kleinaktionär seine frühere Firma und den Vorstand – auch, was den Umgang mit dem Weidmüller-Angebot angeht: "Wäre das angenommen worden, wäre R. Stahl mit Sicherheit irgendwann aus Waldenburg weggegangen. Ich bin bis heute dankbar, dass Sie die Bude nicht verkauft haben."
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