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Zukunftswiesen Summit

Provokation auf der Bühne: Warum drei polarisierende Stimmen Ilshofen elektrisieren

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Christian Wolf, Jan Kraume und Felix Blume liefern die meistbesuchten Sessions des Summits. Ihre Botschaften spalten – und treffen zugleich einen Nerv.

Die Fitness-Influencer Jan Kraume (Mitte) und Christian Wolf sorgen am Montagnachmittag nach Felix Blume für eine brechend volle Halle. Ähnlich wie Felix Blume ecken sie mit ihren Aussagen an.
Die Fitness-Influencer Jan Kraume (Mitte) und Christian Wolf sorgen am Montagnachmittag nach Felix Blume für eine brechend volle Halle. Ähnlich wie Felix Blume ecken sie mit ihren Aussagen an.  Foto: Zukunftswiesen Summit

Die Anziehungskraft von Christian Wolf und Jan Kraume wirkt über das Internet hinaus. Als die beiden Influencer und Unternehmer am späten Nachmittag die Hauptbühne des Zukunftswiesen Summit in Ilshofen betreten, ist der Saal voll – kaum einer der 1700 Teilnehmer lässt sich die schillernden Figuren der Social-Media-Branche entgehen. Zumal vor allem Wolf polarisiert, mit seinen Aussagen provoziert, wofür er zuletzt einen Shitstorm kassierte.    

Selber bringt Wolf im Gespräch mit Moderatorin Fanny Fee Werther einen „dummen Kommentar, den ich letztens gemacht habe“, zur Sprache. Eine Frau habe versucht, ihn infolge eines seiner Videos – am Tag setzt der 30-Jährige bis zu 100 Stück auf Social Media ab – zu kritisieren. Mit vielen fachlichen Fehlern, wie er skizziert. Zudem habe sie sein Video auch noch falsch geschnitten und kommentiert. Wolf reagierte mit einem Gewalt-Kommentar, was ihm zurecht Kritik einbrachte. In der Folge sei er – auch von besagter Frau – als Antifeminist deklariert worden. 

Wolf stellt klar: „Das ging nicht gegen Frauen, das ging gegen Dummheit.“

Wolf stellte das in Ilshofen klar. „Das ging nicht gegen Frauen, das ging gegen Dummheit und sie war halt zufällig eine Frau.“ Das Geschlecht habe keine Rolle gespielt. Aber das müsse man wie so vieles erklären. Insbesondere auf solchen Kanälen, in denen es leichter sei, sich auf die emotional leichtere Seite zu stellen. Grundlegend brauche es Menschen, die auf Social Media ihre Meinung aussprechen, sagt Jan Kraume. „Leute, die sehr direkt ihre Meinung sagen, haben auch Erfolg.“

Erfolgreich sind die beiden Fitness-Influencer: Kraume ist Mitgründer der Sportbekleidungsmarke OACE, die im Direktvertrieb, also ohne Zwischenhändler, mit zunehmendem Erfolg verkauft wird. Und Wolf ist mit dem Vertrieb von Nahrungsergänzungsmitteln bekannt und reich geworden – hatte sein Unternehmen nach Kritik aber bereits vor einiger Zeit verlassen. Social Media war für seinen Erfolg ein großer Hebel, dennoch rät Wolf Gründern, nicht zu früh damit anzufangen. „Wenn du mit einer Taschenlampe auf etwas leuchtest, wo nichts ist, siehst du halt nichts.“

Influencer Wolf würde nicht mehr in Deutschland gründen

Was er meint: Die Glaubwürdigkeit muss da sein. „Ich muss das Thema beherrschen, über das ich spreche.“ Oder ein entsprechend gutes Produkt haben. „Das in Kombination kann sehr erfolgreich sein“, sagt Wolf. Der Influencer lebt auf Zypern, würde heute nicht mehr in Deutschland gründen und rät Gründern, ins Ausland zu gehen. Warum, sagt er nur vage, spricht von einem „gewissen Problem von Zahlung und Gegenleistung“ in Deutschland und dass Geld ineffizient ausgegeben werde.

Längst nicht alles verfängt beim Publikum, genauso wie viele markige Sprüche, die Felix Blume – alias Kollegah – am Vormittag abgegeben hatte. Offen kokettierte der erfolgreichste deutsche Rapper, der seinen Künstlernamen inzwischen abgelegt hat, mit Verschwörungstheorien. Dennoch haben die Organisatoren mit den Auftritten von Blume, Wolf und Kraume ein Coup gelandet: Keiner der anderen Programmpunkte zieht mehr Zuhörer an.

Organisatoren wollen den Diskurs und sind froh über den prominenten Besuch

Man müsse auch nicht alles unterschreiben, was die drei bekannten Gesichter sagen, macht Organisator Sam Keitel klar. „Wir wollen unterschiedliche Meinungen zeigen und den Diskurs fördern.“ Der eine oder andere Zuhörer mag sich bei den Aussagen auch vor den Kopf gestoßen gefühlt haben – „eine gewisse Spannung im Raum war schon zu spüren“.

Speziell Felix Blume habe aber mit einem Punkt auch in Schwarze getroffen: Dass er sich um die Zukunft Deutschlands sorge. „Wenn das nicht nur Unternehmer sagen, sondern jetzt auch einer mit dieser enormen Reichweite: Dann hört die Politik vielleicht endlich zu“, sagt Keitel. Das Land drohe nach Aussage des Künstlers und der beiden Influencer junge Leute zu verlieren.

De Influencer Kraume und Wolf wollen nächstes Jahr wiederkommen

Insofern sei das Signal, dass endlich was passieren müssen, wie es speziell Blume deutlich gemacht hatte, wichtig. Angefangen beim Bildungssystem. Wolf und Kraume haben Sam Keitel gegenüber schon angekündigt, nächstes Jahr wiederkommen zu wollen. Dann findet der Summit wieder Ende April über zwei Tage statt. Auch Felix Blume will mit dem Summit-Organisatoren ebenfalls „was starten“. Trotz oder gerade wegen der markanten Aussagen passten sie gut zum Motto des Summits: „Wir sind hier, weil wir an Deutschland glauben.“ sagt Keitel.      

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