Iran-Krieg belastet Börsen – Anlageprofi sieht neben Risiken auch Chancen
Ein Experte der Capitell Vermögens-Management AG erklärt, welche Folgen der militärische Konflikt mit dem Iran für die weltweiten Börsen, den Ölpreis und die wirtschaftliche Entwicklung haben könnte.
Der Krieg im Nahen Osten versetzt die internationalen Börsen in Aufruhr. Dennoch bleiben die Experten der Capitell Vermögens-Management AG hinsichtlich ihrer Anlagestrategie grundsätzlich positiv gestimmt.
„Diese militärische Eskalation des Konflikts erhöht die kurzfristigen geopolitischen Risiken an den Börsen, eröffnet aber mittel- bis langfristig neue strategische Chancen“, sagt Chris-Oliver Schickentanz, Chief Investment Officer bei Capitell.
Iran-Konflikt: Kurzfristig dürfte es zu deutlichen Kursverlusten an den Börsen kommen
Der Anlageexperte erwartet kurzfristig den üblichen Reaktionsmechanismus an den Börsen: „Deutliche Kursverluste bei den meisten Aktien, Aufschläge bei Rüstungs- und Ölwerten und eine Flucht in als sicher wahrgenommene Assets.“ Damit meint Schickentanz vor allem erstklassige Staatsanleihen, den Schweizer Franken und Gold.
Wie lange diese Flucht-Reaktion anhalten wird, hängt für ihn vor allem von drei Faktoren ab. Zum einen davon, wie lange die strategisch wichtige Straße von Hormus blockiert sein wird. Je länger die Blockade anhalte, desto größer dürften laut Schickentanz die Versorgungsengpässe bei Öl und Gas werden. Daraus könnten sich Probleme für die globalen Lieferketten ergeben, etwa was chemische Produkte oder Halbleiter angehe.
Die politische Entwicklung im Iran wird Börsen und Ölpreise stark beeinflussen
Der zweite Faktor sind für den Experten die Gegenangriffe des Iran. „Für die Börsen dürfte es dann schwierig werden, wenn bei diesen Angriffen auch kritische Ölinfrastruktur in den Golfstaaten getroffen wird“, schreibt Schickentanz. Mittelfristig erwartet er aber wieder fallende Ölpreise, da immer noch mehr Öl produziert als verbraucht wird. Schickentanz rechnet mit Ölpreisen um die 60 US-Dollar pro Barrel.
Der dritte Faktor ist die Zukunft des Mullah-Regimes im Iran. Je schneller das Regime verschwinde und es einen demokratischen Wandel in dem Land gebe, desto besser wäre dies laut Schickentanz für die Menschen im Iran und für die weltweite Wirtschafts- und Börsenentwicklung. „Ein freier Iran ohne westliche Sanktionen könnte dabei helfen, die Energiepreise weltweit zu drücken und damit für dis-inflationäre Impulse zu sorgen“, sagt der Experte.
So reagiert die Capitell AG auf den Krieg im Nahen Osten
Für die Anlagestrategie der Capitell AG, die auch eine Niederlassung in Heilbronn betreibt, hat der Krieg im Nahen Osten keine gravierenden Auswirkungen. Schickentanz geht davon aus, dass der Konflikt in den kommenden Tagen und Wochen beendet werden kann. „Dann sollten sich die Aktienmärkte nach einem kurzfristigen Dämpfer deutlich erholen“, sagt der Anlagestratege. Die fundamentalen Rahmenbedingungen seien grundsätzlich positiv, es spreche viel für eine wirtschaftliche Belebung in Deutschland und Europa.
Sollte nach dem Abklingen des Iran-Konflikts der Ölpreis deutlich fallen, wären neue Allzeithochs für Schickentanz nur eine Frage der Zeit. Die Capitell AG hatte in den zurückliegenden Wochen die Aktienquoten teilweise moderat reduziert. „Temporäre Rückschläge an den Aktienmärkten eröffnen damit die Chance, diese wieder selektiv aufzustocken“, betont Schickentanz.
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