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Nach zwei schwachen Jahren: IDS richtet sich neu aus und spürt Wachstumssignale

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Der Kamerahersteller IDS aus Obersulm musste zuletzt deutliche Umsatzrückgänge verkraften. Für dieses Jahr peilt das Unternehmen nach einer Umstrukturierung wieder ein spürbares Wachstum an.


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Es war ein passender Zufall – und am Ende das perfekte Geschenk. Kurz vor Weihnachten hat der in Obersulm ansässige Hersteller industrieller Kameras IDS das zweimillionste Exemplar seiner knapp 30-jährigen Geschichte produziert. Statt jedoch ausgeliefert zu werden, bekam das Jubiläumsstück einen besonderen Auftritt: Auf einen Sockel gestellt und goldfarben besprüht, wurde es bei der Weihnachtsfeier an Jürgen Hartmann überreicht..

Die Überraschung war groß. Der Gründer, der sich vor zwei Jahren aus dem operativen Geschäft zurückgezogen hatte und heute als Gesellschafter auftritt, konnte es kaum glauben. „Das hat er sich in seinen kühnsten Träumen nicht ausgemalt“, sagt Jan Hartmann, der die Geschäfte inzwischen mit Alexander Lewinsky leitet. 1997 hatte sein Vater das Unternehmen gegründet, erst 2004 lieferte Imaging Development Systems seine erste Kamera aus.

Futuristische Fassade: Das 2020 erbaute B39 im Obersulmer Ortsteil Willsbach ist die Zentrale des weltweit tätigen Kameraherstellers IDS.
Futuristische Fassade: Das 2020 erbaute B39 im Obersulmer Ortsteil Willsbach ist die Zentrale des weltweit tätigen Kameraherstellers IDS.  Foto: IDS

Nach dem Boom 2023 mit Nachholeffekten folgen zwei schwere Jahre für IDS

Die goldene Kamera wird sicher einen Ehrenplatz im kleinen Kameraarchiv erhalten, das Hartmann aufbaut – und damit die Geschichte und Entwicklung des Unternehmens dokumentiert. Inzwischen liefert IDS jedes Jahr mehr als 100.000 Kameras aus, in den beiden vergangenen Jahren waren es weniger. Die schwache Konjunktur machte sich auch in Obersulm bemerkbar. „Die beiden letzten Jahre waren nicht einfach“, gesteht Jan Hartmann.

Nach einem sehr guten, von Nachholeffekten getragenen Geschäftsjahr 2023 gingen Aufträge und Umsätze im Jahr darauf spürbar zurück: Statt 76 Millionen Euro setzte IDS 2024 noch 53,5 Millionen um. Und auch 2025 sei ein schwaches Jahr gewesen, obwohl das Unternehmen optimistisch gestartet war. „Aber dann hat uns das Zollthema voll getroffen“, sagt Alexander Lewinsky. Viele Kunden hätten Investitionen verschoben oder ganz verworfen.

Auf einem guten Weg: Kamera-Hersteller macht in der Krise seine Hausaufgaben

Statt langfristige Lieferverträge zu schließen, gingen Kunden auf Einmalbestellungen. Die schwierige Phase haben die Verantwortlichen genutzt, „um uns intern zu restrukturieren“, sagt Hartmann. IDS hat sich auf Produktseite neu aufgestellt, das Portfolio bereinigt, sich mehr fokussiert. „Wir haben den Einkauf umstrukturiert und näher an die Entwicklung angedockt“, erklärt Lewinsky. Inzwischen fertigt das Unternehmen auch Teile seiner Elektronik selber.

Jan Hartmann (rechts) und Alexander Lewinsky gehören schon seit mehreren Jahren zur Geschäftsführung. Seit dem Rückzug von Gründer Jürgen Hartmann Anfang 2024 leitet das Duo die operativen Geschäfte von IDS.
Jan Hartmann (rechts) und Alexander Lewinsky gehören schon seit mehreren Jahren zur Geschäftsführung. Seit dem Rückzug von Gründer Jürgen Hartmann Anfang 2024 leitet das Duo die operativen Geschäfte von IDS.  Foto: IDS

Als Lehre aus den multiplen Wirtschaftskrisen und der weiterhin volatilen geopolitischen Lage hat IDS in den vergangenen vier Jahren seine Lagerfläche verdoppelt. Dahinter steht auch das Versprechen, Kameras binnen zwei Wochen an seine Kunden liefern zu können. „Das schaffen wir bei 90 Prozent unserer Produkte“, sagt Lewinsky. Ein Vorteil gegenüber vielen Marktbegleitern, sagen die Geschäftsführer.

Die erledigten Hausaufgaben scheinen sich für IDS auszuzahlen: Bereits im vierten Quartal des Vorjahres hatte sich angedeutet, dass die Lagerbestände der Kunden zuneige gehen würden. Das spiegeln die aktuellen Auftragszahlen wider: „Wir haben eine Produktionsauslastung von 85 Prozent und auch der Umsatz ist auf sehr hohem Niveau“, so Alexander Lewinsky. Allerdings stammen die Zahlen noch aus Zeiten vor dem Iran-Krieg.

Derzeit beschäftigt IDS rund 330 Mitarbeiter – die meisten davon am Sitz in Obersulm. Der Großteil arbeitet in Entwicklung und Produktion der industriellen Kameras. Rund 50 Prozent seines Umsatzes erwirtschaftet IDS in der DACH-Region – also im deutschsprachigen Raum. Die Umsätze verschieben sich immer mehr in Richtung Ausland, „gerade weil im Ausland viele Märkte schneller aus Geschwindigkeit kommen“, sagt Jan Hartmann.

Logistik, Medizintechnik und Landwirtschaft sind als Treiber für IDS wichtig 

Die für die IDS-Kameras wichtigen Halbleiter kommen per Luftfracht und werden über Dubai geflogen – hängen zum Teil gerade fest. Aktuell könnten sich Lieferungen um einige Tage verzögern. Ein Weltgeschehen, das sich so rasant verändert, berge natürlich ein gewisses Risiko, sagt Jan Hartmann. „Aber wir sind in einem Zukunftsmarkt unterwegs.“ Entsprechende Innovationen vorausgesetzt, ist auch viel Potenzial für IDS vorhanden.   

Entsprechend rechnen die Geschäftsführer in diesem Jahr wieder mit einem Wachstum. Vor dem Hintergrund der treibenden Branchen wie Logistik, Medizintechnik und Landwirtschaft peilt IDS ein Umsatzwachstum von mehr als zehn Prozent an. Das Ziel: „Deutlich besser als 2025 und auch besser als 2024 sein“, sagt Jan Hartmann. Das wäre bei der nächsten Weihnachtsfeier das perfekte Geschenk für das gesamte Unternehmen.

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