Möbel Rieger feiert 75-jähriges Bestehen – vom Schreiner zur Branchen-Größe

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Einer der größten deutschen Möbelhändler feiert sein 75-jähriges Bestehen. Heilbronn bleibt bis auf weiteres der jüngste Standort. Denn die Branche hatte es zuletzt nicht leicht, doch die Aussichten bessern sich.


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Die Zentrale von Rieger in Göppingen, sie ist von beeindruckender Größe. Wer ins Zentrum der Stadt fahren will, muss unter einer breiten Brücke hindurch, die die beiden großen Gebäude des Möbelhauses verbindet – und selbst zur Verkaufsfläche gehört, Sitzmöbel und Couchtische sind dort ausgestellt. In weiteren Gebäuden sind die Discountsparte, das Abhollager und die Küchenwelt untergebracht: Der Stammsitz umfasst alleine 38.600 Quadratmeter Verkaufsfläche, hinzu kommen die Zentralverwaltung und die Logistik.

Die Büros der Geschäftsleitung sind dennoch eher nüchtern und klein gehalten. Benno Rieger, der das Familienunternehmen in dritter Generation leitet, empfängt im großen Besprechungsraum, in dem auch die Marketingkampagnen besprochen werden – die aktuellen Prospekte hängen an der großen Tafel. Der 59-Jährige wirkt zufrieden, obwohl er einräumt: „Wir sind vergangenes Jahr mit einem hellbauen Auge davongekommen.“

Benno Rieger leitet das Familienunternehmen in dritter Generation. Im Jahr 2019 wurde der Standort in Heilbronn eröffnet.
Benno Rieger leitet das Familienunternehmen in dritter Generation. Im Jahr 2019 wurde der Standort in Heilbronn eröffnet.  Foto: Rieger (kleines Foto), Archiv/Berger (großes Foto), Montage: stimme.de

Möbel Rieger: Heilbronn auf Spitzenplatz in der Produktgruppe „Trends“

Die Möbelbranche hat es schließlich momentan nicht leicht. Küchen werden eher wenig gekauft. „Es werden weniger Wohnungen gebaut, das hängt unmittelbar zusammen“, erläutert der Geschäftsführer. Dafür setzte das Unternehmen vergangenes Jahr viele Polstermöbel ab - und viel Mitnahmeware, die sogenannten „Trends“. Die Filiale in Heilbronn sei hier unternehmensweit der Spitzenreiter: Nirgendwo sonst liefen „Möbel für Menschen, die mehr Geschmack als Geld haben", wie er es ausdrückt, so gut wie am jüngsten, erst 2019 eröffneten Standort.

Dabei startete Benno Riegers Großvater Xaver Rieger nach dem Zweiten Weltkrieg in Heidenheim mit einer kleinen Möbelschreinerei, in der er Büro- und Schlafzimmermöbel herstellte. Als die Nachfrage anzog, stand er vor der Frage, ob er die Produktion ausbauen oder gleich in den Handel gehen sollte – und entschied sich 1950 für die zweite Option: die Eröffnung des Möbelhauses Rieger. „Das ist im Grunde genommen typisch für den deutschen Möbelhandel“, erklärt sein Enkel. „Die Gründungsväter kommen alle aus dem Schreinerhandwerk.“

Möbel Rieger: Zweite Generation schlug Wachstumskurs ein

Xaver Riegers Söhne Franz und Egon stiegen ein, Benno Rieger wurde in dem Städtchen geboren. Aber die zweite Generation strebte bereits nach mehr und überredete den Vater, 1975 eine Filiale mit 8000 Quadratmetern in Aalen zu eröffnen. „Das hat wunderbar funktioniert“, erzählt der Enkel heute. Die Skepsis des Firmengründers war bald überwunden, 1984 schloss sich der Bau des Standorts Göppingen an. 

Nach der Wiedervereinigung folgte eine Filiale in Thüringen, 1992 in Mönchenholzhausen bei Erfurt. Weiter ging es 1996 mit der Eröffnung in Reutlingen, 1998 folgte der zweite thüringische Standort in Gera. Da war Benno Rieger bereits in die Geschäftsführung aufgerückt. Wobei er betont: „Ich durfte nicht einfach so einsteigen, ich musste mich qualifizieren." Nach der elften Klasse war er auf ein Internat in die Schweiz gewechselt, studierte dann in den USA. Bei anderen Möbelhändlern startete er seine berufliche Laufbahn, wo er auch in Auslieferung, Lager und Verkauf arbeitete. Mit seinem Einstieg in die Unternehmensleitung stieg Egon Rieger aus. Die Rollenverteilung war zunächst klar: „Der Boss war mein Vater.“ Erst 2015 zog dieser sich zurück.

Möbel Rieger: Neue Standorte sind vorerst nicht geplant

Unterdessen ging die Expansion weiter, es folgten 2008 der neue Standort in Esslingen, 2012 Rieger Küchen in Göppingen. Dass 2019 in Heilbronn das bislang letzte Möbelhaus entstand, noch dazu schräg gegenüber von Möbel Bierstorfer, wurde von der Branche mit großer Aufmerksamkeit verfolgt, erinnert sich Benno Rieger. „Wir hatten ein Gutachten erstellen lassen, das Potenzial für ein weiteres Möbelhaus sah.“ Und die Zahlen im ersten Jahr hätten sogar die Erwartungen übertroffen.

Bis dann Corona kam: Wochenlange, mehrfache Schließungen, Einlassbeschränkungen, Abwandern der Kundschaft in den Onlinehandel sorgten für heftige Umsatzrückgänge. „Das ging mir damals sehr an die Substanz“, erinnert sich der geschäftsführende Gesellschafter. Corona-Hilfen halfen bei der Überbrückung, der Personalstamm konnte im Wesentlichen gehalten werden. Allerdings folgten mit dem Ukrainekrieg und dem Energiepreisschock gleich die nächsten Schläge. Rieger legte den Fokus auf Restrukturierung und Kostensenkungen, die Belegschaft schrumpfte dadurch leicht auf heute etwas mehr als 1300. Neue Standorte sind vorerst nicht geplant. „Wir denken momentan nicht an Expansion. Wir sind keine Hasardeure“, erklärt der Geschäftsführer. 

Möbel Rieger: Das neue Jahr hat vielversprechend begonnen

Immerhin geht es nun wieder aufwärts: Die Geschäfte liefen im Dezember gut, der Start ins neue Jahr war  vielversprechend. „Die Leute scheinen es satt zu haben, immer nur zu klagen“, meint Benno Rieger. „Sie wollen sich zu Hause wohlfühlen und es sich schön machen.“ Zuvor habe die Kundschaft vor allem zu günstigeren Möbeln tendiert, nur die ganz teuren Produkte liefen auch noch gut. „Das Sortiment ist schnelllebiger geworden. Die Schrankwand fürs Leben gibt es nicht mehr“, sagt der Unternehmer. 

Für dieses Jahr sollen die 75 Jahre im Mittelpunkt stehen. „Wir schauen nicht auf Putin oder Trump. Wir nutzen unser Jubiläum, um eine Firmenkonjunktur anzuschieben.“ Diese Kampagnen wirkten bereits, berichtet Benno Rieger. „Es läuft richtig gut.“

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