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Gipfeltreffen der Weltmarktführer
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Mit Trumpf als Trumpf gegen Trump

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Schlechtreden gilt nicht: Das Gipfeltreffen der Weltmarktführer in Schwäbisch Hall wirbt für Mut, Innovationen und europäische Stärke. Und zeigt Chancen für deutsche Unternehmen auf.

Zum Auftakt des Gipfeltreffens der Weltmarktführer begrüßte Gründer Walter Döring die mittelständische Unternehmer aus ganz Deutschland in Schwäbisch Hall.
Zum Auftakt des Gipfeltreffens der Weltmarktführer begrüßte Gründer Walter Döring die mittelständische Unternehmer aus ganz Deutschland in Schwäbisch Hall.  Foto: Foto Vogt GmbH

Was für ein Jahr. Schon jetzt. Die Ereignisse der ersten fünf Wochen 2026 hätten auch gut in fünf Monate passen können. Venezuela, Grönland, Zölle, die Bedrohung aus China: Die alte Weltordnung scheint endgültig zerbrochen, Spielregeln der Weltwirtschaft haben sich in Rekordtempo grundlegend verändert. Die deutsche Wirtschaft, nach schwierigen Jahren schwer gezeichnet und unter Druck, ist ernüchtert, in vielen Bereichen sogar bedroht.

Die Wirtschaftsleistung ist auf das Niveau von 2019 zurückgefallen, die Investitionen gar auf das Niveau von 2015. Fakten, ja. Und doch zu viel Schwarzmalerei, sagt Walter Döring, früherer Wirtschaftsminister Baden-Württembergs. „Wenn wir uns jeden Tag sagen, wie schlecht es uns geht, wird es uns irgendwann wirklich schlecht gehen“, sagt er zum Auftakt des Gipfeltreffens der Weltmarktführer. Von dem jährlichen Treffen in Schwäbisch Hall – vom Magazin „Wirtschafswoche“ zum 16. Mal ausrichtet – soll ein Signal der Zuversicht ausgehen.

Baden-Württemberg gehört bei Innovationen zur Spitze in Europa

Kein künstlicher Optimismus, wie Döring, der das Gipfeltreffen ins Leben gerufen hat, klarstellt. Deutschland habe eine Vielzahl an Unternehmen, die im nationalen internationalen Wettbewerb bestehen. Tolle Start-ups. Mit Blick auf den Südwesten sagt er: „Von 90 Regionen in Europa ist Baden-Württemberg Innovationsregion Nummer eins.“ Mit dem Technologieunternehmen Trumpf aus Ditzingen beispielsweise habe man einen Trumpf gegen Trump.

Dass die Musik in vielen Bereichen außerhalb Europas spielt, gehört freilich auch zur Wahrheit. Döring will die Krise der deutschen Wirtschaft nicht runterspielen, sie nicht verhehlen – vielmehr nutzen. Verschwende niemals eine gute Krise, zitiert er. „Krise heißt übersetzt auch Chance“, sagt Reinhard Zinkann. Der CEO des Haushaltsgeräteherstellers Miele hält Schlechtreden ebenfalls für die schlechteste Idee.

Chance für Europa: gemeinschaftlich zusammenstehen und autark werden

Der Blick in die die über 120-jährige Geschichte von Miele zeige, dass es im Laufe der Zeit viele Krisen gegeben habe. „Jede Generation hatte ihre Herausforderungen gehabt – und jede hat sie bewältigt“, sagt Zinkann. Die Frage sei: Wie gehen Unternehmen mit den Herausforderungen um, wie machen sie sich resilient gegenüber China und den USA, gegenüber einer tektonischen Verschiebung. Zu viel Hoffnung in die Politik will er dabei nicht setzen.

Reinhard Zinkann, CEO von Miele, hält nichts vom Schlechtreden. Krisen habe es immer schon gegeben - auch diese kann der deutsche Mittelstand bewältigen.
Reinhard Zinkann, CEO von Miele, hält nichts vom Schlechtreden. Krisen habe es immer schon gegeben - auch diese kann der deutsche Mittelstand bewältigen.  Foto: Foto Vogt GmbH

Auch Bundeskanzler Friedrich Merz, dem er viel zutraue, könne keine Wunder vollbringen. „Der weiß bei den vielen Herausforderungen nicht, wo er zuerst hingucken soll.“ Europa habe dann eine Chance, wenn es gemeinschaftlich zusammensteht und sich auf seine Kompetenzen besinnt. „Europa muss versuchen, autark zu werden“, so Zinkann, der an den Standort Deutschland glaubt. Miele will entsprechend 500 Millionen Euro im Land investieren.

Chance im Gesundheitssektor: Technologie-Sprünge durch KI absehbar

Die Ingenieurskunst sei ein großer Pluspunkt, aber auch längst nicht alles. „Wir haben auf allen Gebieten Chancen“, erklärt Otmar Wiestler von der Helmholtz Gemeinschaft mit Blick auf den Forschungs- und Entwicklungsstandort. Speziell der Gesundheitssektor biete enormes Potenzial, werde in seinen Möglichkeiten unterschätzt. „Dabei sind die Rahmenbedingungen in Deutschland günstig, wir in vielen Bereichen der Wissenschaft spitze.“

Robert Friedmann erinnerte die Unternehmer an ihre Verantwortung, für die Demokratie einzustehen und Haltung zu zeigen.
Robert Friedmann erinnerte die Unternehmer an ihre Verantwortung, für die Demokratie einzustehen und Haltung zu zeigen.  Foto: Foto Vogt GmbH

Die Kunst sei, die Impulse aus der Forschung in die Medizin zu bekommen, gerade Künstliche Intelligenz biete spannende Anwendungsfälle – und entsprechende Technologie-Sprünge. „Wir machen jetzt Reparaturmedizin. Mit entsprechenden Daten ist eine Präventivmedizin möglich“, sagt Wiestler. Einen Teil der Krebserkrankungen vorab erkennen und vermeiden oder sicher heilen – das sei hierzulande möglich. Mit flexibleren Rahmenbedingungen und wenn es gelingt, Kräfte zu bündeln.

Auch andere Länder sind von willkürlichen US-Maßnahmen betroffen

Deutscher Erfindergeist, das war die Botschaft des Gipfels in Schwäbisch Hall, sei nicht von einem Mann im Weißen Haus abhängig. Auch seien die Mittelmächte wie Deutschland seien nicht machtlos. Zwar könnten die Großmächte kleineren Ländern mehr schaden als umgekehrt, sagte Oliver Rentschler vom Auswärtigen Amt. Umso wichtiger sei es, neue Partnerschaften und Allianzen, wie das Abkommen mit Indien, einzugehen. „Der Effekt von Trump ist, dass auch andere Länder von den willkürlichen handelspolitischen Maßnahmen betroffen sind.“ Das biete Chancen.

Einen viel beachteten Impulsvortrag hielt am ersten Abend Robert Friedmann. Der Sprecher der Konzernführung der Würth-Gruppe, erneut Unterstützer des Weltmarktführer-Gipfels, rückte die Bedrohung der freiheitlich-demokratischen Grundordnung in Deutschland in den Fokus. „Wenn die Unsicherheit wächst, verengt sich auch der Blick“, warnte Friedmann vor der Entwicklung im Land. Freiheit sei kein Selbstläufer. An die anderen Unternehmer gerichtet, sagte er: Demokratie lebt davon, als Unternehmen Verantwortung zu übernehmen und Haltung zu zeigen.“

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