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Mit Electric Sphere übernimmt ein neuer Akteur wichtige Ioncor-Strukturen

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Mit dem Fokus auf Batterietests und Entwicklungspartnerschaften ist Electric Sphere in Bad Friedrichshall gestartet. Das Unternehmen arbeitet mit Vorgänger Ioncor zusammen – und geht doch neue Wege.

Vor etwas mehr als einem Jahr hat Stefan Sommer als Standortleiter die Investitionen von Valmet in Bad Friedrichshall vorgestellt. Nun eröffnete er als Geschäftsführer sein Familienunternehmen Electric Sphere.
Vor etwas mehr als einem Jahr hat Stefan Sommer als Standortleiter die Investitionen von Valmet in Bad Friedrichshall vorgestellt. Nun eröffnete er als Geschäftsführer sein Familienunternehmen Electric Sphere.  Foto: Electric Sphere

Das neue Firmenschild an der Halle kündet in Größe und Farbgebung dezent die Veränderung an, die sich hinter dem blickdichten Zaun in der Bergrat-Bilfinger-Straße in Bad Friedrichshall in den vergangenen Wochen vollzogen hat. Rechtzeitig vor der großen Eröffnung hat das neue Unternehmen die grauen Schilder mit dem neuen Logo an den Gebäuden anbringen lassen, in denen zuvor die Batteriehersteller Ioncor und Valmet beheimatet waren.

Die Veränderung hält sich auch hinter dem Zaun und in den Hallen in Grenzen. Ganz gewollt. Die vielen Anlagen hat die Electric Sphere GmbH, wie das Unternehmen von Stefan und Sabrina Sommer heißt, von ihren Vorgängern übernommen, führt mit dem Testen von Batterien zumindest einen Teil des ehemaligen Geschäfts fort. „Wir haben hochqualifizierte Mitarbeiter, die geschult sind, am offenen Herzen zu operieren“, hebt Sommer hervor.

Ioncor ist der Erhalt des Batterietestcenters in Friedrichshall wichtig gewesen 

Und doch, macht der ehemalige Standortleiter bei der Eröffnung deutlich, verstehe sich sein Unternehmen nicht nur als „Standard-Tester“ von Hochvoltbatterien, sondern vielmehr als Entwicklungspartner, der die Probleme löst, die in der Automobilindustrie entstehen. „Genau da wollen wir uns positionieren“, sagt Stefan Sommer. Rausgelöst aus der alten Gesellschaft, stehe Electric Sphere als unabhängiger Partner ein größerer Markt zur Verfügung.

Nach einem Strategiewechsel hatte Ioncor, das seine Aktivitäten in der Region inzwischen in Kirchhardt gebündelt hat, die Testkapazitäten in dem Umfang, wie sie in Bad Friedrichshall vorhanden sind, nicht mehr gebraucht. Aber eben noch zu einem Viertel, weshalb dem Unternehmen am Erhalt des Standorts in Bad Friedrichshall gelegen war. „Sie sind definitiv nicht den einfachen Weg gegangen“, sagt Sommer.    

Zwölf Monate der Planung: ein ständiges Auf und Ab mit vielen kleinen Helden

Eine Restrukturierung hätte vermutlich die Schließung des Testcenters zur Folge gehabt. Zusammen mit Sommer aber, der auch bei Ioncor Bereichsleiter war, hat das Unternehmen im vergangenen Jahr zunächst eine Idee und im Anschluss einen Plan entwickelt, wie es am Standort Bad Friedrichshall weitergehen kann. „Ioncor hat uns auch bei der Finanzierung unterstützt“, sagt Sommer, der vom alten Arbeitgeber auch Projekte übernimmt.

Ein Anschub, ohne den Stefan Sommer und seine Frau Sabrina als Gesellschafter der Sommer Holding, der das Unternehmen gehört, nie losgelaufen wären. Von diesen Unterstützern habe es viele gegeben, verdeutlichte Stefan Sommer bei der Eröffnung, lobte die Anwesenden als Helden auf einem steinigen Weg, der von ständigen Auf und Abs geprägt gewesen sei. „Wenn nur einer dabei gewesen wäre, der diese Extrameile nicht mit uns gegangen wäre: Dann wäre das nicht zustande gekommen“, machte der Geschäftsführer deutlich.

Bei einem Rundgang durch die Hallen zeigte Sommer (rechts) den Gästen nicht nur die bestehenden Testcenter, sondern erläuterte auch, was Electric Sphere künftig anders und neun machen möchte.
Bei einem Rundgang durch die Hallen zeigte Sommer (rechts) den Gästen nicht nur die bestehenden Testcenter, sondern erläuterte auch, was Electric Sphere künftig anders und neun machen möchte.  Foto: Electric Sphere

Das im Juni gegründete Familienunternehmen übernahm 25 Mitarbeiter und zehn Hochvolt-Prüfstände. „Zum 1. November hat es dann richtig Spaß gemacht, weil wir Leben in die Firma reingebracht haben“, sagt Sommer zum eigentlichen Start der Electric Sphere. Die Vision ist: nachhaltig Energie in allen möglichen Fahrzeugen sowie allen möglichen Systemen einzusetzen. „Wir wollen zum einen unsere Kunden bei deren Entwicklung unterstützen.“

Nische entdeckt: Electric Sphere entwickelt Hochvoltspeicher für die Landwirtschaft 

Zum anderen, sagt Stefan Sommer, habe sich sein Unternehmen zum Ziel gesetzt, eigene Produkte auf den Markt zu bringen – das Geschäft auf drei Standbeine zu stellen und damit zu diversifizieren. Die Verantwortlichen haben dabei eine Nische ausgemacht: die Entwicklung von Batteriespeichern für die Landwirtschaft. „Rückspeiseverträge laufen aus, viele Landwirte fragen sich, was sie mit ihren PV-Anlagen machen sollen“, erklärt Sommer.

Die Lösung der Friedrichshaller: die Energie mithilfe eines Hochvoltspeichers für den Betrieb verfügbar zu machen. Bisher gebe es nur kleinere Haus- und riesige Megawatt-Speicher – nichts dazwischen. Electric Sphere installiert in zehn Fuß großen Containern Batteriemodule, Wechselrichter samt passendem Batterie-Management-System. „Wir konzentrieren uns zunächst auf den Raum Heilbronn und den Neckar-Odenwald-Kreis“, sagt Sommer. Dafür baut das Unternehmen eine Halle um – ein erster Container in Halle zwei deutet im Inneren die Veränderung an.    

Um das Geschäft mit den Batterietests weiter zu entwickeln, baut Electric Sphere um, wird zwei der bisherigen Lagerboxen als Crash-Center weiterführen. Dort werden Batteriezellen gezielt zerstört. „Wir müssen die Zellen erst richtig kennenlernen, bevor wir sie in Automobile einbauen“, sagt Stefan Sommer. In anderen Lagerboxen findet künftig eine Umweltsimulation statt, um herauszufinden, wie sich Batterien im finnischen Winter verhalten oder bei Feuchtigkeit oder extremer Trockenheit.

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