Stimme+
Krise
Zur Merkliste Lesezeichen setzen

Deutsche müssen "wieder mehr arbeiten" – Mercedes-Chef mit deutlicher Forderung

   | 
Lesezeit  3 Min
audio Anhören
Erfolgreich kopiert!

Mercedes musste für das vergangene Jahr einen starken Einbruch beim Absatz vermelden, auch der Gewinn dürfte gesunken sein. Mercedes-Chef Källenius will mit neuen Modellen gegensteuern und fordert einen Kurswechsel der deutschen Politik.


Externer Inhalt

Dieser externe Inhalt wird von einem Drittanbieter bereit gestellt. Aufgrund einer möglichen Datenübermittlung wird dieser Inhalt nicht dargestellt. Mehr Informationen finden Sie hierzu in der Datenschutzerklärung.

Immer, wenn Mercedes eine neue S-Klasse vorstellt, hält die automobile Gemeinschaft kurz den Atem an. Schließlich soll das Flaggschiff der Marke mit dem Stern nicht weniger als das beste Auto der Welt sein. Vor ein paar Wochen war es wieder soweit. Formal haben die Stuttgart die Luxuslimousine nur überarbeitet. Allerdings so tiefgreifend, dass das Unternehmen von einem neuen Auto spricht.

Mehr als die Hälfte der rund 5000 Komponenten wurden neu gemacht oder aktualisiert. Es gibt mehr KI im Auto, mehr Komfort, größere Bildschirme und erstmals beheizte Gurte. Für die Marke mit dem Stern ist die aktualisierte S-Klasse mehr als ein neues Auto, sie soll den Startschuss für die Wende beim Autobauer markieren.

Absatz und Gewinn sind bei Mercedes zuletzt deutlich gesunken

Mercedes ist im vergangenen Jahr tiefer in die Krise geschlittert. Schwache Geschäfte in China und hohe Belastungen durch die US-Zölle: Sieht man mal von BMW ab, stecken die deutschen Autobauer in der Krise. Bei Audi ist der Absatz 2025 zum zweiten Mal in Folge um 2,9 Prozent gesunken. Noch größer ist der Rückgang beim Konkurrenten Mercedes: Mit rund 2,16 Millionen und Vans haben die Stuttgarter zehn Prozent weniger Fahrzeuge als im Vorjahr ausgeliefert. Die Marke mit dem Stern gliedert ihren Absatz nach Pkw und Vans. Mercedes verkaufte demnach insgesamt etwas mehr als 1,8 Millionen Pkw, was einem Rückgang von neun Prozent im Vergleich zu 2024 entspricht. Zum Vergleich: Audi kam auf 1,62 Millionen Autos und liegt damit weiter deutlich hinter seinem Konkurrenten.

Finanziell musste Mercedes im vergangenen Jahr ebenfalls Federn lassen. Der Gewinn brach in den ersten neun Monaten um die Hälfte auf rund 3,88 Milliarden Euro ein. Beim Umsatz verzeichneten die Schwaben in diesem Zeitraum einen Rückgang von acht Prozent auf 98,5 Milliarden Euro. Die Zahlen für das gesamte vergangene Geschäftsjahr will der Dax-Konzern am 12. Februar vorlegen.

Mercedes-Chef bemängelt hohe Arbeits- und Energiekosten

Viele Probleme sind hausgemacht, aber auch mit den äußeren Rahmenbedingungen hadert Mercedes-Boss Ola Källenius. „Wir setzen in Deutschland zehn bis zwölf Prozent unserer Autos ab, tätigen hier aber mindestens 50 Prozent unserer Investitionen. Wenn sich also irgendjemand zu diesem Standort bekennt, dann sind wir das“, sagt er im Interview mit dem „Spiegel“. „Aber wir müssen Deutschland dringend wettbewerbsfähiger machen.“

Die Energie beispielsweise habe sich seit 2022 verteuert. „Wir haben hier jedoch zugleich mit die höchsten Arbeitskosten der Welt“, so Källenius. Jahrelang habe man das mit gesteigerter Produktivität wettmachen können. Nun sei man an einen Punkt gekommen, an dem das nicht mehr reicht. „Wir wollen keine asiatischen Verhältnisse in Deutschland, müssen aber bei Energie, Steuern und Arbeitskosten wieder in eine Richtung gehen, dass sich Unternehmertum und Investitionen in Deutschland lohnen“, sagt der Mercedes-Chef. „Sonst fließt das Kapital woandershin.“

 

Der Chef des Stuttgarter Autobauers hält die Deutschen für nicht fleißig genug. Er warnt vor einem wirtschaftlichen Niedergang des Landes – und indirekt vor einer Machtübernahme der AfD. „Deutschland entwickelt sich wirtschaftlich seit etwa zehn bis 15 Jahren in eine falsche Richtung“, sagte Källenius. „Und wenn wir das nicht drehen, dann kommen die Populisten von rechts, die für nichts eine Lösung haben. Das treibt mich um, denn ich lebe und kämpfe für dieses Land.“ Einen Grund für die Probleme sieht Källenius in der mangelnden Leistungsbereitschaft der Deutschen. Es sei, „als ob man vor einer Fußball-WM sagt, wir trainieren genug, obwohl alle anderen doppelt so viel trainieren“. Jeder wisse, dass man so nicht Weltmeister werde.

Mercedes-Chef Källenius: „Unser aller Ziel ist die Klimaneutralität“

Beim Thema Antrieb muss Mercedes wie die anderen Hersteller mehrgleisig in die Zukunft fahren. Verbrenner sind nach wie vor gefragt, dazu Plug-in-Hybride und reine E-Autos. Die Transformation bleibe schwierig, so Källenius. „Wohl keine andere Branche hat so viel in die Dekarbonisierung investiert wie wir“, sagte er dem „Spiegel“. Und wir tun es weiterhin, auch wenn die Nachfrage nach Elektroautos längst nicht so weit ist, wie Politik und Unternehmen einmal gedacht haben. Unser aller Ziel ist die Klimaneutralität.“

Mercedes: Hoher Auftragseingang für vollelektrische Modelle

Intern mahnt Mercedes-Chef Ola Källenius immer wieder, dass in diesem Jahr die Wende kommen müsse, berichten Manager des Unternehmens. Nach außen gibt sich der Schwede optimistisch. „2025 markierte den Startschuss der größten Produkt- und Technologieoffensive bei Mercedes-Benz mit neuesten elektrischen Antriebssystemen und intelligenter Software“, so Källenius. Die Kundenaufträge für den im vergangenen Jahr vorgestellten neuen elektrischen CLA und GLC lägen deutlich über den Erwartungen, heißt es aus Stuttgart.

2026 setzt Mercedes die Modelloffensive fort. Das mit Abstand wichtigste Modell ist die elektrische C-Klasse. Auch die sportliche Tochter AMG hat zwei Stromer in Planung, eine Limousine und ein SUV. Mit Aussagen zur Technik hält man sich seitens das Autobauers noch bedeckt. Allerdings sickern aus Unternehmenskreisen erste Informationen durch. Technisch fahren die Autos Insidern zufolge mit neuen Batterien und Schnellladetechnik mit deutlich über 300 Kilowatt vor. Dem Vernehmen nach sollen 350 Kilometer Reichweite in nur 15 Minuten nachgeladen werden können.

Kommentare öffnen
Nach oben  Nach oben