Dietrich Birk vermisst bei der Bundesregierung ein ganzheitliches Reformkonzept bei den Sozialversicherungssystemen. „Wir sind schon bei Lohnnebenkosten von mehr als 40 Prozent und steuern auf 50 Prozent zu“, sagt der Geschäftsführer des VDMA Baden-Württemberg. Das sei nicht mehr finanzierbar. Birk spricht sich für Mehrarbeit aus und dafür, Anreize für einen früheren Renteneintritt abzuschaffen. „Wir brauchen Anreize für längeres Arbeiten, die neue Aktivrente kann durchaus ein attraktives Modell sein“, sagt Birk. Wichtig sei auch das Vorziehen der Senkung der Körperschaftseuer, die derzeit für 2028 geplant ist, und ein konsequenter Bürokratieabbau. Mit Blick auf die Sozialsystem sagt Birk: „Es ist nicht mehr alles finanzierbar. Es wird deutlich mehr Eigenverantwortung gefragt sein.“
Maschinenbau: Das Ende der Talsohle ist erreicht
Der VDMA Baden-Württemberg sieht wieder mehr Zuversicht im Markt. Dennoch erwartet der Verband in diesem Jahr noch keinen breiten Aufschwung. Und die Politik müsse rasch Reformen umsetzen, fordert Geschäftsführer Dietrich Birk.

Die Lage im baden-württembergischen Maschinen- und Anlagenbau bleibt herausfordernd. Nach einem weiteren Jahr mit rückläufigen Auftrags- und Umsatzzahlen erwartet der Branchenverband VDMA Baden-Württemberg für 2026 ein leichtes Wachstum, aber noch keinen breiten Aufschwung. „Wir haben aber Anzeichen, dass wieder mehr Zuversicht in den Markt zurückkehrt“, sagt Verbandsgeschäftsführer Dietrich Birk im Gespräch mit der Heilbronner Stimme. Das Ende der Talsohle sei erreicht.
Der Umsatz dürfte 2025 unter 80 Milliarden Euro sinken
„2025 war ein weiteres schwieriges Jahr für den Maschinenbau“, sagt Birk. Er rechnet mit einem Umsatzrückgang um weitere fünf Prozent, was einem Jahresumsatz von unter 80 Milliarden Euro entsprechen würde. „Damit haben wir in zwei Jahren zehn Prozent unseres Umsatzes verloren. Das zeigt den Ernst der Lage“, betont Birk. Bei den Auftragseingängen lag der baden-württembergische Maschinenbau 2025 real um zwei Prozent unter dem Vorjahr. Damit verzeichne die Branche im Land zwölf Quartale in Folge mit rückläufigem Auftragseingang.
Die „leichten Zeichen der Erholung“, die Birk erkennt, sind vor allem auf Deutschland und Europa zurückzuführen, während die internationalen Märkte weiterhin schwächeln. Hier belasten vor allem die US-Zölle und die geopolitischen Spannungen die heimischen Maschinen- und Anlagenbauer.
VDMA-Geschäftsführer Birk: In Deutschland gibt es großen Nachholbedarf bei Investitionen
In Deutschland sieht Birk einen hohen Modernisierungsbedarf bei Maschinen und Anlagen. „Hier herrscht großer Nachholbedarf“, sagt er. Viele Unternehmen hätten gute Projekte in der Pipeline, die in den nächsten Monaten umgesetzt würden, weiß Birk aus seinen Gesprächen mit den Mitgliedsunternehmen. Es gehe dabei aber kaum um Kapazitätserweiterungen, sondern um Modernisierungen im Bestand. „Viele Unternehmen müssen jetzt modernisieren, automatisieren und effizienter werden“, sagt der Verbandsgeschäftsführer. Er hofft zudem darauf, dass der Investitions-Booster der Bundesregierung, der Abschreibungen erleichtert, endlich seine Wirkung entfaltet.
US-Zölle belasten die Maschinenbauer besonders stark
International ist das Bild zweigeteilt. Der größte Markt USA schwächelt deutlich, hier mussten die baden-württembergischen Maschinenbauer von Januar bis September 2025 ein Auftragsminus von 13 Prozent verkraften. Belastend wirken sich hier besonders die Zusatzzölle auf den Stahl- und Aluminiumanteil an den deutschen Maschinen und Anlagen aus. Gleichwohl seien die Produkte aus Deutschland und Baden-Württemberg in der amerikanischen Industrie sehr gefragt. Im ebenfalls wichtigen Markt China gab es im selben Zeitraum ein Minus von fünf Prozent. Die Chinesen hätten technologisch aufgeholt und machten der deutschen Konkurrenz mit günstigen Preisen zu schaffen.
Baden-württembergische Maschinenbauer wollen neue Märkte erschließen
Daher plädiert Birk dafür, sich auf neue, dynamische Märkte zu konzentrieren. Er nennt hier Indien und Indonesien als Beispiele und hofft auf die positive Wirkung von Handelsabkommen wie jenen mit Indien oder den Mercosur-Staaten. „Wir müssen uns breiter aufstellen“, sagt Birk. Auch im europäischen Binnenmarkt gebe es noch Potenziale, die die Maschinen- und Anlagenbauer besser erschließen sollten. Das könne dazu beitragen, unabhängiger und resilienter zu werden, sagt er.
Im Maschinenbau im Land wird es weniger Beschäftigte geben
Bei der Beschäftigung hält der leichte Abwärtstrend weiter an. Ende November beschäftigten die baden-württembergischen Maschinenbauunternehmen mit mindestens 50 Beschäftigten 285.700 Mitarbeiter, das sind 2,9 Prozent weniger als im Vorjahr. „Viele Unternehmen stellen sich schlanker auf“, sagt Birk und verweist auf zunehmende Automatisierung und Digitalisierung, auch mit Hilfe von Künstlicher Intelligenz.

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