Vor allem die deutschen Autobauer werden in diesem Jahr ihre Ausschüttungen an die Aktionäre deutlich reduzieren. Das sagen Finanzexperten aus der Region zur Dividendenstrategie.
Von Gerd Hübner, jüp
Anleger, die auf Dividendenaktien setzen, konnten zuletzt deutlich weniger Rendite erwirtschaften, als wenn sie auf den Dax gesetzt hätten.
Foto: Arne Dedert
In der diesjährigen Dividendensaison drohen teils deutliche Kürzungen bei den deutschen Automobilkonzernen. Außerdem schnitten wichtige Dividendenindizes zuletzt schlechter ab als breite Marktindizes. Für Anleger stellt sich daher die Frage, ob sich eine Dividendenstrategie noch lohnt. Nach Angaben der Deka-Bank werden die großen Automobilkonzerne ihrer Ausschüttungen in diesem Jahr um rund 3,3 Milliarden Euro zusammenstreichen. Insgesamt werden die 40 Konzerne des Deutschen Aktienindex Dax etwas weniger Dividende zahlen als im Vorjahr.
Dividendenindizes liefen zuletzt schlechter als der Markt
Bereits in den zurückliegenden Jahren entwickelten sich Dividendenindizes schlechter als der Markt. So legten der DivDax, der die 15 Aktien mit den höchsten Dividendenrenditen aus dem Dax enthält, in den vergangenen drei Jahren um 37,8 Prozent zu. Doch der Dax selbst legte im selben Zeitraum um 66,5 Prozent zu. Und in den USA lief der Index S&P 500 mit einem Plus von mehr als 75 Prozent deutlich besser als der S&P Dividend Aristocrats mit lediglich 21 Prozent Zuwachs.
„Diese Differenz lässt sich mit der starken Wertentwicklung der großen Technologiekonzerne erklären, die in den Dividendenindizes nicht enthalten sind“, sagt Christian Köffler von der Vermögensverwaltung ICM Mannheim. „Denn wenn man deren Kurszuwachs aus dem S&P 500 herausrechnet und die Ausschüttungen beim S&P Dividend Aristocrats mit berücksichtigt, dann lagen beide Indizes etwa gleich auf.“
Capitell-Experte Magnus rät zu breiter Aufstellung im Aktienportfolio
Tatsächlich wechseln die Favoriten am Aktienmarkt immer wieder. „Es gibt Phasen, in denen Wachstumswerte wie Technologieaktien besser laufen, aber auch Zeiten, in denen sich Value- und Dividendentitel besser entwickeln“, macht Michael Magnus von der Heilbronner Niederlassung des Vermögensverwalters Capitell AG klar. „Aus diesem Grund würde ich eine breite Diversifikation bei Aktieninvestments empfehlen, was sämtliche Branchen und Regionen und damit auch Technologiewerte oder Dividendentitel umfasst.“
Dass nun wieder eine Phase kommt, in der ein Favoritenwechsel stattfindet, ist nicht auszuschließen. „Der S&P 500 weist derzeit ein Kurs-Gewinn-Verhältnis von fast 30 auf, dagegen sind die Dividendenaristokraten, also beständige Dividendenzahler, nur etwa mit dem 18fachen ihres Gewinns im Schnitt bewertet“, sagt Köffler. „Letztere haben damit Aufholpotenzial und das eröffnet Anlegern die Chance auf Kursgewinne.“
Warum die Dividendenstrategie ein wichtiger Baustein im Depot ist
Das käme dann zu dem Beitrag, den die Dividenden selbst zur langfristigen Wertentwicklung von Aktien leisten, noch dazu. „Dieser Anteil liegt langfristig bei knapp 40 Prozent“, sagt Magnus. „Trotz der zuletzt eher schwachen Entwicklung ist eine Dividendenstrategie als Bestandteil im Portfolio deshalb weiter ein wichtiger Baustein.“
„Außerdem kann eine Dividendenstrategie dazu beitragen, ein Portfolio zu stabilisieren“, ergänzt Köffler. Das bestätigt eine aktuelle Studie von Allianz Global Investors (AGI), wonach eine Fokussierung auf Titel mit hoher Dividende in der Vergangenheit die Kursschwankungen tendenziell reduzieren konnten.
Dividendenaktien können das Aktiendepot stabilisieren
Für Anleger, die auf regelmäßige Einnahmen aus ihren Investments angewiesen sind, oder die mehr Stabilität in ihr Portfolio bringen wollen, gibt es also gute Gründe um weiter Dividendenaktien dem Portfolio beizumischen. Allerdings warnt Magnus vor dem Hintergrund der anstehenden Dividendenkürzungen bei den deutschen Autobauern davor, allein auf die Höhe der Dividendenrendite zu achten. „Es bringt nichts, wenn Sie eine Aktie mit einer hohen Dividendenrendite kaufen, wo das Geschäftsmodell aber mit strukturellen Problemen konfrontiert ist und folglich deren Kurs weiter fällt“, erklärt Magnus. „Deshalb sollten Anleger vor allem auf Unternehmen setzen, die nachhaltig Ausschüttungen vornehmen und diese idealerweise stets erhöhen.“
Zudem gilt es Klumpenrisiken zu vermeiden. „Anleger sollten deshalb darauf achten, dass sie nicht nur Dividendentitel aus wenigen Branchen nehmen, sondern auch hier gut diversifizieren“, rät Magnus. Das gilt auch für das Aktienportfolio insgesamt. „Ein gut gemischtes und widerstandsfähiges Portfolio sollte Aktien aus allen Branchen und Regionen enthalten“, betont Köffler. „Eine durchdachte Dividendenstrategie ist dann ein Teil davon.“
Neben einem breit gestreuten Kerninvestment kann es für Anleger attraktiv sein, eine Dividendenstrategie zu verfolgen. Denn eine solche Strategie kann zusätzliche Stabilität für das Gesamtportfolio und laufende Einnahmen bieten. Der einfachste Weg ist es, in einen Exchange Traded Fund (ETF) auf Dividendenaktien zu investieren. Solche börsennotierten ETFs bilden Dividendenindizes wie den DivDax oder den S&P Dividend Aristocrats nach, wobei Transparenz, gute Handelbarkeit und niedrige Kosten wesentliche Vorteile von ETFs sind. Allerdings sollten sich Anleger genau ansehen, wie ein solcher Index funktioniert. Beim DivDax, der die 15 dividendenstärksten Titel aus dem Dax enthält, geht es rein nach der Höhe der Dividendenrendite. Jedoch empfehlen die meisten Experten, auf dauerhafte und stabile Ausschüttungen zu setzen. Das finden Anleger bei Indizes auf Dividendenaristokraten, bei denen es um die Kontinuität der Ausschüttung geht. So müssen die Unternehmen im S&P US Dividend Aristocrats mindestens 25 Jahre am Stück ihre Dividende erhöht haben.
Eine Alternative sind aktiv gemanagte Dividenden- oder Income-Fonds, bei denen Fondsmanager die aussichtsreichsten Titel auswählen. Allerdings sollten Anleger sich genau informieren, wie die Auswahl der Einzeltitel funktioniert. Konkret sollte es nicht allein um die Höhe der Dividendenrendite gehen, sondern auch um die Qualität eines Geschäftsmodells oder Bilanzkennzahlen.
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