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Unwetterschäden

Land fördert jetzt auch Hagelversicherung für Wein und Obst

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Das Land nimmt Hagelschlag in die Förderung von Versicherungen gegen Wetterschäden im Wein- und Obstbau mit auf. Das sagen Betriebe im Raum Heilbronn und Hohenlohe.

Wertvolles Erntegut: Saisonkräfte bei Kraichgau-Spargel in Ittlingen bergen die Johannisbeeren von den Beerengehölzen.
Wertvolles Erntegut: Saisonkräfte bei Kraichgau-Spargel in Ittlingen bergen die Johannisbeeren von den Beerengehölzen.  Foto: Kühl\, Jörg

Ab kommendem Jahr können sich Winzer und Obstbauern gegen Ertragsausfälle in Folge von Hagelschlag mit staatlicher Förderung versichern. Die Landesregierung hat die Förderbedingungen für die seit 2020 bestehende Mehrgefahrenversicherung im Obst- und Weinbau dementsprechend erweitert. Bisher deckt die Versicherung Starkfrost, Sturm oder Starkregen ab. Hagelschäden sind ab dem Antragsjahr 2026 von der Versicherung mit abgedeckt, ebenso Extremwetterschäden im Hopfenanbau.

So fördert das Land die Versicherung gegen Ertragsausfälle nach Hagel

Betriebe können beim Abschluss einer Versicherung gegen wetterbedingte Ertragsschäden bis zu 50 Prozent der Versicherungsprämie vom Land gefördert bekommen. „Der Ausbau des Förderprogramms um das Risiko Hagel und den Hopfenbau stärkt die Risikovorsorge der Landwirtschaft“, kommentiert Landwirtschaftsminister Peter Hauk (CDU).

Wie wichtig Versicherungen gegen Frost und Hagel sind, das hat beispielsweise der Obstbaubetrieb Ickert in Öhringen-Michelbach im letzten Jahr erfahren. Große Teile der Bewirtschaftungsfläche waren vom Frost kalt erwischt worden. Später im Jahr kamen dann noch Hagelschäden dazu.

So beurteilt eine Öhringer Obstbauerin die Hagelversicherung  

Beides aber hat der Familienbetrieb über die Deutsche Hagelversicherung abgesichert. „Da kommen dann Gutachter und bewerten den Schaden“, erklärt Sandra Ickert. Der Betrieb habe große Einbußen gehabt und so dann aber doch einen Teil erstattet bekommen. „Wir kennen andere Betriebe, die keine Versicherung haben, die hat es da richtig gebeutelt.“

Aber: Mit jedem gemeldeten Schaden steigen die Versicherungsbeiträge, sagt Sandra Ickert. Zudem werden die Beiträge für die gesamte Betriebsfläche berechnet. Ickerts bewirtschaften rund 16 Hektar im Weinbau und fünf Hektar Tafelobst. „Größere Betriebe sichern sich ab“, weiß Sandra Ickert, kleinere könnten sich die Beiträge oft nicht leisten. In diesen Fällen habe das Land einen kleinen Beitrag geleistet.

Beeren, die empfindlichen aber wertvollen Diven, gilt es zu schützen

Auch Reiner Keller, Beerenanbauer in Ittlingen, hält eine Versicherung gegen Hagelausfälle für sinnvoll. „Unwetter einschließlich Hagel häufen sich im Hochsommer, wo Beerenernte ist“, so der Landwirt. Beerenobst sei nicht nur wertvoll, sondern auch empfindlich. Für den ganzen Betrieb inklusive Spargelanbau, Zuckerrüben und anderen Sparten zahlt Keller pro Jahr 5000 Euro Versicherungsprämie. Davon entfallen auf das Beerenobst allein 4000 Euro, obwohl die Beeren nur ein Zwanzigstel der gesamten Anbaufläche des Betriebs ausmachen.  

Ernteschäden oder gar Komplettausfälle sind in den letzten Jahren immer häufiger vorgekommen. Im April 2024 war es auf 50 Prozent der Rebfläche des Weinbauverbands Württemberg zu teilweise dramatischen Schäden durch Spätfröste gekommen, wie Verbandsgeschäftsführer Hermann Morast damals mitteilte.

Es gibt auch kritische Stimmen zur Mehrgefahrenversicherung im Obst- und Weinbau

Als Vize-Präsident begrüßt Peter Albrecht aus Heilbronn das neue Förderprogramm. Mit seinem Weingut Albrecht-Kiesling werde er es allerdings nicht in Anspruch nehmen, obwohl er zuletzt im Juli teilweise extrem hohe Hagelschäden zu beklagen hatte. „Wir haben bisher schon keine Versicherung gehabt, das ist unsere Lebenseinstellung: Du kannst nicht alles versichern und musst Risiken selber verantworten.“ Fehlende Mengen werde er durch Keller-Reserven ausgleichen, denn der tatsächliche Schaden entstehe für ihn erst, wenn er keinen Wein mehr zu verkaufen hätte und dadurch Kundschaft wegbrechen würde.

Auch Jürgen Keicher vom gleichnamigen Bioland-Betrieb in Erlenbach will vorerst ohne Versicherung weiterarbeiten. „Als das Förderprogramm aufgelegt wurde, sind die Policen um 50 Prozent gestiegen“, beklagt er die Politik der Versicherungen.

Hagel, Sturm, Frost und Starkregen: Das sagen die Zahlen

Die Häufigkeit und das Ausmaß extremer Wetterereignisse haben in den letzten Jahren deutlich zugenommen, bestätigt das Landwirtschaftsministerium. So kam es  2017 zu Frostschäden bei Kern- und Steinobst sowie im Weinbau mit existenzbedrohenden Ernteausfällen und 2018 folgte die Dürreperiode.

Auch andere Bereiche außerhalb der Landwirtschaft sind betroffen. Allein von 2022 zu 2923 habe sich die bei Versicherungen gemeldeten Schäden durch Wetterextreme wie Sturm, Hagel, Hochwasser und Starkregen mehr als verdoppelt: Von 285 auf 660 Millionen Euro, rechnet der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) vor. 

Im Jahr 2020 haben in Baden-Württemberg etwa 1400 Obst- und Weinbaubetriebe mit einer versicherten Fläche von rund 14.800 Hektar von der neu aufgelegten Versicherung Gebrauch gemacht. Bis 2024 ist die Zahl der Teilnehmer am Förderprogramm auf über 1600 Obst- und Weinbaubetriebe mit einer versicherten Fläche von über 16.200 Hektar angestiegen.

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