Mehr Kurzarbeiter im Raum Heilbronn – "hinter diesen Zahlen steckt Sprengstoff"
Bei einer Konferenz der IG Metall legt die Arbeitsagentur Heilbronn aktuelle Zahlen vor. Und die sehen nicht gut aus – zumal auch viele Menschen in Transfergesellschaften geschoben wurden.
Die Kurzarbeit in Stadt und Landkreis Heilbronn steigt deutlich an. Ende April waren 6417 Männer und Frauen betroffen, berichtete Uwe Festag, Bereichsleiter bei der Arbeitsagentur Heilbronn, bei der Delegiertenkonferenz der IG Metall Heilbronn-Neckarsulm in der Neckatsulmer Ballei.
„Der regionale Arbeitsmarkt ist zurzeit spannender, als wir es uns eigentlich wünschen würden“, sagte er. Man verspüre „alles andere als eine Frühjahsrbelebung“.
Zahl der Kurzarbeiter in Stadt und Landkreis Heilbronn steigt deutlich an
Im Mai sank die Arbeitslosigkeit im Agenturbezirk Heilbronn im Vergleich zum Vormonat nur um 59 auf 13.552. Das sind aber 1333 Personen mehr als vor einem Jahr. Die Arbeitslosenquote lag bei 4,8 Prozent, vor einem Jahr waren es noch 4,3 Prozent. Immerhin: Den Vermittlern der Behörde sind im Mai 1011 neue Stellen von den Betrieben und Verwaltungen gemeldet worden. Das sind 118 mehr als vor einem Monat und 464 mehr als vor einem Jahr.
Der Stellenbestand ist gegenüber dem April auf 3373 (plus 310) gestiegen. Im Hohenlohekreis lag die Arbeitslosenquote im Mai bei 3,6 Prozent, unverändert im Vergleich zum Vormonat.
Kurzarbeit in 284 Betrieben – Zahl der Betroffenen steigt monatlich weiter an
Dennoch sagte Festag: „Die Entwicklung hat uns ein Stück weit überrannt.“ Manchmal ließen sich daher momentan Wartezeiten für ein Erstgespräch bei der Arbeitslosmeldung nicht vermeiden. „Aber der Arbeitsmarkt ist durchaus noch aufnahmefähig“, meinte er. Ein Problem werde eher die Demografie. „In den nächsten Jahren gehen rund 20 Prozent der Beschäftigten in den Ruhestand.“ Da aber unter den Erwerbslosen im Agenturbezirk 56 Prozent nur eine Qualifikation als Hilfskraft haben, könnten sie diese Lücke kaum kompensieren.
Dass die Arbeitslosigkeit tendenziell wohl eher steigt, machte Festag an zwei Zahlenreihen deutlich: Die Zahl der Kurzarbeiter betrug im Agenturbezirk Ende Januar noch 4825. Im Februar waren es zwar nur 4082, im März aber schon 6004 und im April dann 6417. 284 Betriebe sind betroffen, allein im April meldeten 22 Firmen neu Kurzarbeit an. „Und der Mai hat uns weitere Meldungen ins Haus gespült“, sagte der Bereichsleiter. Genaue Daten lägen für jenen Monat noch nicht vor. Erfahrungsgemäß würden aber daraus einige Betroffene anschließend arbeitslos. „Hinter diesen Zahlen steckt Sprengstoff“, warnte er.
Transfergesellschaften als Alternative zur Arbeitslosigkeit stark gefragt
Auch ein anderes Instrument der Arbeitsplatzsicherung wird derzeit stark genutzt: Ende April gab es insgesamt neun Firmen, die Beschäftigte über eine Transfergesellschaft in neue Jobs vermitteln lassen wollen. 623 Teilnehmer waren verzeichnet, alleine aus einem Unternehmen waren es 187 Personen. Um welchen Betrieb es sich handelte, sagte Festag nicht. „Qualifizierung ist eine gute Versicherung, nicht arbeitslos zu werden“, betonte er.
Der Waldenburger Explosionsschutzspezialist R. Stahl hat unterdessen auf Kurzarbeit verzichtet – trotz eines schwierigen zweiten Halbjahrs 2024. Nachdem das Geschäftsjahr mit einem Rekord-Auftragseingang begonnen hatte, brachen die Bestellungen beim börsennotierten Unternehmen in den Quartalen drei und vier aufgrund der wirtschaftspolitischen Unsicherheit weltweit massiv ein. Betrugen die Rückgänge im Kernmarkt Deutschland etwa 20 Prozent, gingen die Aufträge in den USA auch aufgrund der bevorstehenden Wahlen um 70 Prozent zurück.
„Niemand wollte Entscheidungen treffen“, sagt Geschäftsführer Mathias Hallmann. Statt Kurzarbeit griff das Unternehmen zu einem anderen Instrument, nahm Arbeitstage raus. „Aufgrund der Auftragsschwäche haben wir zehn Tage betrieblichen Urlaub angeordnet“, sagte Hallmann am Dienstag bei der Hauptversammlung. Diese wurden auf die Monate Februar bis Mai 2025 verteilt.
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