Künstliche Intelligenz wird zur Infrastruktur
Bei den Führungsfrauen Raum Heilbronn erläutern drei Expertinnen, wie KI alle Bereiche unseres Lebens verändern wird. Und warum das Smartphone bald verschwindet.

Künstliche Intelligenz (KI) ist in aller Munde – erst recht in Heilbronn, wo mit dem Innovation Park Artificial Intelligence (Ipai) das europäische Leuchtturmprojekt für KI entsteht. Da ist es nur folgerichtig, dass sich auch die Führungsfrauen Raum Heilbronn einmal mehr mit dieser Technologie auseinandersetzen. „Wer KI sagt, muss auch Heilbronn sagen“, bringt es Margareta Jäger, Vizepräsidentin der Führungsfrauen, am Donnerstagabend im Open Spaces in Heilbronn auf den Punkt. Unter der Überschrift „Algorithmen, Avatare und Autonomie“ nähern sich drei Expertinnen dem Thema KI aus unterschiedlicher Perspektive und geben den gut 100 Besuchern reichlich Impulse zum Nachdenken.
Wer die Infrastruktur kontrolliert, kontrolliert die Nutzungsmöglichkeiten
Kristina Neff von der IT-Beratung NTT Data Deutschland macht in ihrem Vortrag klar, dass KI als Technologie zur Infrastruktur wird. „Und wer die Infrastruktur kontrolliert, kontrolliert die Nutzungsmöglichkeiten“, sagt Neff. Als Beispiel nennt sie den Einkauf im Internet. Wer abends auf der Couch nach neuen Sneakers sucht, sollte sich nicht der Illusion hingeben, eine völlig unabhängige Entscheidung treffen zu können. Denn die KI sortiert längst vor, welche Angebote wir zu sehen bekommen. Entsprechend groß ist Neff zufolge die Macht der Tech-Giganten, die die Plattformen und sozialen Netzwerke kontrollieren.
Die IT-Expertin plädiert daher dafür, dass Europa in Sachen KI vom Beifahrer zum Piloten wird. Es gelte, Abhängigkeiten von amerikanischen oder chinesischen Konzernen zu verringern und eine gewisse Autonomie zu erhalten, Stichwort Datensouveränität. „Europa braucht einen Plan B“, sagt Neff.
Künstliche Intelligenz wird uns lästige Routineaufgaben abnehmen
Auch Dorothee Töreki, ihres Zeichens Zukunftsarchitektin, ist der Überzeugung, dass KI zur Infrastruktur wird und wie Strom aus der Steckdose kommen wird. Die entscheidende Frage laute, wie wir die neue Technologie nutzen. „KI nimmt uns Routineaufgaben ab, so dass wir mehr Zeit für das haben, was uns Menschen eigentlich ausmacht“, sagt Töreki. Damit KI segensreich wirken kann, müssen ihr zufolge Daten miteinander in Verbindung gebracht werden mit dem Ziel, Wissen in Bewegung zu bringen. Eine Smart City etwa könne nur funktionieren, wenn die Daten intelligent miteinander vernetzt werden. „Datensilos müssen überwunden werden“, sagt Töreki. Das gelte auch für Unternehmen, wo Daten und Wissen häufig nur bestimmten Personen oder Abteilungen zugänglich seien. Die Zukunft sieht sie in Netzwerken statt Silos, Verbindungen würden zur wichtigsten Ressource.
KI wird eingesetzt, um unsere Bedürfnisse zu wecken
Jasmina Bergen vom Neckarsulmer IT-Dienstleister Xeptum widmet sich der Frage, was die KI über uns Menschen und unsere bewussten und unbewussten Bedürfnisse weiß. Eine ganze Menge, wenn entsprechende Daten vorhanden sind. Das geht schon beim Einkauf los. „Wir kaufen keine Produkte, sondern Emotionen“, sagt Bergen. Produkte, die wir kaufen, seien nur Werkzeuge, um ein implizites Bedürfnis zu befriedigen. Wer sich etwa einen Porsche zulegt, kaufe kein Auto, sondern Status. Die Werbe- und Verkaufsprofis nutzen KI, um genau diese Bedürfnisse anzusprechen.
KI wird die Gesellschaft grundlegend verändern
Jasmina Bergen ist sich auch sicher, dass KI grundlegende Änderungen in der Gesellschaft bringen wird. „Das klassische Schulsystem wird in zehn Jahren obsolet sein“, sagt sie. Denn was jemand wisse, sei wertlos, weil es die KI auch und meist besser weiß. Es komme nicht auf das Wissen an, sondern was man mit der KI mache. In den Fabriken sieht Bergen in zehn Jahren mehr humanoide Roboter als Industriearbeiter, in Büros erledigt die KI zahlreiche Tätigkeiten, die bisher von Sekretärinnen oder Buchhaltern erledigt werden. Und das heute allgegenwärtige Smartphone werde ebenfalls verschwinden und durch Wearables, smarte Brillen oder KI-Pins ersetzt. „Die Schnittstelle zwischen Mensch und KI muss nahtlos werden“, sagt Jasmina Bergen. Viel Diskussionsstoff für die gut 100 Gäste im Open Spaces.
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