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Schlechte Lage in Heilbronn-Franken: Handwerksbetriebe verzeichnen Auftragsrückgänge

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Konjunkturumfragen der Handwerkskammern und -verbände zeigen die schwierige Lage in vielen Betrieben. Auch die Region Heilbronn ist betroffen. Funktionäre erwarten nun Signale der Politik für Aufschwung und Entlastung.


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Die Lage im regionalen und baden-württembergischen Handwerk bleibt trüb. Das zeigen die aktuellen Konjunkturumfragen der Kammern für das vierte Quartal 2025. Die Hoffnungen des Handwerks für 2026 ruhen vor allem auf der Politik.

Im Kammerbezirk Heilbronn-Franken bewerten nur 49 Prozent der Handwerksbetriebe ihre aktuelle Geschäftslage als gut. 17 Prozent bezeichnen die Lage als schlecht, 33 Prozent als befriedigend. Der Blick nach vorn ist wenig ermutigend. 28 Prozent der Handwerker rechnen in den nächsten Monaten mit einer weiteren Verschlechterung der Geschäftslage. Nur 16 Prozent erwarten eine Verbesserung, mehr als die Hälfte (55 Prozent) gehen von einer unveränderten Geschäftslage aus.

Viele Handwerker aus der Region Heilbronn verzeichnen Auftragsrückgänge

Die schlechte Lage spiegelt sich auch in den Auftragseingängen wider. Demnach verzeichneten im vierten Quartal 2025 37 Prozent der regionalen Handwerksbetriebe einen Auftragsrückgang, 19 Prozent berichteten von mehr Aufträgen. Für die nächsten Monate rechnen 44 Prozent der Handwerker mit einer unveränderten Auftragslage. Mehr Aufträge erwarten 19 Prozent der Befragten, mit weniger Aufträgen rechnen 31 Prozent der Betriebe.

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Knapp jeder dritte Handwerksbetrieb (32 Prozent) musste zuletzt Umsatzeinbußen hinnehmen, nur 18 Prozent konnten ihre Umsätze steigern.  Auch in nächster Zeit erwarten 32 Prozent sinkende Umsätze, 18 Prozent gehen von höheren Erlösen aus. Schwach ist auch die Auslastung der Betriebe. 26 Prozent der Handwerker waren im letzten Quartal 2025 nur bis 60 Prozent ausgelastet.

Das Handwerk hält die Beschäftigung weitgehend stabil

Konstant blieb die Zahl der Beschäftigten im regionalen Handwerk bei 74 Prozent der Betriebe. Bei neun Prozent der Betriebe ist die Zahl der Mitarbeiter gestiegen, bei 17 Prozent ist sie gesunken. Daran wird sich in nächster Zeit nicht viel ändern. Nur sieben Prozent der Betriebe wollen ihre Belegschaft aufstocken, 13 Prozent planen mit weniger Personal.

Gemischt ist das Bild bei den Investitionen. Zuletzt haben 19 Prozent der Handwerker ihre Investitionen erhöht, 25 Prozent haben sie zurückgefahren, der Rest hat sie stabil gehalten. In nächster Zeit planen 16 Prozent höhere Investitionen und 34 Prozent niedrigere.

Präsident der Handwerkskammer Heilbronn-Franken nimmt die Politik in die Pflicht

Ralf Rothenburger, Präsident der Handwerkskammer Heilbronn-Franken, zeigt sich unzufrieden mit der aktuellen Konjunkturumfrage und nennt Gründe für die schlechte Lage des Handwerks. „Seit Monaten reden wir über dieselben Themen, die von der Politik angepackt werden müssen, aber nach wie vor unberührt auf der Straße liegen“, ärgert er sich. „Ob Bürokratieabbau, Reformdruck oder Investitionsstau: Die Zeit zum Handeln ist jetzt!“ betont Rothenburger.  

Mit Blick auf die anstehende Landtagswahl in Baden-Württemberg hat der Kammerpräsident klare Erwartungen. „Die neue Landesregierung muss sich nach der Wahl schnellstmöglich formieren und die Interessen des Handwerks in den Mittelpunkt ihrer Politik rücken“, fordert Rothenburger. Es gelte, die notwendigen Impulse zu setzen, um die Wirtschaft wieder anzukurbeln und die landesweit 140.000 Handwerksbetriebe zu entlasten.

Auch landesweit bleibt die Lage im Handwerk angespannt. Zum Start ins erste Quartal 2026 erwartet nur jeder fünfte Betrieb eine Verbesserung seiner Geschäftslage. Gut die Hälfte rechnet mit einer unveränderten Situation, während 27 Prozent mit einer Verschlechterung rechnen. Für das Gesamtjahr 2025 erwartet Handwerk BW nur eine Umsatzstagnation, für 2026 rechnet der Verband mit einem leichten Umsatzplus von rund einem Prozent.

Handwerk BW fordert schnelles und mutiges Handeln der Politik

„Das Handwerk bleibt realistisch und geduldig. Viele Betriebe haben sich durch ein wirtschaftlich schwieriges Umfeld gearbeitet und dürsten nach neuer Dynamik in den Märkten und Verlässlichkeit seitens der Politik“, sagt Rainer Reichhold, Präsident von Handwerk BW. Auch er fordert die Politik auf, die Anliegen des Handwerks ins Zentrum der Wirtschaftspolitik zu rücken. Entscheidend seien insbesondere der Abbau von Bürokratie, faire Wettbewerbsbedingungen, Unterstützung bei Betriebsnachfolgen sowie verlässliche Investitionen in Bildung, Infrastruktur und Wohnungsbau.

„Unsere Betriebe zeigen selbst in schwierigsten Zeiten Durchhaltevermögen, nicht zuletzt bei der Arbeitsplatzsicherung und der bei der Ausbildung“, betont Reichhold. „Jetzt hoffen wir auf Signale, die Mut machen.“

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