Hohe Spritpreise nach Iran-Angriff – das riecht nach Abzocke
Internationale Krisen können die Deutschen innerhalb von Stunden an der Tankstelle erkennen, weil dort die Preise steigen. Das riecht nach Abzocke. Trotzdem ist es schwierig, dagegen vorzugehen, meint unser Autor.
Katherina Reiche schaltet jetzt das Kartellamt ein, um den Mineralölkonzernen auf die Finger zu schauen. Die Wirtschaftsministerin vermutet Abzocke an der Tanke, weil sich der Angriff der USA und Israels auf den Iran den Preis für Benzin und Diesel in Windeseile in die Höhe getrieben hat.
Das geschieht, obwohl die Anbieter das Öl bereits vor Monaten zu günstigeren Preisen gekauft haben. Reiche und die vielen wütenden Autofahrer haben recht. Es geht hier nicht mit rechten Dingen zu. Wiederholt wurde bereits nachgewiesen, dass die Gewinne der Konzerne in solchen Kriegs- und Krisenphasen stärker steigen als die Kosten.
Kartellamt gegen Mineralölkonzerne: Warum die Wettbewerbshüter bei Benzinpreisen oft machtlos sind
Trotzdem ist der Ruf nach dem Kartellamt vergeblich. Denn spätestens seit der Energiekrise nach dem Angriff Russlands auf die Ukraine ist klar: Das Kartellamt kann nur bei tatsächlichen Absprachen der Konzerne einschreiten.

Doch die sind nicht nötig. Die großen Fünf müssen sich gar nicht absprechen, sondern nur schauen, was der jeweils andere macht. Notwendig wäre eine Neuordnung des Marktes mit dem Ziel, mehr Wettbewerb zu schaffen. Doch das ist eine große Aufgabe, die lange dauert. Gegen die aktuell hohen Preise hilft das nicht.
Tankstellenmarkt in Deutschland: Wie die Dominanz der „großen Fünf“ echten Wettbewerb verhindert
Besonders problematisch ist, dass Tankstellen- und Raffineriebetreiber in den meisten Fällen identisch sind, was Wettbewerb nur schwer entstehen lässt. Auch wäre es gut, wenn die großen Fünf weniger als zwei Drittel der Tankstellen betrieben.
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