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Von der Aushilfe zum Unternehmer: Wie Matthias Pohl Kölle Zoo groß machte 

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Wie aus einem Freizeitangebot einer der größten deutschen Fachhändler für Tierbedarf wurde – und welche Rolle dabei Pflanzen Kölle spielte. 


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Matthias Pohl brennt für sein Geschäft. „Ich wollte mich schon immer um Tiere kümmern“, erzählt er. Erst pflegte er Tiere zu Hause, mit 13 Jahren begann er als Aushilfe bei Kölle Zoo. Der damalige Inhaber Kurt Landes hatte sich gerade erst mit der Firma selbstständig gemacht, die eigentlich bloß Beschäftigung der Kinder sein sollte: Während die Eltern bei Pflanzen Kölle einkauften, sollten ihre Kinder sich an ein paar Tieren erfreuen.

So fing es 1969 in Zuffenhausen an. Dass bald auch ein Tierbedarf-Verkauf hinzukam, war nicht geplant, und 1979 gliederte der damalige Inhaber Hugo Kölle den nicht gerade nach Blumen riechenden Betrieb aus – Landes übernahm.

Von der Aushilfe zum Unternehmer: Wie Matthias Pohl Kölle Zoo groß machte 

Mit 13 stand also Matthias Pohl, der sich damals vor allem für Aquaristik begeisterte, bei ihm im Laden, arbeitete engagiert mit als Ferienjobber und an Wochenenden, machte nach der Schule dort eine Ausbildung, wurde noch währenddessen Filialleiter. Schließlich erhielt er das Angebot, sich an der Filiale in Heilbronn zu beteiligen. „Ich verkaufte also mein Auto und meine Stereoanlage. Ich war dann erst einmal verschuldet, aber das trieb mich an und machte mich kreativ.“

Bald darauf durfte er eine weitere Filiale aufkaufen, schließlich schrittweise das gesamte Unternehmen übernehmen. „Meine Stärke war der Vertrieb. Ich versuchte immer den Spagat zwischen Marketing und Tierschutz. Und ich habe schnell gemerkt, dass ich das Konzept multiplizieren kann.“

Matthias Pohl und Kölle Zoo: Auch 43 Fressnapf-Standorte gehören dazu

Heute ist daraus eine der führenden Tierbedarfsketten im deutschsprachigen Raum geworden. 26 eigene Filialen betreibt Kölle Zoo, davon fünf in Österreich. Die größte in Wien misst 3600 Quadratmeter. In Heilbronn ist das Unternehmen seit 17 Jahren im Kaisers Turm auf 2400 Quadratmetern vertreten, nachdem es zuvor in der Jägerhausstraße und am damaligen Kölle-Gartencenter in Sontheim bestand. Dass gegenüber eine Fressnapf-Filiale steht, nebenan ein Laden für Pferdebedarf, im selben Gebäude eine Tierarztpraxis residiert, ist kein Zufall.

„Unser Konzept ist One-Stop-Shopping“, erläutert Pohl. Fressnapf tue dabei in doppelter Hinsicht nicht weh: Die führende deutsche Handelskette verkauft zum einen eher im Preiseinstiegs-Segment, während sich Kölle Zoo auf höherpreisige Qualitäten konzentriert. Und zum anderen hat Fressnapf ein Franchise-Konzept – und Matthias Pohl ist Franchisenehmer. 43 Fressnapf-Filialen in Süddeutschland betreibt er inzwischen, unter anderem jene in Heilbronn. In beiden Sparten beschäftigt er zusammen etwa 1400 Mitarbeiter. Kölle Zoo peile dieses Jahr etwa 220 Millionen Euro Umsatz an, sagt er. In München sind zwei Neueröffnungen geplant, die Filialen erstrecken sich mittlerweile bis ins Saarland und nach Nordhessen.

Groß ist der Aquaristik-Bereich, jene Sparte, die Pohl einst selbst in die Tierhandlungen lockte. Fische für Süß- und Salzwasser gibt es dort, Schnecken, Korallen-Nachzuchten, Pflanzen und Dekoration. Als Höhepunkt schwimmen große Koi-Karpfen in einem 3,60 Meter tiefen Becken am Eingang – Kinder dürfen sie füttern, die Tagesration für die Tiere wird jeden Tag in einen Behälter gefüllt. Die Futterkapseln kosten zwar einen Euro, der Erlös geht aber an Tierheime.

Kölle Zoo: Warum Hamster erst ab 17 Uhr verkauft werden

Denn Pohl ist bei aller Geschäftstüchtigkeit ein Tierfreund. Bei den Futter-Exklusivmarken legt er großen Wert auf gute Zutaten. Kein Wunder, dass es von der Eigenmarke „Lottis Häppchen“ auch eine Premium-Qualität gibt, die weit mehr als Supermarkt-Artikel kostet. Die Kaninchen kommen von ausgesuchten Züchtern und werden selbst abgeholt. Hamster können erst ab 17 Uhr gekauft werden, um die nachtaktiven Tiere nicht aus dem Schlaf zu reißen. Und Pohl betreibt bei Osterburken einen Gnadenhof, in dem er, aber auch seine Mitarbeiter regelmäßig die Tiere pflegen und die Einrichtungen instandhalten. „Meine Vision als Jugendlicher war, dass ich mal etwas machen möchte, damit es Tieren besser geht“, sagt der Geschäftsführer. „Dabei wollte ich gar nicht mal Unternehmer werden.“

Das Unternehmen umfasst inzwischen weit mehr als Handel: Zwei Tierärzte sind angestellt, es gibt eine Sparte für kundenindividuelle Gartenteiche, Terrarien und Aquarien. Trends werden früh umgesetzt. Bereits 2013 begann das Unternehmen etwa, Produkte für das Barfen von Hunden, also eine spezielle Fleischfütterung, anzubieten. Für die nächsten Jahre ist Pohl zuversichtlich: „Das Bewusstsein bei den Menschen wird noch ausgeprägter, für ihr Tier nur das Beste zu bieten. Denn Tiere lieben ihre Menschen bedingungslos.“

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