Zuletzt gab es einige kritische Medienberichte über das Heidelberger KI-Start-up Aleph Aleph Alpha. Es ging um Abgänge von Führungskräften und um Unklarheiten bei der Finanzierung des Unternehmens. So sind in der aktuellen Finanzierungsrunde von den zugesagten 500 Millionen Euro wohl zunächst nur 100 Millionen Euro geflossen. Wie berichtet hatte die Schwarz-Gruppe im vergangenen Jahr gemeinsam mit dem Innovation Park Artificial Intelligence (Ipai) und Bosch 500 Millionen Euro in Aleph Alpha investiert. Jonas Andrulis blieb in Heilbronn entspannt, als er auf das Thema angesprochen wurde. Man hätte das Ganze besser kommunizieren können, räumte der Geschäftsführer ein. "Genauso wie unsere Technologie ist auch unsere Finanzierung komplex", sagte Andrulis.
KI soll Verwaltung erleichtern
Aleph Alpha hat sein System F13 beim Govtech Campus in Heilbronn vorgestellt. Ab September steht es allen deutschen Verwaltungen zur Verfügung.

F13 - dieses Kürzel soll für einen Schub für die Digitalisierung der öffentlichen Verwaltung stehen. Zunächst in Baden-Württemberg, später in ganz Deutschland. F13, der Name spielt auf die Funktionstasten auf der Computertastatur an, die bis F12 reichen, ist ein System Künstlicher Intelligenz (KI), das maßgeblich vom Heidelberger Start-up Aleph Alpha entwickelt wurde. Am Donnerstag wurde im Govtech Campus im Ipai Spaces in Heilbronn der Start des Projekts gefeiert.
F13 soll die Arbeit der baden-württembergischen Behörden deutlich erleichtern und beschleunigen und perspektivisch den Bürgern leichteren Zugang zu digitalen Verwaltungsdienstleistungen verschaffen. Das KI-System wurde seit 2021 Schritt für Schritt aufgebaut und mit öffentlich zugänglichen Daten wie Pressemitteilungen oder Landesdrucksachen trainiert. Künftig soll die KI auch mit internen Dokumenten der Landesverwaltung gefüttert und weiterentwickelt werden. Ab September soll F13 auch anderen interessierten öffentlichen Verwaltungen in Deutschland zur Verfügung gestellt werden.
Aleph-Alpha-Gründer Andrulis spricht von einem Meilenstein
Jonas Andrulis, Gründer und Geschäftsführer von Aleph Alpha, sprach von einem Meilenstein, den die Partner des Projekts geschafft hätten. "Irgendwann wird man auf die Digitalisierung der Verwaltung zurückblicken und wissen, dass alles mit F13 angefangen hat", sagte Andrulis in Heilbronn. Er betonte die zentrale Bedeutung der Souveränität der Daten, die mit dem System gewährleistet sei. Es würden höchste Datenschutzstandards eingehalten, zudem seien die Ergebnisse der KI nachvollziehbar und erklärbar.
F13 soll den Behördenmitarbeitern vor allem bei der Arbeit mit Texten und Dokumenten helfen. Es verfügt etwa über Recherche- und Zusammenfassungsfunktionen, so dass die Suche nach Gesetzestexten oder Vertragsinhalten erheblich beschleunigt wird. Wie Andrulis berichtete, werde das System permanent weiterentwickelt, um auch in anderen Bereichen eingesetzt werden zu können. Als Beispiel nannte er das komplexe Thema Wohngeld, bei dem die KI für eine enorme Entlastung und Beschleunigung der Antragsbearbeitung sorgen könne.
Strobl: F13 ist nur der Anfang eines langen Prozesses

"F13 ist ein wichtiger Schritt, aber nur der Anfang eines langen Prozesses", sagte der baden-württembergische Innenminister Thomas Strobl. Er wies darauf hin, dass Deutschland und Europa einen eigenen Weg gehen, bei dem der verantwortungsvolle Umgang mit KI nach ethischen Regeln im Vordergrund stehe. Zentrale Bedeutung haben für ihn die Datensouveränität, der Datenschutz sowie der konkrete Nutzen der KI für Behörden und Bürger. "Die Technik hat eine dienende Funktion. Der Mensch steht immer im Mittelpunkt", betonte der Heilbronner.
Für die Datensouveränität sorgt in erster Linie Schwarz Digits mit dem Cloud-Unternehmen Stackit. "Souveränität beginnt für uns im Rechenzentrum", sagte Christian Müller, Co-Chef von Schwarz Digits. Für die Neckarsulmer ist völlig klar, dass die Prozessierung der Daten ausschließlich in Deutschland und später wohl auch in Europa erfolgen wird.
F13 als Weckruf für die öffentliche Verwaltung
Diese Unabhängigkeit von ausländischen Unternehmen war auch dem Land besonders wichtig, wie Florian Stegmann, Staatsminister und Chef der Staatskanzlei Baden-Württemberg, betonte. Er bezeichnete F13 als Weckruf für die deutsche Verwaltung. Gemeinsam mit den Projektpartnern werde man das System, das ab Mitte August in den Landesbehörden ausgerollt werde, weiterentwickeln und mit neuen Funktionen versehen.

Die Projektpartner gehen davon aus, dass F13 das Zeug hat, die Verwaltung in ganz Deutschland zu vereinfachen. "Entscheidend wird sein, dass Funktionen bereitstehen, die einen echten, nachhaltigen Mehrwert für die Verwaltung schaffen", sagte Ammar Alkassar, Vorstand des GovTech Campus Deutschland. Die Nachfrage aus anderen Bundesländern sei bereits groß, die Nutzung von F13 werde einfach und niederschwellig sein, versprach Alkassar und zeigte sich zuversichtlich: "Der Staat wird plattformfähig."

Stimme.de
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