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April-Zahlen

Kaum Bewegung am Arbeitsmarkt

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Die übliche Frühjahrsbelebung fällt in diesem Jahr sowohl in der Region als auch bundesweit aus. Die Arbeitsagenturen setzen auf Qualifizierung.

von Jürgen Paul und dpa
Die Frühjahrsbelebung am deutschen Arbeitsmarkt fällt in diesem Jahr weitgehend aus. Die Wirtschaftsschwäche dominiert den Arbeitsmarkt.
Die Frühjahrsbelebung am deutschen Arbeitsmarkt fällt in diesem Jahr weitgehend aus. Die Wirtschaftsschwäche dominiert den Arbeitsmarkt.  Foto: Philip Dulian

Die Frühjahrsbelebung am regionalen Arbeitsmarkt fällt aus. Im April stiegen die Arbeitslosenzahlen in Stadt  und Landkreis Heilbronn leicht an, während es im Bezirk Schwäbisch Hall-Tauberbischofsheim einen minimalen Rückgang gab. Im Unterland stiegen die Zahlen auf 14.190 Arbeitslose – das sind 70 mehr als im März 2026 und 579 mehr als im April 2025. Die Quote blieb mit 5,0 Prozent stabil.

Wirtschaftliche Schwäche dominiert den regionalen Arbeitsmarkt 

Wirtschaftliche Schwäche dominiert den regionalen Arbeitsmarkt im Raum Heilbronn und Hohenlohe

„Die sonst übliche Frühjahrsbelebung am Arbeitsmarkt bleibt bislang aus“, sagt Katrin von Löwenstein, Leiterin der Arbeitsagentur Heilbronn. „Weiterhin dominiert die wirtschaftliche Schwächephase die Entwicklung der Arbeitslosigkeit und sorgt im April für einen leichten Anstieg an arbeitslosen Menschen im Heilbronner Raum“, sagt sie. Von Löwenstein will die Unternehmen dennoch ermutigen, der Arbeitsagentur Ausbildungsstellen zu melden und weiterhin die Qualifizierung junger Menschen zu investieren.

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„Ausbildung ist nicht nur eine gesellschaftliche Verantwortung, sondern auch eine strategische Investition in die Zukunft“, sagt die Behördenchefin. Wer heute ausbilde, sichere sich langfristig Fachkräfte und stärke die eigene Wettbewerbsfähigkeit, so von Löwenstein.

Seitwärtsbewegung in Schwäbisch Hall-Tauberbischofsheim

Im Agenturbezirk Schwäbisch Hall-Tauberbischofsheim ist die Zahl der Arbeitslosen im April leicht auf 13.540 zurückgegangen. Das sind fünf  Arbeitslose weniger als im März und 200 mehr als im April 2025. Die Arbeitslosenquote lag wie im März bei 3,9 Prozent. Elisabeth Giesen, Leiterin der Agentur für Arbeit Schwäbisch Hall-Tauberbischofsheim, erklärt: „Wir sprechen von einer Seitwärtsbewegung des Arbeitsmarktes, wenn ähnlich viele Menschen in Arbeit kommen, wie andere ihre Stelle verlieren. Eine Ursache dafür sind strukturelle Veränderungen beispielsweise durch Digitalisierung oder eine höhere Nachfrage an Arbeitskräften im Dienstleistungssektor bei gleichzeitig nachlassender Arbeitskräftenachfrage in der Industrie.“

Ein weiterer Grund sei das Ungleichgewicht zwischen den Qualifikationen der Arbeitssuchenden und den Anforderungen der offenen Stellen. Die Arbeitsagentur begegne dieser Entwicklung, indem sie die berufliche Qualifizierung in den Mittelpunkt ihrer Arbeit stelle. „Wir beraten Arbeitslose, Beschäftigte und Arbeitgeber zu Weiterbildungsmaßnahmen und fördern diese“, sagt Giesen.

Wenig Bewegung auf dem Arbeitsmarkt in Hohenlohe

Im Hohenlohekreis lag die Arbeitslosenquote bei 3,6 Prozent nach 3,7 Prozent im März. Im April waren 2543 Menschen arbeitslos gemeldet, das sind zwei weniger als im März und 13 mehr als im April 2025. Der Bestand an Stellenangeboten lag bei 952; das sind 2,7 Prozent weniger als im April 2025.

In Baden-Württemberg nahm die Zahl der Arbeitslosen im April im Vergleich zum Vormonat um 0,2 Prozent auf 303.949 leicht zu, wie die Regionaldirektion der Bundesagentur für Arbeit in Stuttgart mitteilte. Die Arbeitslosenquote betrug weiterhin 4,7 Prozent. Die Chefin der Regionaldirektion, Martina Musati, teilte mit: „Alle Personengruppen haben es in der momentanen wirtschaftlichen Lage schwer am Arbeitsmarkt.“ Auch gut ausgebildete Fachkräfte seien zunehmend von Arbeitslosigkeit betroffen. Es fehle an Nachfrage. „Die Betriebe halten sich mit Neueinstellungen zurück; den Agenturen für Arbeit werden deutlich weniger offene Stellen gemeldet“, sagte Musati.

Keine Trendwende im Bund in Sicht

Auch bundesweit zeichnet sich keine Trendwende auf dem Arbeitsmarkt ab. Die Zahl der Arbeitslosen in Deutschland ist im April im Vergleich zum Vormonat um 13.000 gesunken, liegt aber mit 3,008 Millionen weiterhin über der Drei-Millionen-Grenze. Im Vergleich zum April 2025 stieg die Zahl der Arbeitslosen um 77.000, wie die Bundesagentur für Arbeit in Nürnberg mitteilte. Die Arbeitslosenquote lag unverändert bei 6,4 Prozent. Im April 2025 hatte sie bei 6,3 Prozent gelegen.

„Eine Trendumkehr am Arbeitsmarkt ist noch nicht in Sicht“, sagte die Vorstandsvorsitzende der Bundesagentur, Andrea Nahles. „Die Frühjahrsbelebung fällt auch im April schwach aus.“ Die Nachfrage nach Arbeitskräften ist zumindest nicht mehr signifikant weggebrochen, sondern stabilisierte sich auf niedrigem Niveau. Im April waren bei den Arbeitsagenturen 641.000 offene Stellen gemeldet. Das sind 5000 weniger als vor einem Jahr.

„Die anhaltend schwache wirtschaftliche Entwicklung hinterlässt immer deutlichere Spuren am Arbeitsmarkt. Dennoch bleibt der Arbeits- und Fachkräftemangel ein Problem – das sich perspektivisch noch deutlich verschärfen wird“, sagte Stefan Küpper, Geschäftsführer für Bildung, Arbeitsmarkt und Landespolitik der Unternehmer Baden-Württemberg (UBW), am Donnerstag in Stuttgart.

Besonders besorgt zeigte sich Küpper, der auch Mitglied der UBW-Hauptgeschäftsführung ist, über die Kombination aus demografischem Wandel und sinkender Ausbildungsreife: „Wir erleben einen historischen Tiefstand bei den Geburtenzahlen. Gleichzeitig wächst der Anteil junger Menschen ohne ausreichende Ausbildungsreife und die Zahl der abgeschlossenen Ausbildungsverträge sinkt – in Summe eine höchst problematische Kombination mit Blick in die Zukunft.“

Diesem negativen Trend müsse dringend entgegengewirkt werden. „Die Sicherung der Fachkräftebasis ist eine zentrale Voraussetzung für Wettbewerbsfähigkeit, Investitionen und Wachstum. Der Bildungsbereich spielt dabei eine Schlüsselrolle“, sagte Küpper. Die kommende Landesregierung müsse deshalb die Schulqualität messbar verbessern, die Sprach- und Frühförderung ausbauen, Angebote des regionalen Übergangsmanagements Schule-Beruf fest im Landeshaushalt verankern und die beruflichen Schulen in der Fläche stärken.

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