Stellenabbau bei Kaufland-Logistik: Heilbronner Professor erklärt Gründe
Kaufland will im Logistikzentrum für Nonfood-Artikel weniger Stammpersonal beschäftigen. Ein Heilbronner Handels-Professor hat dafür eine Erklärung. Denn nicht nur die Supermarktkette hat in diesem Segment Probleme.
Der geplante Abbau von 350 Stellen im Kaufland-Logistikzentrum Donnersdorf bei Schweinfurt sorgt für Aufregung. Die Gewerkschaft Verdi befürchtet, dass stattdessen über Werkvertragsunternehmen überwiegend Mitarbeiter aus Osteuropa beschäftigt werden.
Während Kaufland bereits zusicherte, dass „in jedem Fall alle gesetzlich festgelegten sozialen Mindeststandards sowie die geltenden Sozial- und Umweltgesetze“ eingehalten werden sollen, ist die Entwicklung für den Heilbronner Professor Carsten Kortum, Studiengangsleiter Handel an der Dualen Hochschule Baden-Württemberg (DHBW) in Heilbronn, das Resultat eines allgemeinen Trends.
Stellenabbau droht: Kaufland-Logistikzentrum Donnersdorf versorgt alle deutschen Filialen
Denn bei Donnersdorf handelt es sich um ein Logistikzentrum, das alle mehr als 770 deutschen Kaufland-Filialen mit Nonfood-Ware versorgt. Also mit allem, was kein Lebensmittel ist – von Toilettenpapier über Shampoo und Deo bis zu Backpapier, Schuhen oder Spielwaren. Auch die meisten Aktionsartikel fallen darunter, Weihnachtsdekoration und Feuerwerk ebenso wie Badesachen und Werkzeug.
Kaufland bekommt Konkurrenz durch Nonfood-Discounter Tedi, Woolworth und Action
„Der Trend läuft schon länger, dass der Lebensmittel-Einzelhandel bei Nonfood Umsatz verliert“, berichtet der Professor. Ursache sind zum einen Nonfood-Discounter wie Tedi, Woolworth und neuerdings auch Action. Außerdem ist der Onlinehandel nach wie vor eine starke Konkurrenz, trotz der Delle im Vorjahr. Konkret: Nach Zahlen der Marktforscher von Yougov sank der Nonfood-Umsatz bei Lebensmittelhändlern im ersten Halbjahr 2024 gegenüber dem Vorjahr um 4,2 Prozent, während die Nonfood-Discounter um 10,7 Prozent zulegten, berichtet der Professor.

Innerhalb von fünf Jahren schrumpfte der Umsatz bei den Lebensmittlern in dieser Warengruppe sogar um 10,1 Prozent, während der Onlinehandel hier gleichzeitig um 25,6 Prozent zulegte.
Kaufland benötigt Arbeitskräfte nur für bestimmte Wochen
Freilich bleibe offiziell offen, ob dieser Trend der Grund für die Umbrüche bei Kaufland ist, schränkt Kortum ein. Aber das Unternehmen werde wohl eine ähnliche Umsatzentwicklung verzeichnen, nimmt er an – und daher müsse es reagieren. „Irgendwann muss es an die Kosten ran.“ Zwar sei Zeitarbeit nicht billiger als eigene Angestellte, aber so ließen sich die nötigen Arbeitskräfte genau dann einsetzen, wenn sie auch gebraucht werden.
Januar und Februar seien zum Beispiel ruhige Monate mit wenig Bedarf, während vor Weihnachten und vor Ostern Hochbetrieb herrsche. „Die Unternehmensleitung wird sich das nicht leichtgemacht haben“, meint der ehemalige Lidl-Manager, „aber wahrscheinlich spricht die reine wirtschaftliche Notwendigkeit dafür.“
Kaufland droht mit Stellenabbau: Harte Maßnahme überrascht Experten
Nur die Härte der Maßnahme überrasche, sagt Kortum. „Solch einen Knall hat es sonst noch nirgends gegeben.“ Lediglich der Versandhändler Otto habe vor einigen Jahren schon einmal ähnlich gehandelt, als er ein Retouren-Logistikzentrum seiner Tochter Hermes in Hamburg mit mehr als 800 Beschäftigten schloss und den Betrieb nach Polen verlagerte.
Dass es vor allem um die Lage im Nonfood-Geschäft geht, bestätigt auch ein Kaufland-Sprecher. „An unserem Logistikstandort in Donnersdorf richten wir unsere Strukturen neu aus, um die Wettbewerbsfähigkeit und Leistungsfähigkeit zu sichern und den Veränderungen in der Logistik rund um das Non-Food-Geschäft Rechnung zu tragen“, teilt er mit. „Insbesondere im Non-Food-Geschäft hat die Komplexität aufgrund volatiler Lieferketten, Fachkräftemangel und wechselnder Artikelanzahl enorm zugenommen.“
Sozialverträgliche Lösung soll gefunden werden
Kaufland müsse daher noch agiler und flexibler arbeiten können. „Daher haben wir die unternehmerische Entscheidung getroffen, uns die Unterstützung von Werkunternehmern an den Standort zu holen.“ Sie übernehmen einen Großteil der Tätigkeiten und hätten mehr Möglichkeiten, personell flexibel und schnell zu reagieren „und sich auf kurzfristig ändernde Anforderungen in der Aktionswarenlogistik einzustellen“. Die betroffenen Bereiche würden komplett abgegeben, die bis zu 350 betroffenen Mitarbeiter werden nicht weiter am Standort beschäftigt werden können. „Wir werden mit jedem betroffenen Mitarbeiter gemeinsam mit dem Betriebsrat in den Austausch gehen, um eine sozialverträgliche Lösung zu finden. Dabei setzen wir auch auf einen konstruktiven Dialog mit Verdi.“Wichtig auch für den Standort Möckmühl: „Unsere anderen sechs deutschen Logistik-Standorte in Barsinghausen, Dortmund, Geisenfeld, Lübbenau, Möckmühl und Osterfeld sind davon nicht betroffen.“
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