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Kratschmayer Gruppe
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Kälte, Klima, Krisenfestigkeit

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Wie der Hohenloher Hans Kratschmayer mit Mut und Weitblick aus seinem Ein-Mann-Betrieb ein Unternehmen mit 500 Mitarbeitern und dreistelligem Millionenumsatz machte.  

Der Baukran, der in den vergangenen Monaten über dem Gelände in Hohebuch thronte, symbolisierte nach außen gut sichtbar das fortwährende Wachstum der Kratschmayer Gruppe.
Der Baukran, der in den vergangenen Monaten über dem Gelände in Hohebuch thronte, symbolisierte nach außen gut sichtbar das fortwährende Wachstum der Kratschmayer Gruppe.  Foto: Kratschmayer

Über Monate hinweg hat der gelbe Baukran das Bild geprägt. Wie ein kleiner Leuchtturm thronte er über dem Gelände der Kratschmayer Gruppe – Helfer und zugleich stiller Zeuge eines fortwährenden Wandels. Kurz vor Weihnachten ist der Baukran verschwunden. Geblieben ist das, wofür er stand: das anhaltende Wachstum des vor mehr als 30 Jahren gegründeten Unternehmens, das in immer neue Höhen vordringt.

Dank des Baukrans ist die neueste Stufe zuletzt auch nach außen hin sichtbar geworden. Das Bürogebäude am Firmensitz in Hohebuch – einst ein Lidl-Markt – hat eine zweite Etage bekommen, mehr Platz für das immer größer werdende Unternehmen. Weiteres Wachstum ist bereits mitgedacht, „jetzt haben wir ein paar Jahre Ruhe“, erklärt  Gründer Hans Kratschmayer bei einem Rundgang über die Baustelle.

Eine Eigenkapitalquote von 70 Prozent macht dem Betrieb vieles leichter

In den vergangenen Monaten und Jahren hat sich am Hauptsitz der Gruppe viel getan, immer neue Gebäude und Hallen sind hinzugekommen – und es ist schon jetzt absehbar, dass es nicht dabei bleibt. Die hohen Rücklagen des Unternehmens ermöglichen ein unkompliziertes Wachstum – 70 Prozent beträgt die Eigenkapitalquote. „Das macht uns auch von Banken weitgehend unabhängig“, sagt der Chef. Muss erweitert werden, dann wird eben erweitert. 

Vor mehr als 30 Jahren machte sich Hans Kratschmayer selbstständig und formte ein Unternehmen mit heute 500 Mitarbeitern. Seine Söhne Dennis (links) und Markus gehören inzwischen zur Geschäftsleitung.
Vor mehr als 30 Jahren machte sich Hans Kratschmayer selbstständig und formte ein Unternehmen mit heute 500 Mitarbeitern. Seine Söhne Dennis (links) und Markus gehören inzwischen zur Geschäftsleitung.  Foto: Kratschmayer

Dass das Geschäft mit der Kältetechnik laufen würde, war Hans Kratschmayer immer schon klar. Da sein damaliger Chef den Bereich Klima nicht abdecken wollte, machte sich der gelernte Elektromechaniker 1994 selbstständig. Mut habe ihm nie gefehlt. „Die Bereitschaft, ins Risiko zu gehen, war immer da“, sagt der 67-Jährige. Auch die Rahmenbedingungen seien günstig gewesen. „Ich war immer in einem Wachstumsmarkt unterwegs“, sagt er.

Gruppe beschließt 2014, Wärmepumpen und Klimaanlagen selbst zu produzieren

Mit dem Klimaboom wächst auch der Ein-Mann-Betrieb: Angesichts voller Auftragsbücher stellt Kratschmayer noch im Gründungsjahr seinen ersten Mitarbeiter ein. Schnell folgen erste größere Projekte, 1995 baut das Unternehmen im damals neuen Einkaufszentrum in Öhringen mehrere Klima- und Lüftungsanlagen ein. Mit der Zeit kommen weitere Geschäftsfelder hinzu, auch erste Zukäufe lassen den Betrieb rasch wachsen.

„Ich war immer in einem Wachstumsmarkt unterwegs.“

Hans Kratschmayer

20 Jahre nach der Gründung beschäftigt die Gruppe rund 160 Mitarbeiter. Im Jubiläumsjahr trifft das Unternehmen eine für die Zukunft wegweisende Entscheidung: „Wir haben 2014 beschlossen, Wärmepumpen und Klimaanlagen selbst zu produzieren“, sagt der Firmenchef. Nach Jahren der Entwicklung gründen die Hohenloher im Jahr 2018 mit der Skadec GmbH eine Tochtergesellschaft, die Kratschmayers Sohn Dennis führt.

Die Hohenloher setzen als Erste Propan als Kältemittel ein

Das gesamte Know-how bleibt in Deutschland, produziert werden die Anlagen jedoch in Litauen, wo die Tochtergesellschaft heute 160 Mitarbeiter beschäftigt. Kratschmayer erkennt früh das große Potenzial – und geht erneut ins Risiko. „Wir waren die Ersten, die Wärmepumpen mit Propan als Kältemittel eingesetzt haben.“ Die Konkurrenz hatte sich zunächst gescheut, sei inzwischen aber auch auf den Zug aufgesprungen. Zeitlich sind die Hohenloher aber klar im Vorteil.

Auch das Geschäft der Hohenloher mit Mietgeräten boomt: Noch in diesem Jahr soll dafür eine weitere Lagerhalle am Standort entstehen.
Auch das Geschäft der Hohenloher mit Mietgeräten boomt: Noch in diesem Jahr soll dafür eine weitere Lagerhalle am Standort entstehen.  Foto: Kratschmayer

Mit durchschlagendem Erfolg. „Skadec wächst schneller als Kratschmayer selbst“, sagt der Gründer. Die Gruppe investiert entsprechend an ihren Standorten, eröffnet Verkaufsniederlassungen – und beliefert mit Irland inzwischen 17 europäische Länder. Im vergangenen Jahr hat die Gruppe die Marke von 500 Mitarbeitern überschritten, setzte 2025 etwa 110 Millionen Euro um und zählte einer Analyse des SZ Instituts des Süddeutschen Verlags zufolge zu den krisensichersten Unternehmen. 

Auf der Erweiterungsfläche in Hohebuch ist genug Platz für weitere Gebäude

In 32 Jahren Unternehmensgeschichte hat es keine wirtschaftliche Delle gegeben. „Wir stehen brutal gut da“, sagt Hans Kratschmayer, dessen Söhne Dennis und Markus inzwischen zur Geschäftsleitung gehören. Auf dieser Basis fallen Investitionen natürlich leichter – und die nächsten lassen nicht lange auf sich warten: in Litauen ebenso wie am Stammsitz im Waldenburger Weiler Hohebuch, wo das Unternehmen bereits vor Längerem eine Erweiterungsfläche erworben hat.

Platz genug für zwei, vielleicht drei weitere Gebäude. „Wir werden in diesem Jahr eine weitere Halle als Lager für Mietgeräte bauen“, sagt der Firmenchef, der sich schrittweise – „aber vermutlich nicht ganz“ – aus dem operativen Geschäft zurückziehen will. Zum Baustart dürfte auch der gelbe Baukran wieder im Einsatz sein, erneut als Symbol des fortwährenden Wachstums.

Der Entwicklung zum Trotz umtreiben den Firmengründer auch Sorgen. Vor allem in Sachen Personal. „Es war zu Anfangszeiten schon schwer, gute Leute zu bekommen“, sagt Hans Kratschmayer. Der Fachkräftemangel macht es nicht leichter. Aus dem Stand könnte die Gruppe 20 Leute einstellen. „Wir stecken viel Geld in die Ausbildung“, so der Firmenchef. Die 45 Azubis in sieben Fachbereichen machen knapp ein Zehntel der Belegschaft aus.

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