Jobhaus übernimmt Betrieb der insolventen Bera
Für den Schwäbisch Haller Personaldienstleister ist mit der Eröffnung des Insolvenzverfahrens eine Fortführungslösung gefunden worden: Die Personalvermittlung wird ein neuer Geschäftsbereich des Heilbronner Dienstleisters Jobhaus. Auch die Zukunft von Bera-Gründer Bernd Rath ist geklärt.

Für den insolventen Personaldienstleister Bera geht es weiter – allerdings in neuer Form: Der Betrieb des 2002 gegründeten Unternehmens mit Sitz in Schwäbisch Hall ist von dem Heilbronner Dienstleister Jobhaus übernommen worden und wird als neuer Geschäftsbereich Personalvermittlung weitergeführt. dazu wurden im Rahmen eines Asset Delas Kunden, Systeme und Adressen erworben. Bera-Gründer Bernd Rath bleibt dem Unternehmen erhalten und wird künftig als Berater auf Ebene der Leitung von Jobhaus tätig sein, teilt Geschäftsführerin und Firmengründerin Marija Frank mit.
Was Jobhaus mit Bera vorhat
Bera hatte im Dezember zum zweiten Mal nach 2024 den Gang zum Insolvenzgericht antreten müssen, nachdem die Umsätze massiv zurückgegangen waren. Bereits vor der Eröffnung des Insolvenzverfahrens zum 1. März war der Bereich Arbeitnehmerüberlassung eingestellt und das Personal von 59 auf nur noch zehn Beschäftigte reduziert worden, berichtet Bernd Rath. Die abgebauten Mitarbeiter seien alle untergebracht worden – es habe keinen einzigen gegeben, der sich habe arbeitslos melden müssen, erzählt der Firmengründer. „Darauf bin ich stolz.“
Jobhaus ist seit fünf Jahren auf dem Heilbronner Markt aktiv. Vom Heilbronner Shoppinghaus aus agiert das Unternehmen mit derzeit 112 Beschäftigten im Bereich Arbeitnehmerüberlassung für technische und gewerbliche Berufe. Der Kundenkreis erstreckt sich bislang auf dem Raum Heilbronn. Mit Bera soll der Kreis ausgedehnt werden, kündigt die Geschäftsführerin an: Der Bera-Standort Schwäbisch Hall bleibe erhalten, während das Büro Neckarsulm bereits geschlossen wurde. Daher soll nun auch die Region Hohenlohe und Main-Tauber bearbeitet werden.
Diese Branchen vergeben zurzeit Aufträge
Die Geschäftslage sei derzeit gut – trotz Krise in der Automotivebranche: Nach Angaben von Marija Frank laufe es unter anderem in der Baubranche, der Logistik sowie im Bereich Batterieelektronik gut, auch die Lüfterbranche floriere. „Es gibt genug Unternehmen, die expandieren“, berichtet sie. „Man spürt einen kleinen Aufschwung.“ „Wir sind Frühzykler“, ergänzt Bernd Rath: Wenn die Nachfrage anziehe, stockten Betriebe zunächst über Zeitarbeiter auf, ehe sie eigenes Personal einstellen – und wenn die Aufträge sinken, werde als erstes bei der Zeitarbeit wieder gekürzt.
Insgesamt herrsche in diesem Zyklus gerade eine ideale Situation: „Wir kriegen gute Leute und es sind ausreichend Aufträge da.“ Das gelte insbesondere für die Personalvermittlung, die fast schon wie das Headhunter-Geschäft funktioniere: Neben Leuten, die sich bei dem Dienstleister beworben haben, werden auch geeignete Personen aktiv angesprochen, ob sie sich nicht beruflich verändern wollen.
Wechselvolle Vorgeschichte des Unternehmens
Im Januar 2024 war Bera schon einmal Sanierungsfall gewesen. Damals wurde das Verfahren in Eigenverwaltung gewählt. Von 250 Mitarbeitern schrumpfte der Betrieb auf 140, darunter 100, die als Leiharbeiter vermittelt wurden. Die Schieflage sei seinerzeit vor allem durch „sich über einen längeren Zeitraum hinziehende Beschäftigungausfälle und Probleme bedeutender Kunden im Automotive-Bereich sowie hohe Krankenstände“ ausgelöst worden, hieß es in einer Mitteilung. Die Niederlassungen in Wertheim, Bad Mergentheim und Rothenburg ob der Tauber wurden geschlossen. Auch Schloss Hopferau im Allgäu wurde verkauft.
Bernd Rath hatte das Unternehmen 2002 als Dekra Arbeit Bera gegründet – zunächst als Franchisenehmer des Stuttgarter Prüfkonzerns. 2008 wurde daraus eine Partnerschaft, schließlich wurde das Unternehmen eigenständig. Zeitweilig war Bera die größte Zeitarbeitsfirma der Region und hatte Niederlassungen in Thüringen und im Allgäu.
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