Die Stimme-Leser waren durchweg begeistert vom Blick hinter die Kulissen. „Der Weg hat sich richtig gelohnt“, sagt Rolf Nauert aus Kirchardt, der die längste Anfahrt hatte. Bewusst hatte sich auch Gudrun Kremer für die Aktion beworben. Angehörige arbeiten bei Bürkert, und das Unternehmen sei in der Region sehr präsent. „Bürkert tut viel für die Bevölkerung, fördert viele soziale Projekte“, sagt sie. Ihre positive Außenansicht decke sich mit dem, was sie beim Besuch erlebt hat. Dazu gehöre, dass Bürkert bei der Arbeitsplatzgestaltung die Gesundheit der Mitarbeiter im Blick habe.
Bürkert gewährt beim Lesersommer den Blick in eine ungeahnte Welt
Der Blick hinter die Kulissen des Hohenloher Ventilspezialisten beeindruckt 40 Leser der Heilbronner Stimme. Auch Firmengründer Christian Bürkert wäre angesichts der Dimension wohl stolz gewesen, sagt ein früherer Mitarbeiter.

Irgendwo zwischen Fertigung und Montage kommen bei Rudi Bauer die Erinnerungen an seine Berufsanfänge wieder hoch. Als Ingenieur hatte er 1968 bei Bürkert in Ingelfingen angefangen, „damals haben wir am Reißbrett gearbeitet“, sagt Bauer. Kein Vergleich zu dem, was er und 39 weitere Leser der Heilbronner Stimme am Montag bei einem Blick hinter die Kulissen des Hohenloher Ventilspezialisten zu sehen bekommen.
Gut zwei Stunden werden sie von Gerhard Pfaff, Team-Coach Montage, und Lars Gerstner, Team-Coach Logistik, durch die verschiedenen Gebäude und Abteilungen geführt, dürfen ins Innere von Fertigung, Montage sowie dem neuen, erst im Januar eingeweihten Kunststoffkompetenzzentrums blicken. Nicht nur für Bauer, der den bei einem Flugzeugabsturz 1971 ums Leben gekommenen Firmengründer Christian Bürkert noch persönlich kannte und kurz darauf das Unternehmen verließ, ist das eine Reise in die Vergangenheit.
Bürkert ist längst kein klassischer Ventilhersteller mehr
Auch für Friedbert Grohe aus Oberkessach, der 1971 bei Bürkert eine Lehre zum Feinmechaniker begonnen hatte, 1976 inmitten der Ölpreiskrise das Unternehmen verließ. „Wahnsinn, was alles passiert ist. Es ist eine ganz andere Welt.“ Früher, erläutert Gerhard Pfaff, sei Bürkert aber auch „nur“ ein klassischer Ventilhersteller gewesen, „heute hätten wir am Markt keine Chance, wenn wir nur Ventile verkaufen würden“. Das können andere Firmen weltweit auch, einige sicher günstiger – wenngleich nicht besser, sagt Pfaff.
Was er und Lars Gerstner den Stimme-Lesern zum Start und während es Rundgangs immer wieder erklären: Das 1946 gegründete Unternehmen verkauft komplexe Systemlösungen. Von der Kundenanfrage, der Entwicklung mit Prototypenbau, der Herstellung von Einzelteilen bis hin zur Serienproduktion, der Lagerung und Endmontage zum vollständig geprüften, versandfertigen Produkt. „Das bekommen Sie nicht von der Stange“, sagt Pfaff.
In der Fertigung wird im Drei-Schicht-Betrieb gearbeitet
In den meisten Fällen komme der Kunde mit einem Problem, die Lösung dazu gibt es in Hohenlohe. „Unser Vorteil ist die enorme Fertigungstiefe“, sagt Pfaff auf dem Weg vom Systemhaus in die Fertigung. Dort wird es ein gutes Stück lauter, die großen CNC-Maschinen produzieren auf Hochtouren. Wie immer. „Sie müssen 24 Stunden laufen, wir arbeiten hier im Drei-Schicht-Betrieb“, sagt der Experte.
Alles läuft digitalisiert ab, ein großer Bildschirm zeigt die Restlaufzeit der Maschinen an. „So wissen wir immer, zu welcher Zeit wir einen neuen Auftrag brauchen.“ Die entsprechenden Werkzeuge – in einer Maschine können bis zu 20 parallel laufen – stehen dann schon bereit. Von einem bis zu 100.000 Stück können die modernen Anlagen alles fertigen, je nach Kundenwunsch. Ein Mitarbeiter ist für mehrere der Maschinen in der Fertigung gleichzeitig zuständig, die Produktion muss schlank und effizient sein.
Das vollautomatische Hochregallager beeindruckt mit seiner Größe
Es gehe aber nicht darum, Arbeitsplätze einzusparen, versichert Pfaff auf Nachfrage aus der Runde. „Wir suchen immer noch Mitarbeiter“, sagt der Team-Coach. Zumal zur Fertigungstiefe auch noch eine eigene Schweißerei und Foliererei gehören – selbst in Sachen Automatisierung unterhalten die Hohenloher eine eigene Firma. „Dadurch haben wir das technische Know-how direkt im Haus“, sagt Pfaff. In der Qualitätssicherung kommt die Frage auf, ob Bürkert seine Produkte stichprobenartig oder hundertprozentig prüft. „Das hängt vom Produkt ab“, sagt Pfaff.
Für Staunen sorgt das 18 Meter hohe, vollautomatisierte Hochregallager mit seinen 40.000 Stellplätzen. „Nachts sortiert das Lager eigenständig die Waren, die oft benötigt werden, nach vorne“, erklärt der Experte. Als sich der Konflikt zwischen China und Taiwan zu verschärfen drohte, haben die Hohenloher ihre Bestände an Bauteilen aus dieser Region kurzfristig erhöht, um im Fall der Fälle versorgt und weiterhin flexibel zu sein.
Flexibilität ist auch das Stichwort in der Montage: Leitungen, Transport und Co. wurden unter die Decke gebaut, die Halle lässt sich dadurch problemlos umgestalten. Ein großer Vorteil: „Als plötzlich wieder Ventile für Ölbrenner gefragt waren, haben wir die Montage entsprechend angepasst“, sagt Pfaff. 3000 Aufträge am Tag schafft die Montage – alles digital begleitet und überwacht. Das beeindruckt. Auch Rudi Bauer: „Christian Bürkert wäre unheimlich stolz.“


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