Straße von Hormus blockiert – steigen jetzt die Lebensmittelpreise?
Während ein Heilbronner Handelsprofessor von spürbaren Auswirkungen der höheren Öl- und Gaspreise ausgeht, bleibt der Chefvolkswirt der LBBW entspannt.
Durch die Sperrung der Straße von Hormus könnte die Inflationsrate in Deutschland wieder auf drei bis vier Prozent ansteigen. Das sagt Carsten Kortum, Professor für Handel an der DHBW Heilbronn.
Durch die Blockade seien insbesondere Japan und China betroffen, die ihren Energiebedarf dann anderswo auf dem Weltmarkt decken müssten. „Angebot und Nachfrage werden dann zu höheren Preisen führen“, meint der Professor.
Inflation in Deutschland: Bei Kaffee dauerte es zuletzt fünf Monate, bis die Preise stiegen
In den vergangenen Monaten hätten niedrigere Energiepreise die höhere Inflation bei Lebensmitteln in Deutschland ausgeglichen, erklärt er. „Das geht jetzt wieder in die umgekehrte Richtung. Ich gehe davon aus, dass wir in Richtung drei bis vier Prozent Inflationsrate gehen“, sagt Kortum. Wann sich teureres Öl und Gas im Supermarktregal bemerkbar machten, sei aber offen.

Untersuchungen gebe es nur zu einzelnen Produkten wie Kaffee, wonach steigende Rohkaffeepreise nach etwa fünf Monaten zu Preissteigerungen im Handel führten. Tendenziell werde es bei rasch drehenden Artikeln wie Backwaren oder Milchprodukten schneller passieren. „Ich gehe auch davon aus, dass sich das kurzfristig nicht entspannen wird.“
LBBW: Ausfälle können ausgeglichen werden
Bei der LBBW bleibt Chefvolkswirt Moritz Kraemer vorerst gelassen. „Meine Erwartung ist, dass der Konflikt nicht so lange dauert, wie viele befürchten“, sagt er. Dann werde sich der Ölpreis wieder auf sein Niveau vor den Angriffen einpendeln. Selbst wenn iranische Ölförderanlagen zerstört würden, könnten sie von Überkapazitäten der Opec-Staaten ausgeglichen werden.
Soll man jetzt günstig Aktien kaufen?
Auch beim Blick ins eigene Depot bekommen die Deutschen den Krieg zu spüren, weil die meisten Aktien an Wert verlieren. Der deutsche Aktienindex Dax fiel am Dienstag auf den niedrigsten Stand seit Dezember, stieg aber am Mittwochmorgen wieder. Insgesamt ist Kraemer der Meinung, dass die Entwicklung an den Börsen gar nicht mal so dramatisch sei – zumal der Dax drei Jahre lang jeweils 20 Prozent zugelegt habe. „Viele Investoren haben auch eine Ausrede gesucht, um zu verkaufen“, glaubt Kraemer. Dennoch rät er nicht dazu, jetzt schon in die Märkte einzusteigen. „Dazu ist die Lage noch zu unübersichtlich.“
Die Entwicklung der Inflationsrate hänge ebenfalls von der Dauer des Konflikts und der Lage an der Straße von Hormus ab: Wenn die Schiffe bald wieder fahren, werde sie sich dieses Jahr bei 2,2 bis 2,3 Prozent bewegen, meint der LBBW-Chefvolkswirt.
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