HyImpulse aus Neuenstadt am Kocher entwickelt Kleinsatelliten-Trägerraketen mit Hybrid-Raketenmotoren. Als Treibstoff nutzt das Unternehmen festes Paraffin und flüssigen Sauerstoff. Paraffin ist der Hauptbestandteil einer gewöhnlichen Haushaltskerze. Die Anwendungsbereiche der Satelliten, die die HyImpulse-Raketen in niedrige Erdumlaufbahnen bringen, umfassen die Beobachtung von Emissionen, Waldbränden, Erdbeben, Wetterdaten, Navigation, Mobilfunk und weitere wissenschaftliche Beobachtungen.
Neuenstadter Start-up HyImpulse: Nächste Rakete ist schon in Arbeit
Das Neuenstadter Start-up HyImpulse entwickelt nach dem erfolgreichen Start eine größere Trägerrakete. Derzeit sammelt das Unternehmen Geld von Investoren ein. Ziel sind 30 Millionen Euro.
Nach dem erfolgreichen Start der ersten Trägerrakete im Mai vergangenen Jahres setzt das Neuenstädter Start-up HyImpulse zum nächsten Schritt an. Das Unternehmen arbeitet gerade an der nächsten größeren Rakete, die nächstes Jahr abheben soll. Doch dazu braucht HyImpulse noch das nötige Kapital.
Firmengründer und Geschäftsführer Christian Schmierer ist zuversichtlich, dass er genügend Investoren von seinem Unternehmen überzeugen kann. Die Investment-Runde läuft gerade, 30 Millionen Euro wollen Schmierer und sein Mitgeschäftsführer Mario Kobald bis zur Jahresmitte einsammeln. „Es sieht gut aus, das Interesse ist gestiegen“, sagt Schmierer.
Neuenstadter Raketenbauer HyImpulse: Start der ersten Kerzenwachsrakete war erfolgreich
Das Unternehmen hat den Investoren gute Argumente für ein Engagement geliefert. Am 3. Mai ist die von HyImpulse entwickelte Trägerrakete SR75 von Australien aus erfolgreich abgehoben. Es war das erste Mal seit Jahrzehnten, dass eine kommerzielle Trägerrakete eines deutschen Unternehmen startete. Noch dazu mit einer komplett neuen Technik, entwickelt in Neuenstadt. Die SR75 wird mit Kerzenwachs und flüssigem Sauerstoff angetrieben. Diese Technik erhöht laut Schmierer die Sicherheit und senkt zugleich die Kosten.
Bei der SR75 handelte es sich um eine sogenannte Suborbitalrakete - das bedeutet, sie erreichte nicht den Weltraum, sondern flog nur rund 60 Kilometer in den Himmel. Für HyImpulse war der erfolgreiche Start gleichwohl ein Meilenstein. Das Unternehmen hat bewiesen, dass seine Technik funktioniert.
HyImpulse aus Neuenstadt: Die alte Rakete wird auseinandergebaut und analysiert
Seit Ende November 2024 ist die Rakete wieder in Neuenstadt und wird von den HyImpulse-Mitarbeitern auseinandergebaut und analysiert. „Das sieht alles gut aus, wir konnten bis jetzt keine größeren Schäden feststellen“, berichtet Schmierer. Neben Erkenntnissen für die weitere Raketenentwicklung spielt auch die Wiederverwendung bestimmter Teile eine Rolle bei der Analyse. „Einiges kann man wiederverwenden, allerdings arbeiten wir ständig an technischen Verbesserungen“, sagt Schmierer.

Die neue Rakete, die auf den Namen SL1 hört und gerade in den Werkshallen in Neuenstadt entsteht, soll eine Fracht von bis zu 600 Kilometern in die Erdumlaufbahn transportieren können. „Sie wird 30 Meter lang und verfügt über acht Triebwerke“, sagt Schmierer. Kleinsatelliten etwa könnten mit der SL1 ins All befördert werden. Wenn mit der Finanzierung alles wie erhofft läuft, soll die neue Rakete bereits nächstes Jahr starten.
Start-Up HyImpulse aus Neuenstadt arbeitet gerade an einigen ESA-Aufträgen
Auch abseits der SL1 haben die aktuell 65 Mitarbeiter von HyImpulse, die sich auf die Standorte Neuenstadt (50), Ottobrunn und Glasgow verteilen, derzeit gut zu tun. „Wir haben eine ESA-Aufträge erhalten“, berichtet Schmierer. ESA ist die europäische Weltraumorganisation. Dabei geht es vor allem um Tests für orbitale und suborbitale Raketen. Im Sommer werden beispielsweise Triebwerke auf Shetland getestet.
„Wir suchen Software-Entwickler, Industriemechaniker und Monteure.“Christian Schmierer
Perspektivisch will Schmierer die Mitarbeiterzahl verdoppeln - und etwas gleichmäßiger über die drei Standorte verteilen. Allerdings macht auch den Neuenstädtern der Fachkräftemangel zu schaffen. „Wir suchen Software-Entwickler, Industriemechaniker und Monteure“, sagt Schmierer. Vor allem Monteure seien in der Region ganz schwer zu bekommen.

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