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Solarparkspezialist Hep Global ringt um Finanzierung und bittet Anleger um Aufschub

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Hep Global bittet die Gläubiger einer Anleihe um eine 18-monatige Verlängerung der Laufzeit. Damit will das Unternehmen Zeit gewinnen, um die Refinanzierung zu gewährleisten. Die Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger kritisiert das Güglinger Unternehmen scharf.


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Finanzierungsprobleme machen dem Solarparkspezialisten Hep Global aus Güglingen (Landkreis Heilbronn) zu schaffen. Zeichner der Hep-Anleihe „Green Bond 2021/2026“ müssen um die Rückzahlung ihrer Gelder bangen. Hep Global hat die Gläubiger daher zu einer Abstimmung ohne Versammlung von 12. bis 14. April eingeladen. Die Gläubiger sollen einer Verlängerung der Laufzeit der 25 Millionen Euro schweren Anleihe um 18 Monate bis zum 18. November 2027 zustimmen. Eigentlich ist die Rückzahlung der Anleihe am 18. Mai 2026 fällig. 

Güglinger Firma Hep bemüht sich seit einiger Zeit um eine bessere Kapitalstruktur

Wie die Güglinger Solarparkspezialisten mitteilen, stehe man in Verhandlungen mit einem potenziellen Investor in den USA. „Die bislang angestrebte Gesamtfinanzierungslösung konnte bisher jedoch noch nicht abgeschlossen werden“, teilt Hep Global mit. Mit der Verlängerung der Laufzeit des Green Bonds 2021/26 will das Unternehmen Zeit gewinnen, um eine Gesamtfinanzierungslösung zu finden. Hep Global bemüht sich seit einiger Zeit darum, die Kapitalstruktur zu stärken, die finanzielle Flexibilität zu erhöhen und so die Voraussetzungen für weiteres Wachstum zu schaffen.

Im schlimmsten Fall droht Güglinger Hep Global die Zahlungsunfähigkeit

Den finanziellen Engpass begründet das Unternehmen, das seit Jahren auf Wachstumskurs ist, mit den erschwerten Geschäftsbedingungen im Photovoltaik-Bereich in den USA unter Präsident Donald Trump. Hep Global hatte in den zurückliegenden Jahren zahlreiche Solarpark-Projekte in den USA auf den Weg gebracht, ehe sich das Unternehmen wieder verstärkt auf Europa konzentrierte.

An der sogenannten Abstimmung ohne Versammlung von 12. bis 14. April müssen mindestens 50 Prozent der Anleihezeichner teilnehmen, damit eine Beschlussfähigkeit gegeben ist.  Damit der Antrag als angenommen gilt, müssen mindestens 75 Prozent der teilnehmenden Stimmrechte zustimmen. Auch eine zweite Abstimmung wäre laut Hep Global möglich, wenn es bei der ersten Abstimmung nicht die erforderliche Mehrheit geben sollte. 

Hep Global entwickelt, baut und betreibt Solarparks in zahlreichen Ländern. Zudem hat das Unternehmen auch Anleihen und Beteiligungen im Portfolio. Nun steckt Hep in einem massiven finanziellen Engpass.
Hep Global entwickelt, baut und betreibt Solarparks in zahlreichen Ländern. Zudem hat das Unternehmen auch Anleihen und Beteiligungen im Portfolio. Nun steckt Hep in einem massiven finanziellen Engpass.  Foto: Alternativer Fotograf

Durch die Laufzeitverlängerung der Anleihe um 18 Monate soll den Angaben zufolge die Zahlungsfähigkeit der Emittentin gesichert werden. Zwar rechnet das Hep-Management nach eigenen Angaben damit, dass die laufenden Finanzierungsgespräche mit den US-Investoren zum Erfolg führen und damit die Rückzahlung der Anleihe gesichert ist. Sollte dies aber nicht gelingen und zudem die Gläubiger eine Verlängerung der Laufzeit ablehnen, wäre das Unternehmen nach eigenen Angaben zahlungsunfähig. Darüber, welche Auswirkungen dies auf die Muttergesellschaft Hep Global und andere Konzerngesellschaften haben würde, konnte Hep Global auf Stimme-Anfrage nichts sagen.

Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger rät Betroffenen, ihre Interessen zu bündeln

Vor diesem Hintergrund hat die Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger (SdK) Inhaber der Hep-Anleihe aufgerufen, ihre Interessen zu bündeln und die SdK mit der Stimmrechtsvertretung zu bevollmächtigen. Der Verein bemängelt die aus seiner Sicht nicht zufriedenstellende Informationslage bei Hep Global. So würden keine „konkreten Eckpunkte der angestrebten Gesamtfinanzierungslösung“ genannt. Zudem dürften die Refinanzierungsprobleme laut SdK nicht plötzlich aufgetreten sein, sondern müssten schon länger bekannt sein. Schließlich habe Hep noch Ende Januar von einem sehr guten Geschäftsjahr 2025 gesprochen – ohne Hinweis auf mögliche Refinanzierungsprobleme. „Vor diesem Hintergrund ist nicht nachvollziehbar, warum die Gesellschaft erst jetzt zum letztmöglichen Zeitpunkt zu einer Abstimmung einlädt“, kritisiert die SdK.

SdK-Vorsitzender rechnet mit einer Einigung mit Güglinger Unternehmen Hep Global

SdK-Vorstandsvorsitzender Daniel Bauer geht dennoch davon aus, dass man sich mit Hep Global einigen werde. Die Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger vertritt rund vier Millionen Euro der 25 Millionen Euro schweren Anleihe. „Wir haben noch keine Entscheidung getroffen, wie wir abstimmen werden“, sagte Bauer der Heilbronner Stimme. Eine Verlängerung der Laufzeit sei aber denkbar – allerdings nicht für 18 Monate, sondern maximal für sechs bis zwölf Monate, so Bauer. Ihm stellt sich die Frage, was die aus seiner Sicht riskanten Hep-Projekte in den USA noch wert seien. Dass ein Totalverlust der angelegten Gelder droht, falls die Gläubiger den Hep-Antrag ablehnen, glaubt er nicht und verweist auf andere Hep-Projekte, die bei einer möglichen Zahlungsunfähigkeit in die Insolvenzmasse fließen würden.

Hep Global erwirtschaftete im Geschäftsjahr 2025 nach vorläufigen Zahlen einen Umsatz von 45,4 Millionen Euro. Das operative Ergebnis vor Steuern (Ebit) lag bei 12,7 Millionen Euro. Wie das Güglinger Unternehmen im Januar mitteilte, soll der Umsatz im laufenden Jahr auf rund 90 Millionen Euro deutlich steigen. Beim operativen Ergebnis rechnet Hep Global 2026 mit 25 bis 30 Millionen Euro.

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