Wenn Neckarsulm einer Palette den Namen gibt
Die Schwarz-Gruppe ersetzt Holz durch Kunststoff und vergibt eine neue Bezeichnungen für den Standardartikel in der Transportbranche.
Ein bisschen Lokalstolz muss schon sein: Heilbronn, Neckarsulm, Stuttgart und Weinsberg stehen Pate, wo es bislang Düsseldorf und Europa waren. Was einst mit der Arbeit an einer Alternative zu herkömmlichen Holzpaletten begonnen hat, ist zu einem komplett neuen System in der Logistikbranche geworden. Angestoßen wurde es in der Schwarz-Gruppe.
Der Anstoß ging von Lidl aus
Es war 2013, berichtet Stephanie Gehrke von der Prezero-Tochter Preturn, als der Discounter Lidl nach einer Alternative zur sogenannten Düsseldorfer Palette fragte. Das Standardprodukt aus Holz, 80 Zentimeter lang und 60 Zentimeter breit, ging nach Auffassung der Lidl-Manager einfach zu schnell kaputt. Holzsplitter stellten eine ständige Verletzungsgefahr dar, Ware fiel von defekten Trägern herunter und insgesamt hielten die Paletten einfach nicht lange – die Regel waren vier oder fünf Umläufe. Dann war die Palette allenfalls noch als Brennstoff zu gebrauchen.

Die Langlebigkeit lässt sich beweisen - anhand einer Farbe
In der damaligen Sparte Greencycle wurde also eine Alternative entwickelt, anfangs aus braunem Kunststoff. Und das funktionierte so gut, dass die gesamte Gruppe das neue Produkt einführte und es Heilbronner Palette taufte. Denn ein Vorteil liegt gleich auf der Hand: „Diese Paletten sind deutlich robuster“, sagt Stephanie Gehrke. So robust, dass immer noch etwa 30 Prozent aller Exemplare im Umlauf sind, die 2013 in den Verkehr kamen. Sie sind sind einfach zu erkennen, denn erst 2015 wurde von Braun auf Anthrazit-Grau umgestellt.
Warum der Rercyclinganteil bei 30 Prozent liegt
In den folgenden Jahren wurde das Ganze ausgeweitet: Inzwischen gibt es die Neckarsulmer Euro-Palette und die Stuttgarter Industriepalette. Jede dieser Entwicklungen entspricht einem hölzernen Gegenstück in der Logistikwelt. Die Euro-Palette etwa ist genormt und wird auf dem gesamten Kontinent verwendet. Sie hält deutlich länger als die Düsseldorfer Palette – in der Regel 100 bis 150 Umläufe. Das Kunststoff-Produkt aus der Schwarz-Gruppe hält die Abmessungen genau ein, ist allerdings mit 20 Kilogramm etwa drei Kilogramm leichter und besteht aus bis zu 30 Prozent Rezyklat. Mehr sei aktuell wegen der hohen Beanspruchung der Träger nicht möglich, erklärt Gehrke.
Die Stuttgarter Industriepalette ist einen Meter breit und 1,20 Meter lang, wurde aber nicht bei Schwarz entwickelt. Hinzu kommt noch die Weinsberger Boxpalette – ein klappbarer Träger, der bislang nur bei Kaufland verwendet wird: Darin wird zum Beispiel Obst und Gemüse in den Filialen bereitgestellt. „Lidl verwendet da momentan noch Pappkartons“, erzählt Stephanie Gehrke.
Auch Chips können eingebaut werden
Hergestellt werden die Träger bei Kunststoff-Verarbeitern in Deutschland. Dabei werden nicht nur die Teile gespritzt, sondern auch Metallverstärkungen eingebaut. Vor allem aber erhält jede Palette zwei RFID-Chips, so dass ihr Weg durch die Logistikzentren und Filialen verfolgt werden kann. Daher hat Gehrke auch gute Kenntnis darüber, wie lange die Paletten halten.
Auch Lieferanten und andere Handelsunternehmen können die Paletten einführen
„Wir entwickeln fortlaufend weiter“, berichtet die Preturn-Mitarbeiterin, verantwortlich für den Bereich Business Development. „Wir schauen, wo Bedarf besteht.“ Eingesetzt werden die Paletten inzwischen nicht nur bei den Warenströmen innerhalb der Schwarz-Gruppe, sondern auch bei mehreren Lieferanten, also Lebensmittel- und Non-Food-Herstellern.
Verwendet wird sie unter anderem für den Transport von Molkereiprodukten, Eiern, Zucker, Mehl sowie Konserven oder Katzenstreu. Vor allem die Hersteller von Markenartikeln setzten jedoch nach wie vor die Holzpalette ein. „Wir sind aber auch offen dafür, dass andere Handelsunternehmen sie einführen“, sagt Gehrke.
Erste Kooperationen im Ausland
Immerhin sind alleine von der Neckarsulmer Euro-Palette mittlerweile gut 700.000 Stück im Einsatz. Von der Heilbronner Palette sind es sogar 4,6 Millionen Stück. Die Weinsberger Boxpalette ist wegen ihrer speziellen Anwendung bislang nur 60.000 Mal ausgeliefert worden, zur Stuttgarter Industriepalette liegen keine Zahlen vor. Übrigens: Auch andere Handelsunternehmen nehmen langsam von der Holzpalette Abschied – auch Aldi setzt mittlerweile eine Alternative aus Kunststoff ein, berichtet Stephanie Gehrke.
Im Ausland fasst das Thema erst allmählich Fuß. Bei der Schwarz-Gruppe ist eine erste Kooperation in Italien angelaufen, in weiteren Ländern laufen Gespräche, berichtet die Preturn-Managerin. „Die Bereitschaft wird zunehmen“, erwartet sie.
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