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Geschäftslage

Handwerkskonjunktur in Heilbronn-Franken bricht massiv ein

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Die Konjunktur im Handwerk in Heilbronn-Franken ist zum Jahresbeginn 2026 stark eingebrochen. Viele Betriebe melden weniger Aufträge und sinkende Umsätze. Die Kammerspitze nimmt daher die Politik in die Pflicht.


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Die Konjunktur im Handwerk in der Region und im Land ist zum Jahresbeginn deutlich eingebrochen. Kammern und Verbände fordern von der Politik Impulse und Entlastungen. In der Region Heilbronn-Franken ist die aktuelle Geschäftslage im Handwerk so schlecht wie zuletzt im ersten Quartal 2010 während der Finanzkrise. Das zeigt die Konjunkturumfrage der Handwerkskammer Heilbronn-Franken zum ersten Quartal 2026.

Region Heilbronn-Franken: Geschäftslage im Handwerk ist schlecht

Demnach bewerten nur noch 36 Prozent der Handwerksbetriebe ihre aktuelle Geschäftslage mit gut. So schlecht war dieser Wert zuletzt im ersten Quartal 2010 mit 27 Prozent. 29 Prozent der Betriebe bezeichnen ihre aktuelle Lage als schlecht, 35 Prozent nennen sie befriedigend.

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Besserung ist nicht in Sicht. 24 Prozent der Betriebe rechnen mit einer weiteren Verschlechterung der Situation in den nächsten Monaten. 28 Prozent erwarten eine Verbesserung, während 49 Prozent eine unveränderte Lage erwarten. Es wird nach Angaben der Kammer im Gegensatz zu früheren Jahren nur eine sehr verhaltene Frühjahrsbelebung erwartet. 45 Prozent der Betriebe berichten von gesunkenen Aufträgen, nur 16 Prozent konnten sich über mehr Aufträge freuen. Für das kommende Quartal erwarten 24 Prozent der Betriebe steigende Aufträge und 26 Prozent sinkende Aufträge.

Regionale Handwerker verdienten zuletzt weniger

Die Flaute macht sich auch bei den Umsätzen bemerkbar. Nur 14 Prozent der Handwerker konnten ihre Umsätze zuletzt steigern, 44 Prozent beklagten einen Umsatzrückgang. Im nächsten Quartal rechnen 27 Prozent der Betriebe mit einer Umsatzsteigerung, während 30 Prozent mit sinkenden Erlösen rechnen.

Immerhin bleibt die Beschäftigung im regionalen Handwerk zuletzt weitgehend konstant. 74 Prozent der Betriebe hielten ihre Belegschaften stabil. Bei sieben Prozent ist die Mitarbeiterzahl gestiegen, bei 19 Prozent ist sie gesunken. Für das zweite Quartal rechnen 80 Prozent der Betriebe mit einer stabilen Beschäftigung. Sieben Prozent erwarten eine steigende Beschäftigung, 13 Prozent eine sinkende.

Jeder vierte Handwerksbetrieb in der Region (26 Prozent) hat seine Investitionen zuletzt zurückgefahren, 19 Prozent haben sie erhöht. Für das kommende Quartal planen 17 Prozent höhere Investitionen und 39 Prozent niedrigere Investitionen.

Kammer-Präsident Rothenburger fordert spürbare Entlastungen

Angesichts der schlechten Zahlen zeigt sich Ralf Rothenburger, Präsident der Handwerkskammer Heilbronn-Franken, alarmiert. „Aufgrund der aktuellen geopolitischen Spannungen, die auch die deutsche Wirtschaft stark belasten, war kurzfristig keine Verbesserung zu erwarten“, sagt er. „Dass wir jedoch auf ein Niveau zurückfallen, das zuletzt vor 16 Jahren erreicht wurde, ist ein harter Schlag für das Handwerk.“ Rothenburger appelliert daher erneut an die Politik: „Die Politik muss dringend liefern! Auf Bundesebene braucht es spürbare Entlastungen für den Mittelstand. Und auf Landesebene muss sich schnellstmöglich eine neue, handlungsfähige Landesregierung formieren.“

Auch im Land hat sich die Lage im Handwerk massiv verschlechtert. Die Geschäftslage wurde in der aktuellen Konjunkturumfrage von Handwerk BW so schlecht beurteilt wie zuletzt während der Corona-Pandemie. Nur noch 37 Prozent der Betriebe sprechen von einer guten Geschäftslage, 26 Prozent bezeichnen sie als schlecht. Die Erwartungen fallen verhalten aus. Nur 28 Prozent der Betriebe erwarten eine Verbesserung der Lage in den nächsten Monaten, 23 Prozent rechnen mit einer Verschlechterung. „Unsere neueste Umfrage ist ein ernstzunehmendes Warnsignal“, sagt Rainer Reichhold, Präsident von Handwerk BW.  Wenn sich diese Entwicklung fortsetze, drohe eine weitere Verschärfung der Lage im Handwerk. „Die Politik darf die Betriebe in dieser Situation nicht allein lassen“, sagt Reichhold. Man brauche jetzt spürbare Entlastungen: „Weniger Bürokratie, wettbewerbsfähige Energiepreise und verlässliche wirtschaftspolitische Rahmenbedingungen.“

„Die aktuellen Rahmenbedingungen sind für das Handwerk äußerst herausfordernd“, ergänzt Ralf Schnörr, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer. Es bleibe zu hoffen, dass die Talsohle erreicht sei. „Neben kurzfristig sinnvollen Entlastungen braucht es auch Reformen, die die Rahmenbedingungen für unsere Betriebe langfristig verbessern und wieder verlässliche Perspektiven bieten“, fordert Schnörr.

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