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Integration

Wie ein Flüchtling bei Marbach in Heilbronn zum gefragten Facharbeiter wurde

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Die bewegte Geschichte des Somali Khadar Asad Osman zeigt, wie Flüchtlinge in Deutschland Fuß fassen können. Der Arbeitgeber Marbach und eine ehrenamtliche Betreuerin leisten entscheidende Hilfe.


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Integration ist mitunter harte Arbeit – aber sie lohnt sich. Diese Erfahrung haben Sascha Kollmar und Khadar Asad Osman (27) in den zurückliegenden Jahren gemacht.

Der aus Somalia stammende Flüchtling Osman ist heute ein wichtiger Bestandteil des Heilbronner Stanzformspezialisten Marbach – und ist darauf genauso stolz wie sein Ausbilder Sascha Kollmar. Ein Selbstläufer war diese Erfolgsgeschichte aber nicht, wie beide betonen. 

Osman flüchtet durch die Wüste und übers Mittelmeer Richtung Europa

Doch der Reihe nach. Khadar Asad Osman ist gerade einmal 17 Jahre, als er sich entscheidet, sein von Bürgerkrieg und Hunger geprägtes Heimatland zu verlassen. „Wir sollten für die Terroristen arbeiten“, sagt Osman. Das kommt für ihn nicht in Frage, also bricht er alleine zur Flucht durch die Sahara und das Mittelmeer Richtung Europa auf.

Gut ein Jahr ist der junge Somali unterwegs, teils zu Fuß durch die Wüste und schließlich mit 120 weiteren Flüchtlingen in einem riesigen Schlauchboot über das Mittelmeer. Von seinen 13 Geschwistern wird später noch ein Bruder ebenfalls nach Europa fliehen.

Khadar Asad Osman (Mitte) mit seinem Ausbilder Sascha Kollmar und Marbach-Personalchefin Nicole Waczowicz.
Khadar Asad Osman (Mitte) mit seinem Ausbilder Sascha Kollmar und Marbach-Personalchefin Nicole Waczowicz.  Foto: Paul, Jürgen

Heilbronner Unternehmen Marbach: Bei der Bildungsmesse versteht Osman kein Wort

Über Italien, Österreich, München und das Flüchtlingszentrum in Meßstetten landet Osman im Juni 2015 in einem Flüchtlingsheim in Unterheinriet. Er stellt einen Asylantrag, besucht die Christiane-Herzog-Schule in Heilbronn-Böckingen, über die er auch die Bildungsmesse in Heilbronn besucht.

„Ich habe nichts verstanden“, erinnert sich Osman, der damals noch kein Deutsch spricht. Doch der Messestand mit den Stanzformen von Marbach fasziniert den jungen Somali. Seine ehrenamtliche Betreuerin Isolde Russe aus Donnbronn unterstützt ihn in den Gesprächen, man vereinbart ein Praktikum bei Marbach, das neben der Schule läuft.

Mit viel Hilfe kämpft sich Osman in die Ausbildung

Weil das gut funktioniert, absolviert Osman nach seinem Schulabschluss eine von der Arbeitsagentur geförderte Einstiegsqualifizierung bei Marbach, die ein Jahr dauert. Der Schwerpunkt dieses Langzeitpraktikums liegt damals schon auf dem Beruf des Packmitteltechnologen, wie Marbach–Personalleiterin Nicole Waczowicz berichtet.

Am Anfang tut sich der junge Somali schwer, auch wegen der Sprachbarriere. „Ich habe ihn immer wieder motiviert, bin im auch auf die Füße getreten“, erinnert sich Ausbilder Sascha Kollmar. Mit der Zeit spricht Osman immer besser deutsch und leistet im Betrieb gute Arbeit. Probleme bereitet ihm und dem Unternehmen aber immer wieder die Tatsache, dass Osman sich lange Zeit nicht sicher sein, ob er überhaupt in Deutschland bleiben darf. Sein Aufenthaltstitel muss alle sechs Monate verlängert werden, dazu kommt die deutsche Bürokratie mit viel Papierkram und Behördengängen.

Arbeitgeber Marbach glaubt an den Flüchtling aus Somalia

Mit Hilfe seines Ausbilders und seiner ehrenamtlichen Helferin überwindet Osman diese bürokratischen Hürden und startet im September 2018 seine reguläre Ausbildung zum Packmitteltechnologen. „Das erste Lehrjahr war hart“, sagt Osman. Die Kollegen und die Firma hätten ihm geholfen, mittlerweile hat er das Flüchtlingsheim in Unterheinriet verlassen und wohnt in einer WG in Böckingen – auch das hätte ohne Hilfe kaum geklappt.

Die Leistungen in der Ausbildung stimmen, schon sechs Monate vor der Abschlussprüfung erhält Osman einen unbefristeten Vertrag. Das Vertrauen seines Arbeitgebers wird auch nicht dadurch erschüttert, dass der Somali die schriftliche Prüfung nicht besteht und in die mündliche Nachprüfung muss.

Osman hat mittlerweile auch die deutsche Staatsbürgerschaft

Heute ist Khadar Asad Osman eine „vollwertige Fachkraft im Montagebereich für die Zigarettenindustrie“, wie Ausbilder Kollmar sagt. Der Aufwand sei schon groß gewesen, „speziell im privaten Bereich“, räumt er ein. Aber sein Schützling sei immer motiviert gewesen, betont er.

Osman ist sehr dankbar für die Hilfe, denn er weiß: „Alleine hätte ich das nie geschafft.“ Mittlerweile hat der 27-Jährige eine Wohnung in Heilbronn gefunden und hat auch die deutsche Staatsbürgerschaft erhalten. Denn für Osman ist klar: „Ich will in Deutschland und bei Marbach bleiben.“

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