175 Jahre Heidelberger Druckmaschinen: Eine Maschinenbaulegende feiert
Heidelberger Druckmaschinen ist 175 Jahre alt: Gegründet als Glockengießerei, hat das Unternehmen den Sprung in die Digitalisierung geschafft. Visitenkarten werden dort aber immer noch mit einem Oldtimer hergestellt.
Es ist kein Zufall, dass sich vor allem asiatische Gäste im Showroom drängen. China ist schließlich inzwischen der wichtigste Markt für den Anlagenbauer Heidelberger Druckmaschinen. Das Unternehmen, das heute seinen Sitz in Wiesloch hat, hat nun seine zentralen Geschäftspartner eingeladen: Viele sind aus China gekommen, viele aber auch aus den USA. Noch bis diesen Mittwoch wird gefeiert – der SDax-Konzern wird 175 Jahre alt.
Heidelberger Druckmaschinen 175 Jahre alt: Beginn als Glockengießerei
Dabei waren Druckmaschinen nicht schon immer Schwerpunkt der Firma. 1850 startete sie als Hersteller von Druckerpressen – und gleichzeitig als Glockengießerei. Und sie hatte gleich mit der „Kaiserglocke“ für den Kölner Dom einen Großauftrag an Land gezogen.

Dass der Guss erst im dritten Anlauf den Firmengründer Andreas Hamm zufriedenstellte, deutet der Vorstandsvorsitzende Jürgen Otto als Zeichen: Solch einen Qualitätsanspruch habe der Maschinenbauer schließlich heute noch. „Es gibt keine chinesischen oder amerikanischen Hersteller auf unserem Niveau“, sagt er. „Wir spielen immer Champions League. Wir verteidigen noch heute die Weltspitze.“
Heidelberger Druckmaschinen: Kooperation mit MAN Roland
Wobei das auch mit Rückschlägen einherging. Vor fünf Jahren zum Beispiel stellte Heidelberg die Produktion von Druckmaschinen für Großformate ein. „Die Verluste waren zu groß, die Sparte war tief in den roten Zahlen“, erläutert Vertriebsvorstand David Schmedding. Zuletzt hätten aber immer häufiger Kunden genau solche Anlagen nachgefragt. Also hat sich das Unternehmen zu einer Kooperation entschlossen: Beim Festakt verkündet der Vorstand, dass künftig Großformat-Druckmaschinen unter dem Namen „Cartonmaster“ im Sortiment sind.
Hergestellt werden die Maschinen aber bei MAN Roland, sie erhalten bloß das heidelberg-typische Design. Die beiden Hersteller gehen dafür eine Vertriebs- und Service-Partnerschaft ein, erklärt Otto. „Wir sind jetzt Vollsortimenter.“ Solch eine Partnerschaft wurde bereits vor einem Jahr eingegangen, als Heidelberg eine Partnerschaft mit dem Druckerhersteller Canon für ein digitales Druckverfahren bekanntgab. Weitere Kooperationen schließt Otto nicht aus: „Wir müssen da offen bleiben.“

Einen Blick auf das gesamte Produktspektrum können Kunden nun im neu gestalteten Vorführzentrum werfen. Für mehr als 20 Millionen Euro wurde Gebäude 11 auf dem weitläufigen Werksgelände bei Wiesloch umgebaut. Auch diese Eröffnung wurde in den Festakt gelegt - anfangs verdecken noch große Vorhänge den Blick in die Halle mit den verschiedenen Anlagen, von ganz kleinen bis zu ganz großen. Mittlerweile kommen die meisten Aufträge von Verpackungsherstellern, erläutert Otto.
Etiketten werden mit Heidelberg-Maschinen ebenso hergestellt wie Pizzakartons oder kompliziert gestaltete Faltschachteln. Dass die Anlagen viele Jahrzehnte laufen können, belegt der Vorstandschef mit seiner neuen Visitenkarte: Sie sei NFC-fähig, könne also ihre Daten auf ein entsprechend freigeschaltetes Smartphone übertragen - und wurde mit einer „Tiegel“ gedruckt, der ersten serienmäßig hergestellten Druckmaschine des Unternehmens, gut 100 Jahre alt.
Heidelberger Druckmaschinen mit Datenanalyse auch für die Kunden
Vernetzung und Digitalisierung gehören schließlich dazu. 11.000 Maschinen seien zum Beispiel mittlerweile digital erfasst und können über Cloud Services vom Data Lab in Wiesloch aus gewartet und verglichen werden. Das interessiere auch die Kunden, versichert der Vorstand: „Viele wollen sehen, wie gut sie im Vergleich zu anderen Nutzern sind.“
Wie sich die Geschäfte im jüngsten Geschäftsjahr entwickelt haben, wird erst am Donnerstag bekanntgegeben, wenn der börsnnotierte Konzern seine Bilanz vorlegt. Nach vorläufigen Zahlen sank der Umsatz von 2,4 auf 2,3 Milliarden Euro, die Rendite vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen blieb aber auf nahezu gleichem Niveau. Ohnehin ist der Vorstand gerade sehr positiv gestimmt: Von der Messe China Print vor wenigen Wochen kehrte er mit mehr Aufträgen und Anfragen als erhofft zurück. Dass die Umsätze in den USA um mehr als 20 Prozent zurückgingen, sei aus anderen Regionen wie China, aber auch Nahost, Indien und Indonesien kompensiert worden.
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