3000 Handwerker in der Region Heilbronn suchen einen Nachfolger
Die Zahl der Handwerksbetriebe in der Region Heilbronn und in Baden-Württemberg wächst leicht. Aber das Thema Betriebsübergabe bereitet der Branche große Sorgen.
Das Handwerk in der Region Heilbronn-Franken trotzt der Wirtschaftskrise. Wie die Handwerkskammer Heilbronn-Franken mitteilt, gab es im Kammerbezirk Ende 2024 genau 12.796 Betriebe - das ist einer mehr als Ende 2023. „Das Handwerk ist auch weiterhin eine der wichtigsten und interessantesten Branchen“, freut sich Kammerpräsident Ralf Rothenburger über die stabile Lage.
Mehr Handwerksbetriebe in der Region Heilbronn, aber wenige Nachfolger
Sorge bereitet Rothenburger allerdings das Nachfolgeproblem in vielen Betrieben. „In den nächsten fünf Jahren suchen rund 3000 Handwerksbetriebe in der Region einen Nachfolger“, sagt der Präsident. Daher sei es extrem wichtig, Betriebsübergeber und potenzielle Übernehmer zusammenzubringen. „Die Handwerkskammer unterstützt mit ihren Beratungsangeboten beide Seiten“, sagt Rothenburger. Eine erfolgreiche Vorbereitung sei das A und O einer erfolgreichen Nachfolge.
Ende 2024 gab es im Kammerbezirk Heilbronn-Franken 8734 Betriebe des zulassungspflichtigen Handwerks, für dessen Ausübung man in der Regel den Meisterbrief benötigt. Das ist im Vorjahresvergleich ein Rückgang um 92 Betriebe. Bei den zulassungsfreien Berufen gab es einen Zuwachs um 108 Unternehmen auf nun 2694 Betriebe. Besonders das Gebäudereiniger-Handwerk hat hier zugelegt - und zwar um 64 Betriebe. Auch bei den Kosmetikern gab es ein klares Plus von 27 zusätzlichen Betrieben.
1271 Unternehmen im Kammerbezirk gehören zum handwerksähnlichen Gewerbe - das sind sieben Betriebe mehr als Ende 2023. Dazu gehören etwa Kabelverleger, Bodenleger oder Asphaltierer.
Baden-Württemberg: Auch landesweit ist die Zahl der Handwerksbetriebe 2024 gestiegen
In Baden-Württemberg gab es Ende 2024 insgesamt 143.691 Handwerksbetriebe - das sind 1122 Betriebe mehr als Ende 2023. Der Zuwachs ging auch hier vor allem auf zulassungsfreie Berufe ohne Meisterpflicht zurück. Besonders stark war der Rückgang bei den Maurern und Betonbauern.
„Wir warnen seit zwei Jahren vor diesem Substanzverlust im Baubereich, weil die Politik die Baukonjunktur unzureichend stützt“, klagt Rainer Reichhold, Präsident von Handwerk BW. „Diese Betriebe fehlen uns für den nötigen Aufwuchs im Wohnungsbestand“, betont er.
Handwerk in Baden-Württemberg fordert mehr Anreize zur Betriebsübernahme
Auch im Land suchen viele Handwerker Nachfolger für ihre Unternehmen. „Wir sehen, dass kerngesunde Betriebe keine Perspektive haben, weil sie keine Nachfolger finden“, sagt Rainer Reichhold, Präsident von Handwerk BW. Dies habe auch Auswirkungen auf die Versorgung der Bevölkerung.
„Es wäre fatal, wenn wir mehr Betriebe durch Nachfolgemangel verlieren, als wir in den kommenden Jahren an Neugründungen gewinnen können“, warnt Reichhold. Er fordert mehr Anreize, um Betriebsübernahmen einfacher und attraktiver zu machen. Neben dem Abbau von Bürokratie wäre auch die Ausweitung der Antragsfrist bei der Meistergründungsprämie auf vier Jahre ein wichtiger Schritt, sagte der Präsident von Handwerk BW.
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