Bei Gropyus wird jetzt produziert: Seltener Einblick in Eppinger Holzbau-Start-up
Das Holzmodul-Werk Gropyus in Eppingen-Richen stellt die ersten Wände und Decken her. Nun gewährt die Leitung des aufstrebenden Hightech-Unternehmens einen seltenen Einblick in die hochautomatisierte Fertigung.

Philipp Erler kann sich ein Grinsen nicht verkneifen. Nein, die Roboter sind tatsächlich nicht in Orange, sondern im satten Grünschwarz des Gropyus-Logos lackiert. Dazu habe er den Lieferanten Kuka am Ende doch überreden können, gibt der Unternehmensgründer und Geschäftsführer zu. Die Augsburger dürften es sogar gerne getan haben – schließlich haben sie gleich 50 dieser Arbeitsmaschinen in das Werk am Rande des Eppinger Stadtteils Richen geliefert. Und eine beträchtlich Anzahl fahrerlose Flurförderfahrzeuge noch dazu.
Holzbau-Start-up in Eppingen-Richen: Wer alles in Gropyus investiert hat
Satte 50 Millionen Euro sind in die Technik in dem früheren Brettschichtholzwerk geflossen, seit das Bau-Start-up von Erler, einst Technikchef bei Zalando, und seinen österreichischen Kompagnons Markus Fuhrmann (einst Gründer von Delivery Hero) und Bernd Oswald das Areal 2020 übernahm. Insgesamt waren es sogar 75 Millionen Euro, erzählt der Gropyus-Chef. Heute halten er und seine beiden Mitgründer sowie eine Mitarbeiter-Beteiligungsgesellschaft noch knapp die Hälfte an dem Start-up, der Rest ist in den Händen von Investoren. Überwiegend, erzählt Erler, handele es sich dabei um Investmentgesellschaften von Industriellenfamilien. Aber auch der Dax-Konzern Vonovia beteiligte sich 2022 an dem Unternehmen.
Gropyus in Eppingen: Fünf Großaufträge sind schon eingegangen
Für Vonovia wird nun auch in Richen produziert. Vier Großaufträge hat die Bauträger-Tochter des Konzerns erteilt, über insgesamt 285 Wohnungen. Aktuell wird für eines dieser Vorhaben in Berlin-Willmersdorf produziert, berichtet Simon Nagel, Geschäftsführer des Werks Richen. Die ersten Module für das zweite Berliner Projekt, im Bezirk Lichtenberg, laufen auch schon durch die Roboterstraßen. Außerdem ist bereits eines von neun Häusern in Immendingen fertig – der einzige der aktuellen Aufträge, der nicht von Vonovia stammt. In Vorbereitung sind noch deren Projekte in Dresden und Salzburg.
Noch läuft das Gropyus-Werk in Eppingen nicht unter Volllast
Damit, versichern Erler und Nagel, ist die Auslastung des Werks Richen in diesem Jahr gesichert. Denn mehr gehe noch gar nicht – zum einen sind erst 180 der geplanten 230 Mitarbeiter eingestellt, so dass nur im Ein-Schicht-Betrieb produziert wird, vor allem aber wird die Produktion, die erst im Oktober startete, seitdem allmählich hochgefahren.
Bei einem Automatisierungsrad von bis zu 84 Prozent müsse jede Anlage, jeder Roboter justiert werden, Fehlerquellen müssen abgestellt, Abläufe optimiert werden. „Da können wir noch nicht mit voller Geschwindigkeit fahren“, erklärt Erler. Die Taktzeit betrage derzeit 16 Minuten – so lange brauche es für jedes Wand- oder Deckenmodul von einer Fertigungsstation zur nächsten. Oder anders gesagt: Alle 16 Minuten wird eine Wand, wird eine Decke fertig. Gesamt-Durchlaufzeit von den ersten Balken bis zur Einlagerung des fertigen Moduls in das Versandregal: etwa drei Stunden.
Für wen das Eppinger Gropyus-Werk produzieren möchte
Bei voller Auslastung und dem angestrebten Produktionstempo ließen sich 3500 Wohneinheiten im Jahr herstellen, erklärt Erler. Dabei handele es sich aber nicht um Einfamilienhäuser: Es sollten mindestens 3000 Quadratmeter Bruttogeschossfläche sein. Das ist schließlich das Ziel bei der Firmengründung gewesen: Nachhaltiges Bauen so weit zu rationalisieren, dass sich Nachverdichtung auch in Großstädten wieder rentiert. Sobald die Bodenplatte hergestellt ist, müssen die Wand- und Deckenmodule auf der Baustelle nur noch zusammengesetzt werden. „Das ist wie Legospielen für Erwachsene“, beschreibt es Nagel. Und ebenso individuell. „Theoretisch könnte jede Wand genau einmal produziert worden sein.“ Ein Plattenbau in Holz solle Gropyus schließlich nicht sein.
Bis mit dem Werk, mit dem Unternehmen und seinen Produkten Gewinne eingefahren werden, dürfte es aber – ganz start-up-mäßig – noch etwas dauern. Frühestens nächstes Jahr werde es ein positives Ergebnis geben – vor Abschreibungen, Zinsen und Steuern, im Fachjargon Ebitda genannt. Wann es auch unter dem Strich für schwarze Zahlen reicht? Das muss Erler erst einmal unbeantwortet lassen.
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