Nach GKN-Abschaltung: Warum Transnet-BW ins Umspannwerk Neckarwestheim investiert hat
Nach der Abschaltung des letzten Atomreaktors im GKN wurde das Umspannwerk am Rande des Ortes eigentlich kaum noch gebraucht. Doch stattdessen hat Transnet-BW in den Standort investiert. Denn er liegt strategisch günstig.
Ein leises Knistern liegt in der Luft. „Das normalste Geräusch der Welt“, meint Maximilian Walter. „In jedem Sicherungskasten zu Hause summt es ja auch.“ Nur dass es hier um wesentlich mehr Spannung geht, um Arbeiten, die Schwindelfreiheit erfordern, um die dicken Arterien des Stromnetzes, nicht um die Kapillaren. Auf dem Gelände des Umspannwerks Neckarwestheim (Landkreis Heilbronn) sind die Effekte der Energiewende inzwischen zu sehen. Denn hier hat sich viel getan.
Größeres Betriebsgebäude und neue Lagerhalle in Neckarwestheim
Stolz ist Walter, Leiter des Bereichs Leitungsanlage in Neckarwestheim, auf die Neubauten auf dem 6000 Quadratmeter großen Gelände: Im November wurde die Erweiterung des Betriebsgebäudes bezogen, außerdem ist eine zusätzliche Lagerhalle mit vier Toren entstanden. Sein Team ist für alle Hochspannungsleitungen in Württemberg bis hinab zum Bodensee zuständig, inklusive der Landkreise Main-Tauber und Neckar-Odenwald – und damit alleine für exakt 3172 Strommasten auf 1107 Leitungskilometern.

„Viele Kollegen sind regional verteilt“, erklärt Walter. Sie haben Kleintransporter mit dem am häufigsten benötigten Werkzeug, um im Fall des Falles zu Reparaturen ausrücken zu können. Größere Projekte starten in Neckarwestheim, wo das nötige weitere Material lagert. Sogar Ersatz-Strommasten gibt es, die sich aber auf einem gesonderten Lagerplatz befinden.
Aber Neckarwestheim ist noch mehr: Von hier aus werden insgesamt zehn Umspannwerke zwischen der bayrischen Grenze und dem Raum Stuttgart betreut. Betriebsleiter jenes Bereichs ist Simon Scholl. Insgesamt gibt es im Gebiet der EnBW-Tochter Transnet-BW 50 Umspannwerke, die von fünf Standorten aus – neben Neckarwestheim sind dies Goldshöfe, Hechingen, Eichstetten und Bruchsal – gelenkt werden.
Ehemaliges Schaltfeld vor Atomkraftwerk Neckarwestheim wird Trainingsgelände
In Neckarwestheim kamen in der Anlage am östlichen Ortsrand früher die Leitungen vom benachbarten Atomkraftwerk an, der erzeugte Strom wurde von dort nach Großgartach und nach Stuttgart weitergeleitet. Das riesige sogenannte Schaltfeld ist aber mit der Stillegung des letzten Reaktors abgebaut worden. Zurück blieb eine Rasenfläche, auf der noch ein sogenanntes Portal steht, über das einst die Leitungen von den Trafos zu den Masten führten. Dies soll künftig zu Trainingszwecken für die Monteure dienen, erläutert Walter.

„Wir haben derart spezielle Aufgaben, dass wir sie hier vor Ort üben müssen.“ Schließlich müssen die Mitarbeiter auf Strommasten klettern, sich auf den Leitungen bewegen – und das alles unter Einhaltung aller Sicherheitsvorschriften.
Suedlink-Strom wird eines Tages über Neckarwestheim in den Raum Stuttgart weitergeleitet
Vergangenes Jahr wurde auf einem Platz am Rande des einstigen Schaltfeldes etwas anderes aufgestellt: die sogenannte Kompressionsdrosselspule. Mit ihr soll grob gesagt verhindert werden, dass bei hoher Einspeisung von erneuerbarem Strom, also aus Windkraft oder Photovoltaik, die Frequenz im Stromnetz zu stark vom Wert von 50 Hertz abweicht. Denn dann kann es zu Abschaltungen kommen. So kommt dem unscheinbaren kleinen Bauwerk eine zentrale Rolle in der Energiewende zu.
Und eines Tages, voraussichtlich 2028, spielen auch die 38 Masten nach Großgartach eine zentrale Rolle: Über ihre Leitungen wird dann der Strom aus dem Suedlink-Kabel über Neckarwestheim in den Raum Stuttgart weitergeleitet.
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